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Persönlich : Ehemalige Bundestagsabgeordnete muß putzen gehen

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Zur Not arbeitet sie als Putzfee: Lilo Friedrich Bild: dpa

Als Abgeordnete für die SPD hat Lilo Friedrich über Hartz IV mitentschieden. Jetzt ist die 57jährige arbeitslos und denkt ein wenig anders über die Reformen auf dem Arbeitsmarkt: „Es ist ja keine Arbeit da, in die man die Leute bringen könnte.“

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          „Wer arbeiten will, der bekommt auch Arbeit“: Diesen Satz hätte Lilo Friedrich, Sozialdemokratin und ehemalige Bundestagsabgeordnete, jederzeit unterschrieben, bis sie im September 2005 nach der Wahlniederlage selbst auf Arbeitssuche gehen mußte - und dabei scheiterte. Nach rund 100 fehlgeschlagenen Bewerbungen sah die 57jährige nur noch eine Möglichkeit: ihre Selbstständigkeit. Seit Juni bietet sie im Umkreis von Monheim bei Düsseldorf ihre Dienste als „Putzfee“ und Haushaltshilfe an. Daß nach der vergeblichen Arbeitssuche manche ihrer Parlaments-Entscheidungen zweifelhaft geworden sind, gibt Lilo Friedrich unumwunden zu.

          „Eigentlich suchen wir ja was Jüngeres“, diesen Satz habe man ihr während der Jobsuche unzählige Male um die Ohren gehauen. Die gelernte Näherin und Mutter von sechs Kindern wollte nach sieben Jahren im Bundestag als Altenpflegerin oder Textil-Verkäuferin arbeiten. Doch potentielle Arbeitgeber hätten sie entweder für zu alt, für überqualifiziert oder für zu selbstbewußt befunden, berichtet sie.

          Es ist keine Arbeit da

          „Mit 57 wollte ich aber noch nicht daheim bleiben“, sagt die resolute Rothaarige, „und ohne meinen Verdienst hätten wir uns finanziell sehr einschränken müssen.“ Ihr Mann ist Frührentner, zwei ihrer Kinder sind noch in der Ausbildung. „Die Menschen denken, man kommt zurück und hat ausgesorgt“, sagt sie. Bis Mai dieses Jahres erhielt sie noch 7009 Euro monatlich Übergangsgeld vom Bundestag. Eine vergleichsweise kleine Rente, rund 1600 Euro, bekomme sie erst ab dem 65. Lebensjahr.

          Nicht nur Friedrichs Ansichten über die angeblichen Chancen bei der Arbeitssuche haben sich seit ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag verändert. Auch über einige ihrer früheren politischen Entscheidungen zum Thema Arbeitslosigkeit denkt die 57jährige heute anders: „Ich habe Hartz IV mitentschieden. Aber wir müssen viel genauer hinsehen, wen es trifft und wie. Denn es ist ja keine Arbeit da, in die man die Leute bringen könnte.“

          Mehr gelernt als im Bundestag

          Mit Blick auf ihre ehemaligen Parlaments-Kollegen sagt sie: „Es würde so manchem gut tun, die Erfahrungen zu machen, die ich gemacht habe. Was ich im letzten Jahr erlebt habe, können sieben Jahre im Bundestag nicht wettmachen.“ Nach den vorgezogenen Neuwahlen habe ihr lediglich eine Versicherung einen repräsentativen Posten angeboten. „Aber ich bin doch nicht blöd“, sagt Friedrich über dieses Angebot. „Die wollten nicht mich, sondern meine Kontakte.“

          Deshalb putzt sie nun für 11,50 Euro brutto die Stunde. „Reichtümer kann ich so nicht erarbeiten“, sagt sie, „aber es macht Spaß.“ Gut die Hälfte ihrer Kunden seien ältere Leute. „Viele müßten sonst ins Pflegeheim, wenn sie keine Haushaltshilfe hätten“, sagt sie, „da bin ich oft auch „seelischer Mülleimer“.“ Einen Putzfimmel habe seine Frau schon immer gehabt, schmunzelt ihr Ehemann Karl-Heinz Friedrich: „Wenn wir früher in der Urlaub gefahren sind, ist Lilo als letzte rückwärts aus dem Haus mit dem Staubsauger in der Hand.“

          Ebenso wie ihre Parteifreunde war auch Friedrichs Familie zunächst wenig begeistert, als sie sich mit „haushaltsnahen Tätigkeiten“ selbstständig machen wollte. Doch die energiegeladene frühere Politikerin ließ sich nicht von ihrem Vorhaben abbringen - mit Erfolg: „Ich bin von Montag bis Freitagmittag voll ausgelastet“, sagt Friedrich. In den nächsten Tagen will Friedrich sogar eine weitere Mitarbeiterin auf 400 Euro Basis engagieren: „Aber ich werde nur Frauen über 50 einstellen.“

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