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Persönlich : Bettina Zimmermann: Rächerin der Spätgeborenen

  • -Aktualisiert am

Bettina Zimmermann in der Sommermode 2030 Bild: F.A.Z. - Christian Thiel

Die Schauspielerin Bettina Zimmermann sah bislang vor allem in Historiendramen gut aus. Jetzt kämpft die Frau mit der „Pippi-Langstrumpf-Kindheit“ in einem ZDF-Mehrteiler für die humorlos entsorgten Rentner von morgen.

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          Möglicherweise müssen wir uns um unsere Rente doch bald keine Sorgen mehr machen, denn Bettina Zimmermann hat sich der Sache angenommen. Auf den ersten Blick ein erstaunlicher Kompetenzzuwachs, denn vor ein paar Jahren galt Bettina Zimmermann noch als „irgend so'n Model“, das zufällig gerade die Freundin „vom Sohn von der Berben“ war. Manche fanden auch, sie sehe ein bißchen so aus wie Oliver Berbens Mutti in jung.

          Der Sohn von Iris Berben hatte damals gerade eine Filmproduktionsfirma gegründet, mit der er zunächst vor allem Filme seiner Mutter produzierte. Nörgelige Beobachter der Branche mutmaßten daher, er würde die eine oder andere Rolle sicher auch bald seiner Freundin zuschanzen, die sich Hoffnungen machte, als Schauspielerin den Durchbruch zu schaffen. Die Geschichte lief dann aber anders.

          Bundesrepublikanische Mythengeschichten

          Bettina Zimmermann hat bis heute in keinem Film mitgespielt, den Oliver Berben produziert hat. Das Paar trennte sich erst einmal und nahm getrennte Karrierewege. Bettina Zimmermanns Rollen wurden größer, in „Erkan & Stefan und die Mächte der Finsternis“ bewies sie komisches Talent. Der Respekt in der Branche wuchs. Mit dem Komiker Stefan Lust war sie eine Weile zusammen.

          Dem Rentenloch auf der Spur, aber sorgenfaltenfrei

          Oliver Berben produzierte in der Zwischenzeit ein paar brauchbare Filme. Spätestens seit er die Verfilmung des Houellebecq-Romans „Elementarteilchen“ zeigte, gilt er als little big shot in der Branche. Bettina Zimmermann reüssierte derweil in „Die Luftbrücke“ und in „Die Sturmflut“, den epischen TV-Fassungen bundesrepublikanischer Mythengeschichte. Stimmen, die einräumten, daß sie das Handwerk des Schauspielens beherrsche, nahmen zu. Ganz ohne ihren Olli machte sie Karriere und emanzipierte sich nebenbei von ihrer einstigen Überschwiegermutter.

          Im Jahre 2030 droht der „Aufstand der Alten“

          Mittlerweile ist sie mit Oliver Berben wieder zusammen. Und wenn Berben heute einen Film produzieren würde, in dem seine Mutter und seine Freundin tragende Rollen spielten, würden auch hauptberufliche Mißgönner einräumen, daß da drei Profis zusammenarbeiten, die etwas können. Und die Quote bringen.

          Aber zurück zur Rentenversorgung. Nachdem Bettina Zimmermann sich schauspielerisch in jüngerer Zeit vor allem an historischen Stoffen abarbeiten durfte, wendet sie sich jetzt der Zukunft zu. Sie dreht gerade die ZDF-Produktion „Der demographische Wandel“, die Anfang nächsten Jahres gesendet wird. Der Titel klingt ungefähr so mitreißend wie „Die Pendlerpauschale“ oder die Anmoderation eines „Monitor“-Beitrags, doch der Stoff ist dramatisch: Im Jahre 2030 droht der „Aufstand der Alten“ wegen einer „jahrzehntelang fehlgeleiteten Renten- und Gesundheitspolitik“ (Pressetext).

          1929 oder 2006 sieht immer nach 1973 aus

          Bettina Zimmermann spielt die Journalistin Lena Bach und spürt den „skrupellosen Machenschaften“ einer Regierungsbürokratie nach, die kostenintensive Rentner humorlos entsorgt. Sie ist eine Rächerin der Entrenteten, eine Jeanne d'Arc der Sozialkassen. Gedreht wird unter anderem im Internationalen Congress Centrum in Berlin. Das wurde in den Siebzigern gebaut und sieht deshalb ziemlich spacig aus. Zukunft im Film sieht ja eigenartigerweise immer nach 1973 aus, egal ob der Film 1929 oder 2006 gedreht wurde.

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