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Verbotene Stadt : Ein Foto mit Folgen

Zufahrt nicht gestattet: Blick in die Verbotene Stadt Bild: AFP

Zwei Frauen haben mit einem Foto von einem SUV vor Pekings wichtigster Sehenswürdigkeit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Selbst die Parteipresse stimmte mit ein. Nun heißt es: Es soll alles ganz anders gewesen sein.

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          Das Foto einer Mercedes G-Klasse vor der bekannten Kulisse der Verbotenen Stadt hat im chinesischen Internet einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Gepostet hatte das Bild am Freitag eine Frau, die sich im sozialen Netzwerk Weibo „LuxiaobaoLL“ nennt. Es zeigt mutmaßlich sie selbst und eine weitere Frau, beide mit großen Sonnenbrillen und schickem Outfit, vor dem genannten SUV. Dazu schrieb sie: „Weil montags geschlossen ist, haben wir die Touristen vermieden und den Palast genossen“.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Im Internet kam der Verdacht auf, die Frauen hätten sich mit ihrem Fahrzeug Zugang zu einem Bereich der bedeutendsten Pekinger Sehenswürdigkeit verschafft, der für den Autoverkehr gesperrt ist. Viele Nutzer witterten einen weiteren Beleg für die Dreistigkeit von Chinas Reichen und Mächtigen. Besonders peinlich für die Kommunistische Partei war, dass „LuxiaobaoLL“ in früheren Internetbeiträgen behauptet hatte, der Revolutionsheld He Changgong, der in den Anfangsjahren der Partei eine zentrale Rolle gespielt hatte, sei ein Großvater ihres Ehemannes. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür nicht – aber auch kein Dementi.

          Ein Hin und Her der Kommunikation

          Die kritischen Internetnutzer sahen sich bestätigt, als das Palast-Museum, so der offizielle Name der Verbotenen Stadt, erklärte: „Wir sind zutiefst erschüttert und entschuldigen uns aufrichtig bei der Öffentlichkeit. Wir werden verhindern, dass das je wieder vorkommt.“ Mehr als 300.000 Internetnutzer kommentierten die Mitteilung. Der Zwischenfall rief derart viel Aufmerksamkeit im Internet hervor, dass die Parteipresse sich am Wochenende gezwungen sah, sich auf die Seite der Kritiker zu stellen. Eine Internetplattform der „Volkszeitung“, die die offizielle Haltung der Partei wiedergibt, schrieb: „Die Frau, die es wagt, gegen die Regeln zu verstoßen und es öffentlich zu zeigen, stützt sich auf die Unwissenheit und Furchtlosigkeit des Privilegs.“ Eine Publikation der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua verlangte, dass das Palast-Museum ermitteln müsse, welcher Mitarbeiter den Frauen die Einfahrt gewährt habe. Die Parteizeitung „Global Times“ verwies darauf, dass nicht einmal ausländische Staatschefs mit dem Auto in die Verbotene Stadt fahren dürften.

          Doch am Dienstag meldete sich der Direktor des Palast-Museums zu Wort – und stellte die Ereignisse in einem ganz anderen Licht dar. An jenem Tag, als das Foto mit den beiden Frauen vor der Verbotenen Stadt entstand, habe es dort eine geschlossene Veranstaltung mit mehr als 200 Personen gegeben, teilte er mit. Weil der Parkplatz voll gewesen sei, hätten die zuständigen Mitarbeiter Fahrzeuge auf einen anderen Teil des Geländes umgeleitet. Damit seien sie zwar vom genehmigten Ablaufplan abgewichen. Die Fahrzeuge seien jedoch in einem Bereich geparkt worden, der in der Vergangenheit schon häufiger befahren worden und an Tagen, an denen das Museum geschlossen war, zeitweilig als Parkplatz genutzt worden sei. Warum der Direktor trotz der öffentlichen Aufregung vier Tage brauchte, um diese Version der Ereignisse zu veröffentlichen, blieb allerdings sein Geheimnis.  

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