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Peinliche Prominente : „Habt geschützten Sex und fahrt Hybridautos“

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Gwyneth Paltrow bemüht sich für eine bessere Welt: „Read Across America” Bild: AP

Ob Klima-Kollaps, Aids oder Armut in Afrika: Kaum eine Geißel der Menschheit ist heute noch vor wohltätigen Prominenten sicher. Ein Oscar für den skurrilsten Vorschlag in Sachen Weltverbesserung gebührt Jessica Alba.

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          Wenn am nächsten Sonntag in Hollywood die Oscars verteilt werden, genügt es nicht mehr, bloß optisch eine gute Figur zu machen: Wer sich heutzutage auf den roten Teppich begibt, sollte vorher dem sensibilisierten Publikum zuliebe seinen Willen zur Rettung der Menschheit (oder zumindest von Flora und Fauna) unter Beweis gestellt haben. Diverse Pannen aus der jüngsten Vergangenheit gemahnen allerdings zur Vorsicht, denn es bedarf offenbar auch auf dem Feld der Wohltätigkeit eines gewissen Einfühlungsvermögens, um drohende Peinlichkeiten zu vermeiden.

          Als beispielsweise George Clooney im vergangenen Jahr bei der Oscar-Verleihung sein Geschenktütchen (Inhalt: ein „BlackBerry“, eine tahitische Perlenkette sowie ein Kimono) versteigern ließ, kamen für die Opfer des Hurrikans „Katrina“ immerhin fast 50.000 Dollar zusammen. Da konnte man nicht meckern. Als jedoch Clooneys Kollegin Keira Knightley bei dieser Gelegenheit ebenfalls ein großes Herz beweisen wollte und der Hilfsorganisation „Oxfam“ ihre „Vera Wang“-Kreation überließ, mit der sie in der Oscar-Nacht leer ausgegangen war, erntete sie dafür vor allem Häme. Denn das schokofarbene Kleid brachte bei einer Auktion im Internet magere 8.000 Dollar ein - und Keira Knightley den Vorwurf, sie habe ihre abgelegte Abendrobe lediglich verscherbelt, um Sympathie-Defizite wettzumachen.

          Ungezügelter Wohltäterei

          Nach Jahren ungezügelter Wohltäterei honoriert das Publikum längst nicht mehr jede Charity. Während das Engagement für Afrika, gegen Armut und Aids bislang als Garant für Popularität galt, werden die prominenten Gutmenschen zunehmend kritisch beäugt. „Ein guter Zweck muss in Hollywood heute ein gewisses Flair haben und gleichzeitig politisch korrekt sein. Bei den immer neuen Organisationen, die aus dem Boden schießen, greifen viele Stars einfach daneben“, sagt eine Kennerin der Branche. „Das Engagement von Michael J. Fox, der an Parkinson erkrankt ist und deshalb eine Parkinson-Stiftung gegründet hat, stößt auf breite Zustimmung.“ Wenn aber der gute Zweck zu weit von der Lebenswirklichkeit eines Hollywood-Stars entfernt sei, drohten Glaubwürdigkeitsmängel.

          Gwyneth Paltrow bemüht sich für eine bessere Welt: „Read Across America” Bilderstrecke

          Als etwa Cameron Diaz mit der MTV-Serie „Trippin“ bei jugendlichen Fans Umweltbewusstsein zu wecken versuchte, scheiterte sie kläglich. Ihre Begeisterung für Kuhdung als Baumaterial nepalesischer Hütten (“Das schärfste Ding“), die Schilderung ihrer Schauspielfreundin Drew Barrymore von Ausritten im chilenischen Dschungel (“Es war unbeschreiblich“) und die eher sinnleeren Kommentare der mitreisenden Eva Mendez (“Natur macht Spaß“) vermochten das heimische Publikum einfach nicht zu einem sparsameren Umgang mit natürlichen Rohstoffen zu animieren. Stattdessen hagelte es Kritik von allen Seiten: Menschenrechtsorganisationen rügten, das Reisegrüppchen aus Hollywood bewundere den wachsenden Baumbestand Bhutans, ohne die katastrophal hohe Säuglingssterblichkeit und die geringe Lebenserwartung in dem Himalaja-Staat überhaupt nur zu erwähnen. Und sogar Umweltorganisationen meldeten sich zu Wort, um den allzu großzügigen Einsatz von Hubschraubern, Privatjets und Luxus-Geländewagen für die vermeintliche Ökoshow zu monieren. Cameron Diaz und ihre Freundinnen haben sich mit ihrem inzwischen als „Charitainment“ verschrieenen Helfersyndrom sogar schon den Ruf echter Peinlichkeits-Queens eingehandelt.

          „I am African“

          Gwyneth Paltrow kann da ganz gut mithalten. Als die blonde Schauspielerin für die Anti-Aids-Kampagne „I am African“ mit Gesichtbemalung und afrikanischem Halsschmuck posierte, brach ein Sturm der Entrüstung los. Schwarze Amerikaner warfen der 34 Jahre alten Oscar-Gewinnerin Ignoranz vor und unterstellten ihr, die HIV-Infektion Millionen afrikanischer Kinder mit ihrem Kostümspektakel ins Lächerliche zu ziehen. Schon bald kursierten im Internet Bilder einer Afrikanerin in traditionellem Gewand - und der Unterzeile „I am Gwyneth Paltrow“.

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