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Paul und Fritz Kalkbrenner : „Drei Tage schwarzes Loch“

  • Aktualisiert am

Was sie machen könnte kein Fliesenleger: Paul (rechts) und Fritz Kalkbrenner beim kurzen Stopp am Berliner Flughafen Tegel. Bild: Zimmermann, Julia

Paul und Fritz Kalkbrenner gehören zu den erfolgreichsten Technomusikern Deutschlands. Im F.A.Z.-Interview sprechen die Brüder über Auftritte vor Soldaten, Geschäfte mit Verbrechern und lose Kabel beim Konzert.

          6 Min.

          Paul, angeblich haben sich Fans deine Initialen tätowieren lassen.

          Paul: Nicht die, aber den Text unseres bekanntesten Songs „Sky and Sand“.

          Fritz: Das passiert regelmäßig, manchmal sogar mit Rechtschreibfehlern.

          Eure Musik klingt ähnlich -, was habt ihr sonst gemeinsam?

          Fritz: Uns wird nachgesagt, wir hätten dieselbe Stimmlage; am Telefon verwechseln uns die Leute. Paul kann allerdings nicht singen. Außerdem gucken wir sehr gerne Fußball und können beide launisch sein.

          Paul: Ich finde, dass wir uns ziemlich stark unterscheiden. Außer in den paar regulären Dingen, die man mit dem Geschwister gemein haben muss. Andernfalls müsste man ja den DNA-Test rausholen.

          Ist es normal, dass sich der ältere Bruder lange für den jüngeren verantwortlich fühlt?

          Paul: Deshalb ist man ja der Ältere. Aber falls so ein übergroßes Verantwortungsgefühl gemeint ist: Das hatte ich nie.

          Fritz: Was auch nicht geschadet hat.

          Was macht das mit einem, wenn man jede Woche von Menschenmengen gefeiert wird?

          Paul: Das Feedback der Menge als klare Aussage über einen selbst - nein, so darf man das eben nicht sehen.

          Wie viele der Leute, die euch zujubeln, sind betrunken oder high?

          Fritz: Im Club an die neunzig Prozent. Bei eigens veranstalteten Auftritten wesentlich weniger, weil die kürzer als eine Feiernacht sind.

          Wie haltet ihr es mit Drogen?

          Paul: Man wird zu alt dafür. Ich trinke nicht so gerne, aber ich rauch gerne.

          Was zig Minderjährige in deinem neuen Videoclip sehen können.

          Paul: Ja, aber Alkohol ist zerstörerischer. Wodka ist ’ne schlimme Sache. Außerdem kann man es mit dem Vorbildgedanken auch übertreiben.

          Fritz: Helmut Schmidt setzt sich auch bei Sandra Maischberger rein und raucht da in der Sendung neun Zigaretten. Kann ihm keiner verbieten, und das finde ich gut.

          Bleiben wir beim Thema Fernsehen: Würdet ihr einen „Wetten, dass . . ?“-Auftritt imagemäßig überleben?

          Paul: Ich würde keinen TV-Auftritt imagemäßig überleben. Deshalb ist meine Prämisse Nummer eins: Gehe, wenn möglich, nicht ins Fernsehen.

          Paul, warum hören sogar Menschen deine Musik, die sonst nichts mit Techno am Hut haben?

          Paul: Vielleicht wollten die solche Musik schon immer hören, aber hatten noch nicht die richtige Projektionsfläche dafür.

          Gebt doch euren Hörern mal ein paar Sätze an die Hand, wie sie ihren Eltern erklären können, warum eure Musik kein monotones Gestampfe ist.

          Fritz: Warum sollten die das erklären müssen? Als die Jugendlichen damals mit den Stones um die Ecke kamen, war dafür auch kein Verständnis bei den Eltern da.

          Paul: Generell wollen Eltern ihre Kinder meistens irgendwo hindrücken, und wahrscheinlich machen die Kinder immer das Gegenteil.

          Wann ging es bei euch los mit der Musik, und habt ihr auch etwas anderes gelernt?

          Paul: Ich habe vor zwanzig Jahren angefangen, Schallplatten aufzulegen. Gearbeitet habe ich mal im Schneideraum, aber nur, um an Geld für Musik-Equipment zu kommen. Fritz hat vor etwa vierzehn Jahren mit dem Musikmachen begonnen und lange als Musikredakteur für die öffentlich-rechtlichen Sender gearbeitet.

          „Des Stabes Reuse“, „Gebrünn Gebrünn“ oder „Schnurbi“ - solche Songtitel fallen einem doch nicht nüchtern ein . . .

          Fritz: Da muss ich für Paul ’ne Lanze brechen. Das sind Slangbegriffe aus Berlin-Lichtenberg, die nur fünf, sechs Leute verstehen.

          Singt auch: Fritz Kalkbrenner beim Auftritt in der Berliner Wuhlheide.

          Welches ist der größte Popsong aller Zeiten?

          Paul: Ich höre nichts von anderen Interpreten, sondern nur meine eigene Musik.

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