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Paul McCartney in Liverpool : Get Back!

Ex-Beatle Paul McCartney tritt im Cavern Club auf. Bild: Sam Rock/MPL

Paul McCartney ist auch mit 76 Jahren unermüdlich, legt diese Woche ein neues Album vor und beglückt mit einem Konzert seine alte Heimatstadt Liverpool im intimen Kreis von rund 400 Zuhörern. Unser Autor hat ihn dort erlebt.

          Der ältere Herr gibt Rätsel auf. Er hat die Menschenschlange gesehen, die sich durch die Mathew Street bis hinein in die North John Street zieht, ist stehengeblieben und fragt nun: „Wer wird denn hier zu sehen sein?“ – „Paul McCartney“, kommt die Antwort aus der Schlange. „Ach, Paul McCartney“, wiederholt der Mann, wobei er keineswegs besonders überrascht klingt, eher freundlich anteilnehmend. Ganz so, als sei es die natürlichste Sache der Welt, dass Sir Paul McCartney, der schließlich aus Liverpool stammt, an diesem Nachmittag ebendort auftritt, in einem kleinen Club mitten in der Innenstadt. Der berühmteste lebende Sohn dieser Stadt, der vielleicht berühmteste Musiker der Welt, ja einer der berühmtesten Menschen überhaupt. Selbst jener rätselhafte ältere Herr, der inzwischen von dannen gezogen ist, hatte ja augenscheinlich schon einmal von ihm gehört.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es ist selten, dass Paul McCartney eine derart gleichmütige Reaktion auslöst. Seit vielen Jahren schon läuft er als Legende durchs Leben und macht bislang keine Anstalten, sich zurückzuziehen, im Gegenteil: Er scheint es als Zweck seines Daseins zu akzeptieren, die Menschheit in Verzückung zu versetzen. Dazu muss er gar nicht viel tun; es genügt, wie unlängst, dass er mal eben über einen Zebrastreifen spaziert, um die Leute ausrasten und Meldungen um die Welt gehen zu lassen: Paul McCartney ist noch einmal über den „Abbey Road“-Zebrastreifen gelaufen! (Anmerkung für Insider: Diesmal trug er Schuhe.) Und wenn er sich vom amerikanischen Comedian James Corden durch Liverpool kutschieren lässt zum alten Wohnhaus der McCartneys, bricht sich plötzlich die alte Beatlemania Bahn: Die Passanten lachen, winken oder starren, als stünden sie gerade dem Yeti gegenüber. Der freilich lässt sich in Liverpool noch seltener blicken als der seiner Heimatstadt lang entwachsene McCartney.

          Die meisten derer, die hier Schlange stehen, haben von dem Konzert erst am Morgen erfahren: Für McCartneys Auftritt im Cavern Club – Nachfolger des gleichnamigen Kellerclubs, in dem die jungen Beatles 292 Mal gespielt hatten – würde es 200 Freikarten geben, abzuholen am Schalter der Echo-Arena. Ein ganzer Haufen von McCartney-Fans, die sich, als die ersten Gerüchte aufkamen, schon nachts aufgemacht hatten, allerdings leider direkt zum Cavern Club, sah sich am Morgen zu einem Sprint durch Liverpool gezwungen, um sich diesmal am richtigen Ort anzustellen. Viele, sehr viele kamen zu spät. Umso glücklicher die, die nun am Nachmittag vorm Cavern Club stehen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort, die Tickets in der Tasche.

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