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Party-Tourismus in Spanien : Freibier für Fellatio

  • -Aktualisiert am

In der Punta Ballena Straße: Party-People in Magaluf Bild: AFP

Magaluf auf Mallorca mit seinen jungen britischen Touristen ist schlimmer als der Ballermann. Sex-Videos, Balconing und eine große Drogenszene veranlassen die Stadt nun dazu, Aufklärung zu betreiben.

          Im Vergleich zu Magaluf mutet der Ballermann in diesem Sommer wie eine Oase der Zivilisation an. Schließlich hat die Stadtverwaltung der deutschen Touristenhochburg auf Mallorca vor Saisonbeginn einige neue Benimmregeln ausgegeben. Das wurde offenbar in Magaluf, das besonders junge Briten in Heerscharen mit Billigflügen anlockt, versäumt. So kommen all die haarsträubenden Nachrichten über Freibier für Fellatio, tödliche Balkonstürze, Prostitution sowie Rauschgift und Alkoholexzesse nun aus dieser turbulenten Ferienenklave.

          Aufmerksam wurden das Internet und vor allem die britischen Tabloids durch ein hausgemachtes Sex-Video, das eine 18 Jahre junge Irin in einer Bar von Magaluf beim Oralsex mit angeblich zwei Dutzend Männern zeigt. Eine Leistung, die jeweils mit einem kostenlosen Drink nach Wahl belohnt wurde. Das hat inzwischen sogar das örtliche spanische „Institut der Frau“ alarmiert. Es forderte die Staatsanwaltschaft auf, solche „nicht seltenen und absolut diskriminierenden Praktiken“ zu untersuchen und zu unterbinden.

          Die Kannibalen-Droge als beliebte Neuheit

          In einigen Kneipen der kritischen 400 Meter langen „Sex- und Saufmeile“ Magalufs würden sogar regelrechte Wettbewerbe in „mamading“ (das spanische Verb mamar steht für saugen) ausgerichtet. Für die örtliche Polizei, die im Prinzip durchaus präsent ist, scheint es aber genauso schwierig zu sein, die „Express-Fellatio“ zu verhindern wie die reguläre Prostitution und den Drogenhandel einzudämmen.

          Die Vertreter der Tourismus-Organisationen und der Stadtverwaltung beteuern, dass sie solchen Tourismus nicht wollen, weil er die ganze Insel in Verruf bringe. Aber der Phantasie und Flexibilität anderer Dienstleister scheinen kaum Grenzen gesetzt. Jedenfalls sorgen sie mit ihren Produkten nicht nur für allgemein enthemmte Jugendliche. In diesem Sommer ist als beliebte Neuheit die Kannibalen-Droge im Angebot. Sie animiert die Konsumenten unter anderem dazu (der Fußballspieler Luis Suárez fällt einem da ein), andere Menschenkinder zu beißen.

          Aufklärungskampagnen für gesittetere Verhältnisse

          Gravierender als die partiellen Anfälle von Ferienkannibalismus ist indes die ungebrochene Seuche des „balconing“, das heißt der oft fatal endende Versuch zumeist angetrunkener Jugendlicher, von einem Hotelbalkon im oberen Stockwerk in den Pool zu springen. Das letzte Todesopfer war vor wenigen Tagen in Magaluf ein 20 Jahre junger Däne, der auf dem Terrassenpflaster aufschlug. Seit die Unsitte vor vier Jahren begann, haben auf den Balearen bislang schon 19 Urlauber auf diese Weise das Leben verloren.

          In dem Spannungsfeld von „Blowjobs“ und Balconing wollen die spanischen Behörden nun besonders in Großbritannien mit Aufklärungskampagnen dazu beitragen, dass auch in Magaluf, dem wildesten „ground cero“ für Pauschaltouristen, gesittetere Verhältnisse eintreten. Die Eltern der jungen Irin aus dem Video haben derweil, wie es auf der Grünen Insel hieß, ihrer Tochter verziehen.

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