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Papst Franziskus im Interview : Hartherzigkeit ist eine der schlimmsten Krankheiten

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Mehr Zuckerbrot statt Peitsche: Papst Franziskus plädiert für mehr Zärtlichkeit. Bild: dpa

Bombenschauer auf Aleppo, Menschen die zu „Abfallprodukten werden“: In einem Interview kritisiert Papst Franziskus die weltweite Verrohung. Und berichtet von einer persönlichen Abneigung.

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          Die Welt von heute brauche eine „Revolution der Zärtlichkeit“, forderte Papst Franziskus am Sonntag in einem Interview des italienischen Fernsehsenders TV2000. Hartherzigkeit führe dazu, Menschen als Abfallprodukt zu sehen, so das Kirchenoberhaupt. Als Beispiel verwies er indirekt auf die Bombardierung der syrischen Stadt Aleppo: Bomben würden auch auf Krankenhäuser und Schulen abgeworfen.

          Mitte Oktober hatte Franziskus zu einem Waffenstillstand in Syrien aufgerufen. Dieser solle mindestens so lange eingehalten werden, dass Zivilisten und vor allem Kinder in Sicherheit gebracht werden könnten.

          Nur bei Äußerungen zu seiner Person solle man nicht zu vorsichtig sein. Nach eigenen Worten kann der Papst Lobhudelei schwerer ertragen als unfaire Angriffe. „Ich habe eine Allergie gegen Schmeichler“, sagte er im Interview. Schmeichler - oder nach einem Dialektausdruck seiner Heimatstadt Buenos Aires „Sockenlecker“ - wollten andere mehr oder weniger offensichtlich für sich selbst einspannen, so der Papst. Die Abneigung gegen solche Leute liege ihm in der Natur und sei „keine Tugend“.

          Verleumdungen hingegen nehme er gelassen hin. „Ich habs verdient, weil ich ein Sünder bin“, sagte Franziskus. Üble Nachrede bringe ihn zum Nachdenken über sich selbst, auch wenn der Betreffende nicht wisse, was er, Franziskus, sich tatsächlich vorzuwerfen habe.

          In dem 40-minütigen Interview des Senders der Italienischen Bischofskonferenz kritisierte der Papst abermals den internationalen Waffenhandel. Für Waffenfabrikanten und Waffenhändler habe ein Leben kaum einen Wert. Ein Deutscher habe ihm einmal gesagt: „Das Billigste heute ist das Leben“, sagte der Papst auf Deutsch. Das Interview zum Abschluss des Heiligen Jahres ist das erste, das der Papst einem europäischen Fernsehsender gab.

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