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Papst Franziskus : Hostien aus der Heimat

  • -Aktualisiert am

Jorge als Teenager Bild: AP/dpa

Seit einem Jahr ist Jorge Mario Bergoglio Papst Franziskus. Zu seiner Heimat Argentinien bekennt er sich bis heute – und zu kleinen Gaunereien.

          4 Min.

          Seit er vor einem Jahr zum Konklave gereist ist und als Papst Franziskus in Rom blieb, hat sich der frühere argentinische Kardinal Jorge Bergoglio gewandelt. In seinem Bischofsamt in Buenos Aires war er als zwar liebenswürdiger, aber auch ernster und strenger geistlicher Herr bekannt. Jetzt lächelt und lacht er unaufhörlich, treibt Scherze mit seinen Besuchern, überrascht die Welt mit immer neuen Gesten, die ihn als Menschen und nicht als weltentrückten Mann zeigen sollen.

          Trotz allem ist er eines geblieben: Argentinier. Wenn es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, so lieferte er ihn vor einigen Wochen. Er ließ sich von der Botschaft seines Heimatlandes in Rom auf persönlichen Wunsch einen neuen Reisepass und ein neues DNI, den argentinischen Personalausweis, ausstellen.

          Die Familie Bergoglio: Jorge Mario Bergoglio (Zweiter von links) mit seinen Geschwistern Alberto Horacio (von links nach rechts), María Elena, Oscar Adrián und Marta Regina sowie Mutter Regina María Sívori und Vater Mario José Bergoglio.
          Die Familie Bergoglio: Jorge Mario Bergoglio (Zweiter von links) mit seinen Geschwistern Alberto Horacio (von links nach rechts), María Elena, Oscar Adrián und Marta Regina sowie Mutter Regina María Sívori und Vater Mario José Bergoglio. : Bild: REUTERS

          Vor kurzem offenbarte Franziskus, dass auch er etwas von der Eigenart des Argentiniers geerbt hat, der sich gern mit erlaubten Gaunereien durchs Leben schleicht. In der Zeit, als er Generalvikar in Buenos Aires war, habe er einem verstorbenen befreundeten Priester, der in einer Kirche aufgebahrt war, mit einem beherzten Griff das Kreuz an dem um die Hände gebundenen Rosenkranz entrissen, bekannte er vor verblüfften Besuchern. „Ich habe den Rosenkranz betrachtet, und sofort kam mir der Dieb in den Sinn, den wir alle in uns tragen“, berichtete Franziskus und gestand, dass er das Kreuz immer noch bei sich trage. Es erinnere ihn stets an die „Barmherzigkeit“, die der verstorbene Geistliche, ein weithin geachteter Beichtvater, der sogar Franziskus’ Vorgänger Johannes Paul II. die Beichte abnahm, vorgelebt habe.

          Liebhaber des Mate

          Die Verbindung nach Argentinien hat Franziskus im ersten Jahr seines Pontifikats nie abreißen lassen. Er hat Politiker, Sportler, Jugendliche, Priester und Interessenvertreter der Rentner empfangen, hat sich Geschenke aus der Heimat, besonders gern Devotionalien seines Lieblings-Fußballklubs San Lorenzo, überreichen lassen und Fotos aus seinem Stadtviertel Flores sowie Andenken aus Armenvierteln, die er als Bischof besucht hatte. Franziskus ist ein „matero“, ein passionierter Mate-Trinker. Wenn ihm Besucher – wie der uruguayische Fußballspieler Walter Gargano – bei einer Audienz oder Landsleute auf dem Petersplatz das Mate-Gefäß reichen, greift er zu.

          Der kleine Jorge mit seinem Bruder Oscar
          Der kleine Jorge mit seinem Bruder Oscar : Bild: AP/dpa

          Die argentinische Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner überreichte Franziskus bei ihrer Privataudienz kurz nach seinem Amtsantritt ein komplettes Mate-Geschirr – und erklärte dem Mate-Genießer die Funktion jedes einzelnen Teils. Das war etwas daneben, aber Franziskus überspielte die Peinlichkeit. Sein unkonventionelles Auftreten übte eine fast wundertätige Wirkung auf Kirchner aus, die zunächst regelrecht verärgert auf die Papstwahl reagiert hatte, weil Franziskus als Kardinal Bergoglio ihr und ihrem verstorbenen Ehemann bei Gottesdiensten immer wieder ins Gewissen geredet hatte. Inzwischen hat sich die Beziehung zwischen Präsidentin und Papst gebessert. Fast entwickelt sie sich zu einem Vertrauensverhältnis: Es heißt, dass beide häufiger miteinander telefonieren. Franziskus forderte Kirchner, die sich ihren politischen Gegnern gegenüber gern aggressiv und hochfahrend gibt, zu „Dialog, Verständigung und Versöhnung“ auf, bisher mit mäßigem Erfolg. Auf ihren Wunsch kommt es am 17. März zu einer neuerlichen persönlichen Begegnung in Rom.

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