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Pablo Neruda : Literatur-Nobelpreisträger könnte vergiftet worden sein

  • Aktualisiert am

Pablo Nerudas Neffe Rodolfo Reyes bei der Pressekonferenz über die mögliche Todesursache seines Onkels am 20. Oktober 2017 in Santiago de Chile Bild: Reuters

Nach intensiver Studie schließen internationale Experten einen angeblichen Krebstod Pablo Nerudas aus. Der Pinochet-Gegner war 1973 kurz nach dem Putsch in Chile gestorben.

          Der chilenische Literatur-Nobelpreisträger Pablo Neruda ist 1973 nach einem Befund einer internationalen Expertengruppe möglicherweise an einer Vergiftung und nicht an Krebs gestorben. Sie hätten einen Giftstoff gefunden, erklärte der spanische Forensiker Aurelio Luna am Freitag. Weitere Laborstudien könnten bestimmen, ob es sich um eine von Menschenhand ausgeführte Vergiftung handele. Die Gruppe von 16 Experten aus den Vereinigten Staaten, Frankreich, Kanada, Dänemark, Spanien und Chile schloss aus, dass Neruda an den Folgen seines Krebsleidens gestorben sein könnte, wie der Richter Mario Carroza, der die Untersuchung beauftragt hatte, dem Sender Radio Cooperativa sagte.

          Neruda, ein Freund des sozialistischen Präsidenten Salvador Allende, war am 23. September 1973, zwölf Tage nach dem Militärputsch Pinochets, im Alter von 69 Jahren gestorben. Die offizielle, von der Junta herausgegebene Sterbeurkunde gab Prostatakrebs als Todesursache an.

          Tod am Vorabend der Ausreise ins Exil

          Die Familie des Schriftstellers geht davon aus, dass Neruda vergiftet wurde. 2013 hatte sein Chauffeur Manuel Araya seinerseits berichtet, Neruda sei nach einer mysteriösen Injektion am Vorabend seiner geplanten Ausreise nach Mexiko gestorben. Neruda wollte nach Mexiko ins Exil gehen, um sich dort in der Opposition gegen Pinochet zu engagieren.

          Um die Todesursache zu klären, hatte die chilenische Justiz 2013 die Exhumierung von Nerudas Überresten angeordnet. Das 16-köpfige Experten-Gremium, das am Freitag seine Ergebnisse präsentierte, hatte die über Jahre gesammelten Gerichtsakten und medizinischen Befunde analysiert. Der von den Behörden 1973 diagnostizierte Krebstod habe „nichts mit der Realität zu tun“ und könne "mit hundertprozentiger Gewissheit" ausgeschlossen werden, erklärte der Wissenschaftler Aurelio Luna am Freitag in Santiago de Chile. Die Fachleute seien bei ihren Recherchen überdies auf bisher nicht entdeckte Bakterien gestoßen, die nun in Labors in Dänemark und Kanada untersucht würden. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen dürften neue Erkenntnisse über die wahre Todesursache Nerudas bringen, sagte Luna.

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