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Otto Waalkes : „Was ich mache, braucht kein Mensch“

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Erwachsen werden, warum sollte er das wollen? Lieber will Otto Waalkes noch vieles andere machen
          6 Min.

          Herr Waalkes, in Interviews mit Ihnen scheint inzwischen die Frage zum Standard zu gehören, wann Sie endlich aufhören möchten. Wollen wir das gleich am Anfang klären oder lieber zum Ende?

          Da mische ich mich nicht ein, machen Sie es so, wie Sie es für richtig halten. Wenn Sie meinen, diese Frage als erste stellen zu müssen, bin ich bereit, darauf als Erstes zu antworten. Womöglich verkürzt das unser Gespräch.

          Dann heben wir’s uns doch besser für den Schluss auf. Der neue „Ice Age“-Film, in dem Sie wieder das Faultier Sid sprechen, trägt den Untertitel „Voll verschoben“. Das finde ich riskant: Man könnte meinen, der Film laufe noch gar nicht.

          Hab’ ich auch den Eindruck gehabt, als ich das zum ersten Mal gehört habe: Irreführend. Aber „Continental Drift“, wie es im Original heißt, ist vielleicht zu geowissenschaftlich. „Ice Age: Voll verschoben“. Wer, das Publikum?

          Sid ist für Sie ja eine schöne Altersrolle. Hat Sid mehr von Otto profitiert oder Otto mehr von Sid?

          Anfänglich hat das Faultier mehr von Otto profitiert. Ich hatte ihm für den ersten Film diese Zumsel-Zutzel-Stimme verliehen, und meine feuchte Aussprache ist in Deutschland sehr gut angekommen. Das hat die Amerikaner so neugierig gemacht, dass sie mich eingeflogen haben. Und dann haben sie anderen Synchronsprechern empfohlen: So klingt Sid.

          Der Chefanimator Nick Bruno beschreibt Sid als unschuldigen Wohltäter, der stets versucht, das Richtige zu tun. Sehen Sie Parallelen?

          Stimmt! Ja, und dieser naive Zweckoptimismus ist sympathisch.

          Ich habe gelesen, die Figur habe 2,4 Millionen Haare...

          Da habe ich ein paar weniger. Dafür habe ich mehr Werbefläche (zeigt auf seine hohe Stirn): 20 Prozent auf alles, außer Tiernahrung.

          Ihnen wird oft vorgehalten, Sie wollten nicht erwachsen werden.

          Vielleicht beneidet man mich darum. Warum sollte ich das wollen? Und vor allem, wie denn? In meinem Beruf sind erwachsene Vorbilder rar. Also: Was soll ich als Erwachsener machen? Eine Familie gründen, Kinder kriegen? Hab’ ich schon. Oder gleich in Rente gehen? Krieg’ ich ja nicht. Nein, ich sehe keine Notwendigkeit, erwachsen zu werden. Noch nicht.

          Aber ist der Vorwurf nicht seltsam, wenn die Gesellschaft als Ganzes immer kindlicher wirkt? Die Leute tragen mit vierzig die gleichen Klamotten wie Zwanzigjährige, sie lesen Fantasy-Romane...

          Das hat sich tatsächlich voll verschoben. Und ich finde, das ist doch eine nette Entwicklung: Make fun, not war! Die ganze Gesellschaft wird immer verspielter, i-Phones, i-Pads, Twitter oder Facebook. Das sind ja sehr kindgerechte Kommunikationsmittel.

          Ist Ihnen am Anfang Ihrer Karriere bewusst gewesen, welch enorme Wirkung Sie auf Kinder hatten?

          Ich habe das nie bewusst forciert. Vorgestern habe ich die Wirkung wieder gespürt, in Berlin, da kamen zwei kleine Kinder, die sind praktisch den ganzen Abend bei mir geblieben. Ich weiß nicht, ist es vielleicht das harlekineske Profil? Ich kann es mir nicht erklären. Und ich mache das jetzt schon vierzig Jahre, und immer noch kommen alle Altersstufen in meine Konzerte, Kinder, Jugendliche, Familien.

          Noch lange nicht am Ende: Otto plant neue Tourneen, neue Filme, neue Gags und nicht zuletzt immer besser Gitarre zu spielen
          Noch lange nicht am Ende: Otto plant neue Tourneen, neue Filme, neue Gags und nicht zuletzt immer besser Gitarre zu spielen : Bild: Pein, Andreas

          Sie haben eine narrative Kultur befördert, wie man sie kaum noch kennt: Als Kind lernte man Ihre Platten auswendig und erzählte sie auf dem Pausenhof weiter.

          Das lag an dem guten Material. Ich habe mit guten Autoren wie Robert Gernhardt, Peter Knorr und Bernd Eilert zusammengearbeitet; die machten schöne, reiche Reime: „Angeklagter, Ihnen wird zur Last gelegt, Sie hätten an dem Mast gesägt...“ - das sind Verse für die Ewigkeit. Gernhardt, Eilert und Knorr waren Vertreter der Hochkomik. Durch meine Interpretation wurde ihr elitärer Nonsens plötzlich Mainstream.

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