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Will Chirurgin werden: Schülerin Tanja Dawydowa Bild: Gerhard Gnauck

Schulalltag in der Ostukraine : Unter Beschuss

Im Osten der Ukraine versuchen Helfer, den Schulalltag für Kinder aufrechtzuerhalten – trotz der Nähe zur Front. Wie kann das gelingen?

          6 Min.

          Tanja Dawydowa lebt im Osten der Ukraine. In ihren zwölf Lebensjahren hat sie schon viel erlebt, und doch wirkt sie wie ein fröhliches Mädchen, das vor fremden Erwachsenen keine Scheu zu haben scheint. Und das einen überraschenden Berufswunsch hat: „Ich will Chirurgin werden.“ Warum? „Weil es gut ist, alle Menschen zu heilen.“ Sie erzählt, dass sie im Fernsehen gerne Arztserien schaue, nicht ausgeschlossen, dass sie auch die „Schwarzwaldklinik“ kennt, die Serie wurde immerhin in 38Länder verkauft. Verhältnisse wie im Schwarzwald aber müssten Tanja wohl idyllisch vorkommen.

          Gerhard Gnauck

          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Im wahren Leben hat sie anderes durchgemacht; vielleicht hat ihr Berufswunsch auch damit zu tun. Ihre Familie lebte 2014 hier in der Kleinstadt Myroniwske, nördlich der Metropole Donezk in der Ostukraine. Damals verübten russische und mit Russland sympathisierende einheimische Kämpfer Gewalttaten in der Gegend. Sie besetzten Verwaltungs- und Polizeigebäude und riefen eine separatistische „Volksrepublik“ aus. Dann rückte die ukrainische Armee an und trieb die Kämpfer nach Osten zurück. Etwa sechs Kilometer von hier fand 2015 die Kesselschlacht von Debalzewe statt, eine der schlimmsten Auseinandersetzungen in diesem Krieg. Irgendwann kam die Front, die heute im Diplomatensprech „Kontaktlinie“ heißt, zum Stehen. Das war östlich von Myroniwske, einen Spaziergang von hier entfernt, irgendwo hinter den Sonnenblumenfeldern.

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