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Oscars : Der seltsame Fall des Goldjungen

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Den Goldjungen von Bette Davis, ausgezeichnet für „Jezebel – Die boshafte Lady” (1939), hat Steven Spielberg postum für etwa 600.000 Dollar ersteigert und einem Museum überlassen Bild: Cornelia Sick

Entführt, versteigert, verloren: Während der Filmschaffende mit seinem Oscar in die Geschichte eingeht, verliert die Trophäe oft schnell ihren Glanz. Manchmal landet sie sogar im Mülleimer.

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          Mit dem stolzen Goldritter, den Hollywood jedes Jahr bei den Acadamy Awards an die Kreativsten der Filmbranche vergibt, hatte Whoopi Goldbergs mattes Bürschlein kaum noch etwas gemein: Als die Schauspielerin ihre Trophäe vor einigen Tagen unter dem Tisch der Morgensendung „The View“ hervorholte, blieb dem Studiopublikum in New York der Jubel im Hals stecken. Die meist zu Stoizismus neigende Goldberg überraschte ihre Gäste mit einem emotionalen Ausbruch, der an sich schon Oscar-Qualitäten aufwies. „Nur für den Fall, dass dumme Fragen aufkommen – ich bin für alle Zeiten die Oscar-Preisträgerin Whoopi Goldberg“, tobte sie, da die „New York Times“ den Namen der Fünfundfünfzigjährigen in einem Artikel über afroamerikanische Gewinner der Statue vergessen hatte.

          Fast ebenso erstaunt zeigte sich das Publikum auch über den Zustand des Symbols ihres cineastischen Höhenflugs, das der New Yorkerin im Jahr 1990 als bester Nebendarstellerin in dem Liebesdrama „Ghost – Nachricht von Sam“ verliehen wurde. Statt der erhofften goldenen Reflektion von Hollywoodschem Glanz wies die 34 Zentimeter hohe Statue eine stumpfe, grünlich braune Patina auf, die erwartungsgemäß abenteuerliche Spekulationen provozierte. Hatte Goldberg ihren Oscar etwa als Lampenfuß missbraucht? Ihn vielleicht wie der für „Das Piano“ ausgezeichnete ehemalige Kinderstar Anna Paquin in der Sockenschublade schimmeln lassen? Oder die Statue gar als Türstopper zweckentfremdet wie ihre Kollegin Cher?

          Der Oscar tauchte 3000 Kilometer entfernt im Mülleimer auf

          „Zu unserer Überraschung schrecken viele Preisträger nicht davor zurück, den Oscar ins Badezimmer zu stellen. Die feuchte Luft tut der Statuette natürlich nicht besonders gut“, sagt Libby Wertin von der „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“, die auch am Sonntag wieder zur Oscar-Gala in das Kodak Theatre am Hollywood Boulevard einlädt. „Goldberg müsste ihn vermutlich wieder neu vergolden lassen.“

          Angelina Jolie gewann einen Oscar als beste Nebendarstellerin für ihre Rolle in „Durchgeknallt” - und weiß gar nicht, wo ihr Oscar gerade ist

          Dass der Oscar der Schauspielerin schon mehr erlebt hat als die meisten seiner fast 2800 Kollegen, gehört längst zu den Annalen Hollywoods. Anfang Februar 2002 verschwand Goldbergs „Award of Merit“ unter weiterhin rätselhaften Umständen aus einer versiegelten Frachtkiste, als die Filmakademie die Statue zur optischen Auffrischung nach Chicago schicken wollte. Nachdem bei der Herstellerfirma R. S. Owens lediglich die leere Verpackung ankam, tauchte die Oscar-Figur ein paar Tage später fast 3000 Kilometer entfernt in einem Mülleimer im kalifornischen Ontario wieder auf.

          Anstatt in einem Bücherregal zwischen Los Angeles und Sydney zu vegetieren und nur gelegentlich vom Staubwedel berührt zu werden, entwickelt die auf ein Schwert gestützte Ritterfigur häufig ein Eigenleben, das alle Facetten eines Dramas made in Hollywood hat. So mussten neben Goldberg auch der „Kuss der Spinnenfrau“-Darsteller William Hurt und die Schauspielerin Margaret O’Brien („Meet Me In St. Louis“) die Entführung ihres Oscars verkraften.

          Die lang vermisste Statue des legendäre Regisseurs Orson Welles wurde dagegen im Jahr 1994 wiederentdeckt, als die Auszeichnung für das Drehbuch zu dem Film „Citizen Kane“, mit der Welles heimlich Schulden bei seinem Freund und Kameramann Gary Graver beglichen hatte, plötzlich auf den Seiten eines Auktionskatalogs mit einem Anfangsgebot von 300 000 Dollar auftauchte.

          Schon vor der Verleihung werden Verträge unterschrieben

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