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Oscars Dankesreden : Nur noch 45 Sekunden

  • -Aktualisiert am

Kate Winslet gab bei der Auszeichnung für „Der Vorleser” unverblümt zu, dass sie diesen Moment schon als Achtjährige geplant hatte: „Ich starrte in den Badezimmerspiegel, in der Hand eine Shampooflasche statt der Statue” Bild: picture-alliance/ dpa

Kein Dank mehr an Opa Buster: Die Oscar-Akademie hat die Redezeit der Preisträger drastisch beschnitten. So sinkt die Chance auf denkwürdige Worte und Entgleisungen. Dabei waren die Reden bisheriger Preisträger so schön - oder wenigstens schön peinlich.

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          Der Gang über den berühmtesten roten Teppich der Welt wird manchen Hollywood-Stars heute Abend erheblich schwerer fallen. Dass die Filmakademie von Los Angeles als Veranstalter der 82. Oscar-Verleihung angekündigt hat, die Dankesreden der Preisträger künftig gnadenlos nach 45 Sekunden zu unterbrechen, bringt viele Nominierte in die Bredouille. Eine Dreiviertelminute ist nämlich verdammt kurz, um das Gefühl in Worte zu fassen, die goldene Trophäe in der Hand zu halten und auf der Bühne des „Kodak Theatre“ vor einer Milliarde Fernsehzuschauern aufzutreten.

          „Ich würde lügen, wenn ich nicht zugeben würde, dass ich diese Rede schon tausend Mal gehalten habe“, schluchzte Kate Winslet im vergangenen Jahr, als sie für ihre Rolle in „Der Vorleser“ ausgezeichnet wurde. „Ich war etwa acht Jahre alt und starrte in den Badezimmerspiegel, in der Hand eine Shampooflasche statt der Statue hier.“

          Nicht immer eine erfreuliche Erfahrung

          Die acceptance speeches bei den Academy Awards zählen zu den spontaneren Auftritten der meist durch Horden von PR-Agenten und Managern abgeschirmten Stars und bieten Augenblicke hoffnungsloser Selbstbeweihräucherung („Titanic“-Regisseur James Cameron), peinlicher Entblößungen („Durchgeknallt“-Darstellerin Angelina Jolie) oder politischer Attacken (Dokumentarfilmer Michael Moore). In der makellos-sterilen Kultur Hollywoods erhellen sie schlaglichtartig die Persönlichkeit des Prominenten.

          Alles wartet gespannt auf die eventuelle Rede des diesmal wieder nominierten Regisseurs James Cameron („Avatar”). In Anlehnung an seinen ausgezeichneten Film „Titanic” schrie er bei seiner Rede wenig bescheiden: „Ich bin der König der Welt!”
          Alles wartet gespannt auf die eventuelle Rede des diesmal wieder nominierten Regisseurs James Cameron („Avatar”). In Anlehnung an seinen ausgezeichneten Film „Titanic” schrie er bei seiner Rede wenig bescheiden: „Ich bin der König der Welt!” : Bild: picture alliance / dpa

          Dass das nicht unbedingt eine erfreuliche Erfahrung sein muss, zeigen alle Jahre wieder verbale Entgleisungen wie die der „Shakespeare in Love“-Darstellerin Gwyneth Paltrow. Nach endlosen Dankeschöns an Mutter, Vater, einen toten Cousin und frühere Freunde folgte eine Ode an Großvater Buster. „Opa, ich will, dass du weißt, dass du eine schöne Familie gegründet hast, die dich liebt und die sich liebt, und wir danken dir dafür“, stammelte eine völlig überforderte „Gwyni“.

          Große Emotionen in 45 Sekunden

          Viele von Paltrows Kollegen hätten sich damals vermutlich die sogenannte thank you camera herbeigesehnt, die bei der Oscar-Zeremonie in diesem Jahr erstmals läuft. Vor der Kamera dürfen die Preisträger heute Abend zwar ungehemmt und vor allem minutenlang ihrer Mutter, ihrem Agenten plus Gott und der Welt danken, müssen dabei aber auf das Saalpublikum und Fernsehzuschauer in allen Teilen der Welt verzichten. Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences hat die Dankeskamera nämlich hinter die Kulissen verbannt und die typische Oscar-Rede dadurch zum besseren Heimvideo degradiert, das später auf der Homepage der Akademie zu bestaunen sein wird.

          Die echte acceptance speech, die live auf der Bühne gehalten wird, darf eben maximal 45 Sekunden dauern. Auch wie diese zu füllen sind, hat der Organisator des Filmspektakels mit dem vielsagenden Namen Bill Mechanic in gewohnter Hollywood-Manier genau geplant.

          „Die Preisträger sollen erklären, was die Trophäe für sie persönlich bedeutet“, ließ der Oscar-Produzent die Nominierten bereits vor ein paar Wochen wissen. Und hat damit vermutlich halb Hollywood ins Grübeln gestürzt.

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