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Oscar-Gewinnerin Luise Rainer : Deutschland hat den Superstar

Die Schauspielerin Luise Rainer hat in den 30er Jahren zwei Oscars als beste Hauptdarstellerin gewonnen - unter anderem gegen Konkurrentinnen wie Greta Garbo und Barbara Stanwyck. Doch der Stern der Rainer ging so schnell unter, wie er aufgegangen war.

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          Vor ihren Türen stehen Palmen, gleich neben dem Tennisplatz, an dem schon Osterglocken blühen. Und das im Februar mitten in London, nur wenige Hundert Meter vom Buckingham Palast entfernt. Die Grünanlagen, die den Eaton Square mit seinen Stadthäusern durchziehen, sind so exklusiv, dass sie nur von den Anwohnern betreten werden dürfen. Hier lebten britische Premierminister ganz privat, Neville Chamberlain zum Beispiel und Stanley Baldwin.

          Peter-Philipp Schmitt
          (pps.), Deutschland und die Welt

          Und die James-Bond-Darsteller Sean Connery und Roger Moore sollen noch heute im feinen Londoner Viertel Belgravia eine Wohnung haben. Die Gebäude entlang der Straße gleichen einander bis in jedes Detail. Nur eines ist leicht von weitem von den anderen zu unterscheiden: An ihm prangt eine große blaue Plakette, auf der steht „Vivien Leigh 1913 - 1967 Actress lived here“. 25 Jahre nach dem Tod der zweifachen Oscar-Gewinnerin Leigh zog 1992 die zweifache Oscar-Gewinnerin Luise Rainer in das Haus Nummer 54 ein.

          Die Filmdiva ist unpässlich

          Es ist ein herrlich warmer Frühlingstag am Eaton Square. „Who is it?“ fragt Luise Rainer durch die Gegensprechanlage. Die Verbindung zu ihr ist tadellos. Doch sie hört offenbar nichts und fragt weiter: „Wer sind Sie? Wo kommen Sie her?“ Schon nähert sich einer der Wächter, die für die Sicherheit der Bewohner verantwortlich sind. Schließlich sagt Luise Rainer: „I am really sorry, aber ich kann Sie heute nicht empfangen.“ Soso, die Filmdiva ist unpässlich.

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          Und, wie sich wenige Stunden später herausstellt, geradezu verzweifelt über die Abfuhr an der Tür. Sie schäme sich schrecklich, den Gast, der eigens aus Frankfurt und pünktlich zur verabredeten Zeit angereist war, nicht empfangen zu haben. „Sie müssen ein zweites Mal kommen. Ich bestehe darauf.“ Die Unpässlichkeit der 98 Jahre alten Rainer hatte einen triftigen Grund: Sie war gestürzt und nicht in der Lage, die Türe zu öffnen. „Denn wissen Sie: Ich bin ja so schrecklich alt.“

          Zehn Tage später, London im Nebel: An den Flughäfen herrscht Chaos. Mit drei Stunden Verspätung landet die Maschine aus Frankfurt. Luise Rainer aber öffnet nicht nur die Tür, sie scheint ihr Glück kaum fassen zu können: „Kommen Sie, kommen Sie“, ruft sie. „Und ziehen Sie sich aus - am besten alles.“ Sie lacht herzhaft und schiebt ihr Gehwägelchen langsam ins Wohnzimmer. In ihrer hellen Hose und dem beigen Rollkragenpullover, über dem die mehrreihige Perlenkette kaum auffällt, wirkt sie dünner als auf den Starfotos der dreißiger Jahre. Man merkt ihr an, dass sie nicht mehr oft Besuch bekommt und auch selten ihre Wohnung verlassen kann. „Seit meinem Sturz vor zwei Jahren, hat sich alles geändert. Nicht dass ich nicht am Leben hänge, aber manchmal denke ich, ich wäre besser gestorben.“

          Die Oscars stehen in einem Regal im Arbeitszimmer

          Trotz ihres schweren Unfalls, sie hätte sich fast an einem Türrahmen das Genick gebrochen und ist seitdem halbseitig wie gelähmt, hat sie von ihrer Spitzbübigkeit nichts verloren. „Los, los, bringen wir es hinter uns“, sagt sie und steht, kaum dass sie sitzt, wieder auf. „Sie wollen doch die Oscars sehen.“ Und schon schiebt sie ihr „Pferd“, wie sie den Rollator nennt, über den beigen Teppichfußboden den Flur entlang. „Ja, ja“, sagt sie und schaut belustigt ihren Gast an. „Das sind zwei Käthe-Kollwitz-Zeichnungen.“ Und da, sehen Sie doch mal dorthin, scheint ihr Kopfnicken anzudeuten: „Genau. Das bin ich mit Albert Einstein.“

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