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Oscar-Gewinnerin Luise Rainer : Deutschland hat den Superstar

Luise Rainers Spitzname: „die Wiener Träne“ - „the Viennese Teardrop“

Gustaf Gründgens hatte die Vierzehnjährige („oder war ich schon 15?“) auf der Bühne verzaubert. „Das Stück hieß ,Der Kreidekreis‘ von Klabund. Ich saß da und dachte plötzlich: Das kannst du auch.“ Als ihr Vater davon hörte, dass seine Tochter Schauspielerin werden wollte, nannte er sie eine Hure. Trotzdem gelang es ihr, mit 16 Jahren Max Reinhardt in Berlin vorzusprechen. Die junge Frau, so schüchtern wie sie auf der Bühne war, verlangte als erstes nach einem Sofa. Sie bekam das Möbel, setzte sich darauf - und vergaß den vorbereiteten Text. „Mein Strohhut mit Bändern dran rutschte mir ins Gesicht, und ich hauchte nur noch: ja, ja, ja.“

Danach Schweigen, bis Reinhardt aufstand und „das Kind“ nach Hause schickte. Wenig später holte er sie, die inzwischen bei Louise Dumont und Gustav Lindemann am Schauspielhaus Düsseldorf reüssierte, während sie bei den Großeltern in Krefeld wohnte, triumphal zurück - allerdings nicht nach Berlin. „Da wollte ich nach meinem verhunzten Vorsprechen nicht mehr hin.“ Sie ging nach Wien ans Theater in der Josefstadt und wurde in Hollywood unter anderem auch deshalb wenig später als „Österreicherin“ eingeführt. Wegen ihrer emotionsgeladenen Filmauftritte bekam sie sogar den Spitznamen „die Wiener Träne“ - „the Viennese Teardrop“.

Rainer wurde mit dem zweiten Film „The Great Ziegfeld“ weltberühmt

Luise Rainer erzählt nicht einfach, sie schlüpft im Gespräch in jede Rolle, die in ihren Anekdoten vorkommt: Sie verwandelt sich in das Kind Luise genauso wie in den gestrengen Max Reinhardt oder ihre ach so snobistische Großmutter. Als ihr Vater, der eigentlich ein erfolgreicher Kaufmann war, um ihre Mutter geworben habe, habe die alte Dame gesagt - und schon hebt Luise Rainer stolz ihren gesunden Arm in die Luft, streckt die Nase in die Höhe und näselt arrogant: „Ein Zug benötigt drei Minuten, um an der Fabrik meines Schwiegersohns vorbeizufahren. Und was machen Sie?“ Die Großmutter, reich betucht durch die Seidenweberei ihres Manns in Krefeld, war äußerst unbeliebt bei Luise und ihren beiden Brüdern. „Als Kinder haben wir immer gesagt: Jedes Mal, wenn sich seine Schwiegermutter anmeldet, packt Vater die Koffer. Weil wir damals doch andauernd umgezogen sind.“

Ihr Vater war es auch, der bei seiner eigenen Hochzeit einen jungen Löwen auf die neue Verwandtschaft losließ. Viel Rebellentum steckt wohl auch in ihrem Blut. Darunter hatte unter anderen Louis B. Mayer zu leiden, der in den Dreißigern hauptzuständig für Metro-Goldwyn-Mayer und damit Stars wie Greta Garbo und Joan Crawford war. Nachdem ein Talentsucher die junge, unter Reinhardt gefeierte Luise Rainer in Wien entdeckt hatte, sie einen Sieben-Jahres-Vertrag unterschrieben und nach Hollywood gekommen war, wurde sie 1935 fast sofort zum Star.

Schon deshalb, weil der berühmte William Powell darauf bestand, nachdem seine Filmpartnerin Myrna Loy es abgelehnt hatte, an seiner Seite in „Escapade“ zu spielen. „Macht aus ihr einen Star, hat Powell gesagt. Er hatte Angst, dass er neben einer Unbekannten wie mir schlecht dastehen könnte“, erzählt Luise Rainer. Mit dem zweiten Film, „The Great Ziegfeld“, wurde Rainer weltberühmt. Und verdiente sich in einer Szene ihren Spitznamen: Anna Held, die frisch geschiedene Frau Ziegfeld, gratuliert am Telefon ihrem ehemaligen Mann Florenz Ziegfeld jr. (gespielt von William Powell) zur Hochzeit mit Billie Burke (Myrna Loy).

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