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Oscar-Dinner : Der amerikanische Traumkoch

  • -Aktualisiert am

Amerikanischer Traum am Herd: Wolfgang Puck Bild: AP

Eine Pizza zum Dinner der Oscar-Gala - unvorstellbar? Nicht, wenn Wolfgang Puck kocht. Der Österreicher kreiert das Büffet zum dreizehnten Mal. Seine Pizza belegt er mit Entenleber, Lachs und Kaviar - und schon ist sie salonfähig.

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          Der Weg zu Wolfgang Pucks Küche führt über den berühmtesten roten Teppich der Welt. Seit er vergangene Woche für die Oscar-Verleihung am Sonntag vor dem Kodak Theatre ausgerollt wurde, laufen in der Küche des österreichischen Starkochs im zweiten Stock die letzten Vorbereitungen. Zum dreizehnten Mal richtet Puck den Governors Ball aus, den die Oscar-Organisatoren jedes Jahr für die prominenten Teilnehmer des Filmspektakels geben. Sein Talent, die einfachen Zutaten zu leicht exzentrisch anmutenden Gerichten zu kombinieren, haben „Wulfgäng“ zum bekanntesten Koch Amerikas gemacht.

          Die Neuauflage der Pizza als Delikatesse (mit Entenleber, Lachs und Kaviar) und die Kombination unterschiedlicher kulinarischer Richtungen (französisch-asiatisch mit einem Hauch Italien) haben die Amerikaner beeindruckt. Geschmackliche Hürden gab es bei der Geschmacksgewöhnung kaum zu überwinden. „Die Amerikaner sind meiner Küche immer sehr offen und neugierig begegnet“, erinnert sich Puck. „Es war ihnen egal, wie einfach ein Gericht ist. Ich musste es nur als Erster kochen.“

          Ein Stück Hollywood-Geschichte

          So berühmt wie für seine Küche ist der Siebenundfünfzigjährige auch für seine prominenten Gäste. Pucks erstes Restaurant in Los Angeles („Ma Maison“) entwickelte sich in den siebziger Jahren schnell zu einer Attraktion für Hollywood-Größen wie Billy Wilder und Orson Welles. Das „Spago“, sein zweites Lokal, wurde selbst zu einem Stück Hollywood.

          Delikat: Wolfgang Puck (r.) stellt sein Oscar-Dinner vor
          Delikat: Wolfgang Puck (r.) stellt sein Oscar-Dinner vor : Bild: AP

          Ungebremst durch einen Teilhaber (wie im „Ma Maison“) experimentierte Puck oberhalb des Sunset Boulevard mit Pasta und Kaviar, Risotto und Trüffel. „Kurz nach der Eröffnung 1982 besuchte uns ein Stammgast aus dem ,Ma Maison' und erklärte dem Kellner, dass er sich wohl bald eine neue Stelle suchen müsse. Der Laden werde bald wieder schließen“, erzählt Puck lächelnd. „Der Kellner kam zu mir in die Küche und weinte.“

          Weinflaschen-Etiketten von Warhol

          Von einer Schließung war schon nach Tagen keine Rede mehr. Im Gegenteil. Prominente wie Sharon Stone, Jack Nicholson, Sidney Poitier und Cindy Crawford fanden sich im „Spago“ ein, um Pucks Kreationen zu probieren. Sein Sonoma-Lamm wurde in Rekordzeit zum Klassiker, seine Mini-Koteletts mit Cranberry-Sauce und die Gourmet-Pizzas. Als auch der Stammgast aus dem „Ma Maison“ wiederkam, schmiss Puck ihn kurzerhand hinaus: „Ich habe ihm gesagt, dass das ,Spago' für ihn tatsächlich geschlossen ist.“

          Nicht nur die „California cuisine“ - auch das Design des Restaurants war eine Revolution. Statt der üblichen Plüschteppiche und unscheinbaren Einheitsmöbel setzte Barbara Lazaroff, damals Wolfgang Pucks Ehefrau und Geschäftspartnerin, auf helles Holz, moderne Kunst und charmante Details. Für die Weinflaschen des „Spago“ ließ sie Andy Warhol, Robert Rauschenberg und Richard Meier bunte Etiketten malen. Anstelle der allgegenwärtigen weißen Teller wählte sie blumige Dekors von Villeroy & Boch.

          400 Millionen Dollar mit Delikatessen

          Das „Spago“ wurde zu einer Art Klub Hollywoods, in dem Schauspieler, Regisseure und Agenten unter sich blieben. Wenn sich gelegentlich doch ein Tourist in das unscheinbare Haus neben einer Autovermietung verirrte, plazierten ihn aufmerksame Kellner dezent im hinteren Teil des Restaurants. Die Tische an den Fenstern mit ihrem sensationellen Blick über die Lichter der Stadt blieben bis zum Umzug nach Beverly Hills fast ausschließlich Celebrities vorbehalten.

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