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50 Jahre später : Oscar-Akademie entschuldigt sich bei indigener Schauspielerin

  • -Aktualisiert am

Am Oscar-Abend 1973: Sacheen Littlefeather spricht auf der Bühne mit Roger Moore und Liv Ullmann. Bild: akg

Auch nach fast 50 Jahren gehört der Auftritt der Indigenen Sacheen Littlefeather zu den denkwürdigsten Momenten in der Geschichte der Oscars. Nun hat sich die Oscar-Akademie bei der Schauspielerin für die Reaktionen auf ihren Auftritt entschuldigt.

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          Auch nach fast 50 Jahren gehört der Auftritt der Indigenen Sacheen Littlefeather zu den denkwürdigsten Momenten in der Geschichte der Oscars. Nachdem Roger Moore und Liv Ullmann ihren Schauspielkollegen Marlon Brando bei der Preisverleihung 1973 für seine Rolle in dem Mafiafilm „Der Pate“ als besten Hauptdarsteller ausgerufen hatten, war nicht der Hollywood-Star auf die Bühne des Dorothy Chandler Pavilion in Los Angeles gekommen, sondern Littlefeather.

          „Ich bin Apachin und vertrete heute Abend Marlon Brando“, sagte die damals Sechsundzwanzigjährige. „Die Gründe hierfür sind die Art, wie die Filmindustrie amerikanische Indianer behandelt, und das, was gerade in Wounded Knee passiert.“ Die Region im Reservat Pine Ridge (South Dakota) war damals zum zweiten Mal Schauplatz von Konflikten zwischen Indigenen und amerikanischer Regierung geworden. Ende des Jahres 1890 wurden mindestens 150 Indigene von Soldaten niedergemetzelt, als sie die Herausgabe ihrer Waffen verweigerten. In den Wochen vor den Oscars 1973 kam es zu einer weiteren Konfrontation. Damals hielten Anhänger des American Indian Movement (AIM) die Gemeinde Wounded Knee besetzt, um gegen die Benachteiligung durch die amerikanische Justiz zu demonstrieren. Bei den Versuchen, die Besetzung zu beenden, wurden zwei Indigene getötet und einige Hundert Mitglieder verschiedener Stämme verhaftet. Brando, der Littlefeather angeblich durch Filmemacher Francis Ford Coppola kennengelernt hatte, gehörte damals zu den prominentesten Verfechtern der Rechte der indigenen Bevölkerung.

          Ein wütender John Wayne

          Littlefeathers Oscar-Rede in Brandos Namen kam aber nicht bei allen gut an. Die Tochter einer Weißen und eines Indigenen (bürgerlich Marie Louise Cruz) wurde immer wieder durch Buhrufe aus dem Publikum unterbrochen. Der Produzent der Preisverleihung, Howard W. Koch, erinnerte sich an einen aufgebrachten John Wayne hinter den Kulissen. Angeblich waren mehrere Wachleute damit beschäftigt, den Westernhelden davon abzuhalten, auf die Bühne zu stürmen, um Littlefeathers Auftritt zu beenden. Das Model, das damals ein traditionelles perlenbesticktes Lederkleid und indigenen Haarschmuck trug, gab später an, nach der Rede von Filmschaffenden mit dem Tomahawk-Chop, einer abfälligen Handgeste nach Vorbild einer indigenen Streitaxt, empfangen worden zu sein. Amerikanische Medien warfen ihr vor, den Auftritt bei den Oscars aus Eigennutz absolviert zu haben, nämlich um ihre beginnende Schauspielkarriere zu fördern.

          In einem Brief, der am Montag ver­öffentlicht wurde, bat die Academy of Motion Picture Arts & Sciences (AMPAS) als Veranstalter der Oscar-Gala die Indigene jetzt öffentlich um Entschuldigung. „Die Beleidigungen, die Sie erleiden mussten, waren unbegründet und ungerechtfertigt“, schrieb der damalige AMPAS-Chef David Rubin Littlefeather Mitte Juni. Die Filmakademie habe den Mut der Indigenen zu lange nicht honoriert. Littlefeather, die seit Jahren an Krebs leidet, reagierte unerwartet großmütig. „Wir Indianer sind sehr geduldige Menschen – und es waren ja nur 50 Jahre!“, ließ sie wissen. „Wir müssen unter allen Umständen unseren Humor bewahren. Er gehört zu unserer Überlebensstrategie.“

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