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Hilfe für Hinterbliebene : Mein Leben danach

Der gebürtige Grieche macht viel Sport und findet in seiner Arbeit einen wichtigen Halt. Die Arbeit steht für ihn auch heute noch im Vordergrund – als Existenzsicherung und persönliche Bestätigung. Er und sein Sohn haben damals das Glück, dass eine gute Freundin von Papadimos, den Jungen als „zweiten Sohn“ und engen Freund ihres eigenen Sohnes in ihre Familie aufnimmt.

Zwei Jahre nach dem Suizid seiner Partnerin schafft Kostas Papadimos den Schritt nach draußen. Zu AGUS. Zu den „Frischoperierten“, wie er mit einer gewissen Selbstironie die Betroffenen bezeichnet. „Für viele Dinge habe ich damals in der akuten Zeit keinen Kopf gehabt. Am Anfang muss man funktionieren – irgendwie.“ Neue Angebote wie das Online-Therapie-Programm „Hilfe nach Suizid“ (weitere Infos im Kastentext am Ende des Textes) versuchen durch das Medium Internet die Zugangshürden für Betroffene zu senken.

Mit seinem Sohn geht er schon früh in eine Gruppe für trauernde Kinder. Das Erlebnis wird für seinen Sohn zur Offenbarung: „Bis dahin hatte er immer gedacht, dass alle Kinder bis auf ihn selbst zwei Eltern haben. Die Lacrima-Gruppe der Johanniter war für ihn der erste wichtige Schritt nach vorne.“ Im ersten Jahr nach dem Verlust der Mutter schleudert er seinem Vater oft entgegen: „Ja, da kann ich mich ja gleich umbringen.“ Ein Abwehrversuch, wenn es für ihn eng wird. Wenn er vergeblich darauf wartet, dass seine Mutter zur Tür hereinkommt, um ihm beizuspringen.

Seit 1989 bezeichnet die WHO Hinterbliebene als Hochrisikogruppe für Suizide.

Die Angst, dass sich sein Sohn etwas antun könnte, spricht Papadimos nicht aus. Eine akute Bedrohung oder konkreten Anlass gibt es nicht. „Ich versuche die Angst rational in den Griff zu bekommen. Sage mir, dass alles gut läuft und uns beide ein großes Vertrauen verbindet.“ Doch die Pubertät seines Sohnes lässt ihn manchmal an diesem sonst sicheren Gefühl für dessen inneres Befinden zweifeln.

Und wie geht es ihm selbst? Auch heute, acht Jahre nach dem Suizid seiner Lebenspartnerin, ist Kostas Papadimos, der auf die 60 zugeht, weiterhin Single – wenn auch nicht überzeugter Single: „Das Vertrauen zur Partnerin habe ich nicht mehr in der Form, ich kann mich nicht mehr so öffnen. Für viele ist klar, dass sie sich gleich einen neuen Partner suchen. Für mich war und ist das nicht so. Vielleicht bin ich dafür einfach zu alt.“ Stirbt ein Lebenspartner, stirbt das gemeinsame Leben, aber auch ein auf die Zukunft ausgerichtetes Lebenskonzept.

In den Tagen direkt nach dem Suizid ihres Bruders wird Klara Pfals Elternhaus zu einem Ort, den die anteilnehmenden Menschen in einen Taubenschlag verwandeln. „Keiner hat wahrgenommen, dass auch ich eine trauernde Person bin.“ In der ersten Zeit fühlt sich Pfal als Überlebende, heute spricht sie von sich als Betroffene.

In den Augen der Nichtbetroffenen sterben Geschwister immer als Kinder von Eltern, nicht als Bruder oder Schwester. Denn es sei doch das Schlimmste, sein eigenes Kind zu verlieren. Ist es das? Nein, Leid und Trauer kennen keinen Superlativ. Jeder trauert anders, jeder spürt den Verlust auf seine Art. Aber schlimm ist es immer.

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