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Omar Sy im Gespräch : „Ich bin ein freier Mensch“

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„In unserem Wohnblock war die ganze Welt zu Hause“: Sy über seine Herkunft; nun lebt er in L.A. Bild: Senator

Der Schauspieler und Komödiant Omar Sy, ein Kind aus der Pariser Banlieue, wurde mit „Ziemlich beste Freunde“ über Nacht berühmt. Ein Gespräch über Karriere, Genügsamkeit und das Leben in der Vorstadt.

          5 Min.

          Monsieur Sy, Sie haben ein ziemlich turbulentes Jahr hinter sich.

          Das können Sie laut sagen. Niemand dachte doch, dass „Ziemlich beste Freunde“ so ein Erfolg wird. Mit meiner Fernsehshow war ich ein kleines bisschen berühmt. Manchmal erkannten mich die Leute auf der Straße, für sie war ich Omar, weil die Fernseh-Show „Omar und Fred“ hieß. Mit dem Film wurde alles anders, ich bekam nun sogar einen vollständigen Namen. Jetzt war ich Omar Sy.

          Und trotzdem sind Sie im vergangenen Jahr in die Vereinigten Staaten gezogen. Warum?

          In erster Linie wegen meiner Familie. In den letzten zwei Jahren habe ich unheimlich viel gearbeitet. Dann wurde ich mit dem Film überall bekannt, gewann den César als bester Schauspieler, das war schön, es war ein wirklich gutes Jahr. Aber es war auch alles zu viel. Also habe ich gesagt: Das Beste, was ich mit dem ganzen Erfolg gewonnen habe, ist Zeit für meine Frau und meine Kinder. Deshalb bin ich mit meiner Familie nach L.A. gegangen.

          Haben Sie sich schon eingelebt?

          Schwer zu sagen, ich bin noch nicht sehr lange dort, entdecke die Gegend. Aber es fühlt sich gerade an wie ein langer Urlaub, wir gehen oft an den Strand, schwimmen im Meer.

          Kein Gedanke an Arbeit?

          Doch natürlich, ich bin auch bewusst in die Vereinigten Staaten gegangen, um endlich richtig Englisch zu lernen, und nach Los Angeles wegen der Nähe zum Film. Ich wollte ein paar Leute treffen, um vielleicht in Hollywood einen Fuß in die Tür zu bekommen.

          Und hat das geklappt?

          O ja, ich werde in „X-Men“ spielen. Über die Rolle darf ich noch nicht sprechen. Die Macher waren erst etwas besorgt wegen meines Englisch, aber ich hoffe, dass ich noch besser werde.

          Wie hat Frankreich auf Ihren Weggang reagiert?

          Das weiß ich gar nicht, und es ist mir auch egal. Das ist mein Leben. Wenn ich nur noch das machen würde, was die Leute von mir erwarten, wäre das doch der Anfang vom Ende. Da würde ich mich wie im Gefängnis fühlen. Aber ich bin ein freier Mensch.

          In „Ein Mordsteam“ spielt Omar Sy an der Seite von Laurent Lafitte

          Wie schwer war es, sich diese Freiheit zu erarbeiten?

          Ich bin wirklich sehr stolz darauf, denn es war ein langer Weg. Ich mache Unterhaltung, seit ich 19 bin, und ich wusste lange nicht, ob es gut war, dafür die Schule geschmissen zu haben. Beim Radio habe ich gemerkt, dass die Leute über mich lachen können, habe viele neue Seiten an mir entdeckt, und die wollte ich ausprobieren. Ich merkte damals: Das ist es, was ich machen will. Das ist mein Leben. Ich brauche das.

          Sie wollten gar nicht Schauspieler werden?

          Nein, ich habe nicht mal davon geträumt. Alles begann mit meinem Freund Jamel Debbouze, heute ein berühmter Comedian in Frankreich, der damals kleine Auftritte auf noch kleineren Bühnen hatte. Dann sollte er eine Pilotsendung für eine Radioshow produzieren, kriegte dafür keine Promis und griff zu einem Trick: Er lud Nicolas Anelka ein, damals französischer Fußball-Nationalspieler, den kannten wir beide, weil er mit uns in der Nachbarschaft aufgewachsen war. Als zweiter Gast tauchte ich auf und tat so, als wäre ich ein berühmter Fußballer aus Senegal.

          Flog das auf?

          Er hat das selbst aufgelöst, und den Verantwortlichen hat das wohl gefallen. Jamel bekam die Sendung, und auch ich kriegte einen Vertrag. Ich war für Telefonscherze verantwortlich. Als Jamel eine Fernsehshow bekam, ging ich mit und arbeitete hinter den Kulissen.

          Wann haben Sie sich selbst ins Rampenlicht getraut?

          Jamel ging bald mit einem eigenen Programm auf Tournee, der Sender fragte Fred Testot und mich, ob wir den Sendeplatz übernehmen könnten. Daraus entstand die Sketche-Sendung „Omar und Fred“, die war ein großer Spaß.

          Hatten Sie ursprünglich andere Pläne?

          Aber klar, ich wollte Ingenieur werden. Heizung und Klima, das ganze Programm, da wollte ich mein Diplom machen und dann nach Senegal gehen, um dort zu arbeiten.

          Und dann kam alles anders.

          Ja, und vor allem viel besser! (lacht laut)

          Wie kamen Sie zum Film?

          Beim Fernsehen tauchten eines Tages zwei Leute auf und sagten: Wir machen einen kurzen Film und suchen Schauspieler, wie wär’s mit dir? Ich habe damals in unserer kleinen Show versucht, ein guter Comedian zu sein und die Leute zum Lachen zu bringen. Das war genug für mich. Wenn ich nach Senegal kam, war ich im Fernsehen. Mann, das war ein Traum. Warum noch mehr? Also sagte ich den beiden: Sie müssen wissen, ich bin kein richtiger Schauspieler. Und die sagten: Das ist okay, wir sind auch keine richtigen Regisseure. Und da hatten sie mich, das fand ich wirklich lustig.

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