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Oldtimer-Weltreise : Heidi Hetzer gibt wieder Gas

Heidi Hetzer bei einem Oldtimer-Händler in Kapstadt. Bald hat sie die Welt einmal umrundet. Bild: Claudia Bröll

70.000 Kilometer hat Heidi Hetzer mit ihrem Oldtimer schon zurückgelegt. Jetzt tritt die 79 Jahre alte Berlinerin die vorletzte Etappe ihrer Weltumrundung an.

          Kapstadt bietet viele Reize. Doch Heidi Hetzer trifft man nicht am Strand oder an der berühmten Tafelbergbahn – sondern bei „Crossley & Webb“, einem Oldtimer-Händler. „Den kenn ich, da gefällt es mir“, hatte sie am Telefon gesagt. Die Berlinerin befindet sich mit ihrem Automobil, einem Hudson Great Eight mit dem Spitznamen Hudo, seit zwei Jahren auf Weltreise. Sie ist 79 Jahre alt, Hudo ist sieben Jahre älter, Baujahr 1930. In der südafrikanischen Küstenstadt bereitet sich die wackere Weltenbummlerin gerade auf ihre vorletzte Etappe vor: Es geht in das südliche Afrika.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Heidi Hetzer ist eine zierliche kleine Dame, fast verschwindet sie zwischen all den Oldtimern und Luxuskarossen im Autohaus. Auf ihrem Sweatshirt steht „Team Hetzer“, über der Schulter hängt eine Handtasche in Autoform, am Hals trägt sie eine Kette mit dem Berliner Bären als Anhänger. Sobald auch Hudo per Frachtschiff in Kapstadt ankomme, fahre sie los, erzählt sie voller Energie und faltet eine Landkarte des südlichen Afrikas auf. Darauf ist mit Leuchtstift eine grobe Route eingezeichnet: von Kapstadt nach Namibia, weiter nach Botswana, Zimbabwe und zurück nach Südafrika. Auch Qunu, den Geburtsort Nelson Mandelas, hat sie angestrichen. Den genauen Weg in das abgelegene Dorf kennt sie zwar noch nicht. „Aber wir kommen da schon hin, wir sind bisher überall hingekommen.“ Wir, das sind Hudo und sie. Einen Beifahrer hat sie diesmal nicht dabei. „Was soll mir denn ein Begleiter helfen? Die Tür aufmachen?“

          Heidi Hetzer ist schon vor ihrer Weltumrundung bekannt gewesen. In Berlin ist sie eine Legende. Seit einem halben Jahrhundert fährt sie Rennen wie die Rallye Monte Carlo oder die Panama-Alaska-Rallye. In ihrem Hauptberuf führte sie als Vollblut-Unternehmerin 43 Jahre lang das Autohaus Opel Hetzer in Berlin.

          Die Mechanik-Kenntnisse sparen ihr Zeit und Geld

          Ihre Kenntnisse als gelernte Mechanikerin kommen ihr jetzt auch auf der Tour zugute. Wenn Hudos Achtzylindermotor mitten in Kirgistan, China oder Australien nicht mehr rund läuft, muss sie erst mal selbst ran. Die Fähigkeiten haben ihr schon viel Zeit und Geld gespart. Als sie Hudo wegen eines Motorschadens von Argentinien zu einem Spezialisten nach Chile abschleppen lassen wollte, machten die Zollbeamten an der Grenze Ärger. Für ein nicht fahrtüchtiges Auto müsse sie Zoll bezahlen. Heidi Hetzer entgegnete, sie sei zu alt und fahre nur aus Bequemlichkeit nicht. Als die Grenzbeamten stur blieben, stieg sie in das abgehängte Auto ein und tuckerte zu deren Erstaunen langsam davon. „Ich hatte vorher vorsorglich zwei von den acht Kolben ausgebaut“, erzählt sie. Damit schaffte Hudo zwar nur fünf Kilometer, aber für die Grenzüberquerung reichte es.

          Ursprünglich wollte sie den Spuren von Clärenore Stinnes folgen, die in den zwanziger Jahren zum ersten Mal in einem Auto die Welt umrundet hatte. Von der jungen deutschen Rennfahrerin hatte ihr schon ihr Vater erzählt. Doch letztlich änderte sie die Route, so dass sie nun auf fünf Kontinenten kreuz undquer unterwegs ist. „Ich will doch keine Rekorde setzen, ich will die Welt sehen, ganz einfach“, sagt sie.

          Heidi Hetzer im Juli 2013 mit einem 1930er Hudson Super 8 beim 123. Großen Preis von Berlin

          Ganz so einfach aber ist es nicht. In Argentinien wurde ihr die Handtasche mit Papieren, Tagebuch und Handy gestohlen, in Kapstadt entwendeten Diebe am Busbahnhof schon wieder ihr Handy. In der kanadischen Stadt London verlor sie bei einem Unfall einen Finger, als sie unter einer Hebebühne ein Ölleck an ihrem Oldtimer suchte. Der Lappen verfing sich im laufenden Motor und die Hand wurde hineingezogen. Ein großer Teil der Verletzungen konnte kuriert werden, aber ihr kleiner Finger war nicht zu retten. Doch Heidi Hetzer wäre nicht Heidi Hetzer, wenn sie deswegen aufgeben würde. Auch die ständigen Reparaturen an ihrem geliebten Hudo haben sie keine Sekunde daran denken lassen, die Reise abzubrechen. „Eigentlich sollte diese Reise nicht ‚Mit Heidi um die Welt‘, sondern ‚Mit Heidi durch die Werkstätten dieser Welt‘ heißen“, witzelt sie.

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