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Oktoberfest : La dolce Wiesn

Das zweite Wiesnwochenende ist als „Italienerwochenende” bekannt Bild: F.A.Z.-Jan Roeder

Jahr für Jahr zieht es Zehntausende nach Norden über die Alpen - zum „Italienerwochenende“ des Oktoberfests in München. Geschlafen wird im Bus, gefeiert im Zelt auf der Wiesn.

          6 Min.

          Für Elena ist es das erste, für Luca schon das dritte oder vierte Mal. Doch dieses Mal ist Elena als seine Freundin mit dabei, und so sei alles anders, sagt er. Hinter ihnen, beim Fünf-Liter-Bierfass der Marke Kaiser, steht ein massiv gebauter Bärtiger und beweist den etwa 200 Oktoberfest-Reisenden, welch tiefe Töne seine Kehle hervorbringen kann. Elena gibt Luca erst einen Klaps, dann einen Kuss.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Aus Bologna sind sie nach Verona gekommen. Von hier, dem Busparkplatz neben dem Bahnhof Puorta Nuova, starten an diesem Abend um 23.45 Uhr vier Busse, „destinazione Monaco, festa della birra“, Ankunft voraussichtlich 6.30 Uhr. Drei Busse sind vor allem den Italienern vorbehalten, in einem Bus reisen ausschließlich Brasilianer. In einer Ecke des Parkplatzes singen die Südamerikaner neben ihrer Fahne schon, gefeiert haben sie bereits in der Nacht. Und so laut, sagt Marco Guarda, das sei nichts für Italiener.

          Willkommensumtrunk mit Kaiser-Bier

          Marco, der einen langen Mantel mit Pelzimitatfutter und eine Brille mit breiten silbernen Bügeln trägt, gehören die Busse. Seit fünf Jahren fahren sie zum Oktoberfest, drei Touren sind es allein in diesem Jahr. Nachts hin, tagsüber auf der Wiesn, um 22.30 Uhr zurück. Übernachten würde nur unnötige Spesen bedeuten, sagt Marco. 75 Euro kostet die Fahrt, der Willkommensumtrunk mit Kaiser-Bier, gebraut getreu dem bayerischen Reinheitsgebot, die Krankenversicherung und die deutschsprachige Reiseleitung - Marco hat in Frankfurt einen Sprachkursus besucht - inklusive. Und schon rollen die Busse in die Nacht, auf der Autostrada Richtung „Brennero“.

          Zehntausende Italiener zieht es zum Oktoberfest

          Es gibt kein Bier, noch nicht. Schnell wird es ruhig im Bus, die Reisenden schlafen. Gut so, sie werden ihre Kräfte noch brauchen. Gehalten wird in Brixen und in Holzkirchen, wo auch etliche andere Busse mit italienischen Kennzeichen an der Autobahn 8 kurz vor München noch einmal eine Pause einlegen. Als Marcos Gruppe schließlich planmäßig um halb sieben Uhr in der Frühe auf dem Parkplatz nahe der Theresienwiese ankommt, stehen dort schon an die 50 andere Busse aus ganz Europa.

          Das gelbe Käppchen aufsetzen

          Elena, Luca und die anderen sammeln sich, Marco hält eine letzte Ansprache, erklärt den Angriffsplan. Erstens: Das gelbe Käppchen aufsetzen. Darauf steht links „Oktoberfest“, in Fraktur, daneben die Internetadresse von Marcos Reisebüro: „conoscersiviaggiando.it“. Zweitens: „Wenn die Türen zum Bierzelt aufgehen, heißt es laufen!“, ruft Marco in den Morgen hinein. „Laufen!“ Laufen und die Plätze im hinteren Teil des Zelts besetzen. „Nicht vorne, sonst blockieren wir, und nicht alle Gelbmützen auf dieselben Bänke, im Raum verteilen!“

          Die Maß, brüllt Marco, koste 8,25 Euro. Und Trinkgeld nicht vergessen. „Den Sicherheitsleuten zeigen, dass wir uns gut benehmen! Sobald ihr die Plätze verlasst, sind sie weg!“ Drittens: „Heute Abend Punkt halb elf wieder hier einfinden!“ Verstanden? Und schon geht's zur Wiesn. Unterwegs bindet einer gelbe Kappen als Wegmarken an die Bäume, an Schilder und sogar an das Wahlplakat einer großen bayerischen Volkspartei. Man will für den Rückzug gewappnet sein.

          Besonders beliebt ist das Hofbräuzelt

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