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Homosexualität in der Politik : „Alle Mainzer sind vom anderen Ufer“

Ebling: Was gibt’s noch? Der hat ’ne andere Feldpostnummer ...

Gerich: Ich sprech’ immer von der erhöhten Grundtemperatur.

Ebling: Sie merken schon, wir sehen das eher locker. Was natürlich auch damit zu tun hat, dass wir in unserem Umfeld nicht permanent Anfeindungen ausgesetzt sind.

Würden Sie auch über einen Heterosexuellen sagen, der hat eine andere Feldpostnummer?

Ebling: Das ist eine interessante Frage, ob man sich umgekehrt auch so abgrenzt. „Hete“ gibt es. Aber das wird eher humorvoll verwendet. Humor ist überhaupt wichtig. Wir hatten vor kurzem die Määnzer Fassenacht. Der Sitzungspräsident von „Mainz bleibt Mainz“ beschrieb da in seiner Rolle als Messdiener sein Bild von Vielfalt in der Gesellschaft. Da sagte er sinngemäß, es gibt die Männer mit den Frauen, die Frauen mit den Frauen und die Männer mit den Männern - alles schön. Nur: Muss der Mainzer Oberbürgermeister ausgerechnet den von Wiesbaden küssen?

Sie spielen darauf an, dass Sie beide sich 2014 bei „Mainz bleibt Mainz“ vor laufender Kamera geküsst haben.

Ebling: Das ist für mich die Potenz von Normalität: dass man sich nach einem Küsschen unter Männern nicht darüber lustig macht, dass zwei Männer sich geküsst haben, sondern dass es der Mainzer OB ausgerechnet mit dem Wiesbadener gemacht hat.

War die Aktion geplant?

Gerich: Nein, das ist aus dem Moment entstanden. Vorausgegangen war der Gag des Büttenredners, wir könnten doch heiraten. Da haben wir, angefeuert durch das Publikum, versucht, das Beste daraus zu machen - und es nicht bereut. Der Sender schien allerdings sanft darauf hingewirkt zu haben. Wir wurden jedenfalls darum gebeten, uns einander gegenüber zu setzen.

Kamen danach blöde Bemerkungen?

Ebling: Es gab einen super-edel-korrekten Menschen, der mich darauf aufmerksam gemacht hat, mit Heterosexuellen würde man solche Späße natürlich nicht machen.

Sind Sie beide eigentlich der Typ des jeweils anderen?

Ebling: Ich will es mal so formulieren: Seit wir uns kennen, wissen wir voneinander, dass wir in festen Händen sind. Und da ist es dann - ja, sogar bei uns! - nicht so, dass wir sagen: Komm, wir taxieren mal.

Gerich: Oder dass wir schauen, wann der Deutsche Städtetag mal eine schöne Reise macht, wo wir ein paar Tage zusammen verbringen können.

Ebling (an Gerich gerichtet): Dein Hund wär’ mir auch zu klein.

Welcher Hund?

Gerich: Ich habe eine französische Bulldogge, er einen Labrador.

Ebling: Auch die sind sich übrigens noch nicht näher gekommen.

Wir waren beim Humor. Der ist ja angeblich so wichtig für unser westliches Freiheitsverständnis, Stichwort „Je suis Charlie“. Aber was folgt daraus für unser Thema? Dass es möglich sein muss, über Schwule genauso Witze zu machen wie über Mohammed?

Gerich: Bei der Religion sehe ich die Grenze schneller überschritten.

Warum?

Gerich: Empfinde ich so. Ich bin ein gläubiger Christ, auch wenn ich nicht jeden Sonntag in die Kirche gehe. Von einer Satire, die sich über Jesus am Kreuz lustig macht, würde ich mich eher getroffen fühlen als von Witzen über sexuelle Identität.

Ebling: Ich glaube, es gibt nur gute und schlechte Witze. Und wenn jemand mit einem Witz beleidigen will, dann ist der Witz meistens auch nicht gut. Dann würd’ ich sagen: Lass stecken.

Sie haben den Wunsch geäußert, dass Homosexualität als normal angesehen wird. Diejenigen, die das nicht wollen, argumentieren auch mit der Normalität, indem sie etwa sagen: Menschliche Paarbeziehungen sind auf Fortpflanzung angelegt. Hilft uns der Begriff „Normalität“ an dieser Stelle weiter?

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