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Obama in Jerusalem : Erst Präsident, dann Pessach

Schon koscher für Pessach: Das King David erwartet hohen Besuch Bild: IMAGO

Koschere Tage für Obama: Der Präsident nächtigt im Jerusalemer King David Hotel, dass bereits für das Pessach Fest präpariert wurde. Ob Ministerpräsident Netanjahu dem Gast deshalb Ravioli serviert?

          Wenn Barack Obama an diesem Mittwoch seine Präsidentensuite bezieht, ist sie nicht nur blitzsauber. „Unser ganzes Hotel ist koscher für Pessach“, sagt der Direktor Dror Danino. Das Personal des Jerusalemer King-David-Hotels ist hohe Gäste gewohnt. Seit den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts steigen in dem imposanten Haus mit Blick auf die Davids-Zitadelle und die Stadtmauer alle Besucher ab, die etwas auf sich halten: Präsidenten und Könige, Schauspieler und Spione.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Doch Obamas Besuch stellt das Hotel dieses Mal vor eine besondere Herausforderung: Nur drei Tage nach seiner Abreise beginnen die jüdischen Pessach-Feiertage. Zuvor reinigen Juden ihre Küchen und Häuser peinlich genau, um dafür zu sorgen, dass keine Reste von Weizen, Roggen, Hafer und Gerste übrig bleiben. Sie dürfen während des einwöchigen Fests nur ungesäuerte Speisen zu sich nehmen. Statt Brot isst man dann zum Beispiel nur sogenannte Mazzen aus Wasser und Mehl.

          Das jüdische Fest erinnert an die Flucht aus Ägypten, als in der Wüste keine Zeit war, den Brotteig gehen zu lassen: Die Juden aßen ungesäuertes Brot. Für die Hotelangestellten bedeutete das zusätzliche Arbeit. Sie mussten den Großputz schon vor Obamas Ankunft abschließen; danach wäre nicht genug Zeit dafür geblieben. Sie säuberten die 233 Zimmer des Hotels, die die amerikanischen Quartiermeister alle gemietet haben, sowie alle Küchen und Restaurants von den Überresten gesäuerter Lebensmittel und machten das Haus „koscher für Pessach“.

          „Er ist ein sehr freundlicher Mann“

          Obama und seinen Mitreisenden werden die trockenen Mazzen jedoch erspart bleiben. Zwar müssen sie im Hotel wohl auf Hamburger und Nudelgerichte, wie sie es aus Amerika gewohnt sind, verzichten. „Aber es gibt schmackhafte Alternativen“, teilt die Hotelleitung mit. So backt die eigene Küche zum Beispiel Brötchen, die wie Brioche und Panini schmecken. Auch sonst wird Obama gut versorgt sein. Maurice Omezguine bediente ihn schon während seines Besuchs im Jahr 2008, als Obama noch ein einfacher Senator war.

          „Damals begrüßte er uns alle mit ,Schalom‘. Er ist ein sehr freundlicher Mann“, sagt der 61 Jahre alte Hotelangestellte. Die Äußerungen des gebürtigen Marokkaners sind nicht nur diplomatische Freundlichkeiten: Er kann vergleichen wie kaum ein anderer. Seit er 1967 nach Israel einwanderte, arbeitet er im King David und bediente nicht nur alle amerikanischen Präsidenten. „Henry Kissinger, Hillary Clinton natürlich auch, genauso wie den Boxer Muhammad Ali und den Regisseur Steven Spielberg“, zählt er auf. Selbstverständlich kenne er auch Helmut Kohl und Angela Merkel.

          Obamas Besuch macht Maurice Omezguine daher nicht nervös. Die Tage, in denen seine Hände bei solchen Anlässen zitterten, liegen lange zurück. „1977 konnte ich kaum das Tablett ruhig halten, als ich Anwar al Sadat und Menachem Begin den Tee servierte.“ Überrascht, aber verständnisvoll habe ihn damals der israelische Ministerpräsident Menachem Begin gefragt: „Was ist los, mein Sohn?“ Omezguine beruhigte sich schnell wieder.

          Mit dem ägyptischen Staatschef sprach er auf Arabisch und sorgte auch darüber hinaus dafür, dass Sadat sich wohl fühlte: Zum Tee reichte er noch ein paar Minzeblätter. Später brachte er ihm eine klare Brühe, weil der Gast aus Kairo während seines historischen Besuchs gesundheitlich etwas angeschlagen war.

          Auch Barack Obama wird kulinarisch in besten Händen sein, wenn er von seinem Hotel zu den beiden Festessen aufbricht, die seine israelischen Gastgeber in ihren Residenzen zu seinen Ehren geben. Anders als im Hotel gibt es dort trotz des bevorstehenden Pessach-Fests keine Einschränkungen. Bei Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wird es als ersten Gang am Mittwoch Ravioli geben, gefüllt mit Jerusalemer Artischocken. Staatspräsident Schimon Peres lässt am Donnerstag Humus und Felafel servieren.

          Doch das Püree und die Bällchen aus Kichererbsen sind schon zuvor zu einem Politikum geworden, denn der Nahost-Konflikt macht auch nicht vor dem Tisch der Präsidenten halt: In Israel gelten mittlerweile Humus und Felafel als Nationalgericht, obwohl sie ursprünglich aus der arabischen Küche stammen. Peres’ Speiseplan verurteilten palästinensische Köche daher als einen „schamlosen Angriff der israelischen Besatzer auf unsere Kultur“. Beim Mittagessen, das sie am Donnerstag für Obama in Ramallah kochen, wollen sie dem amerikanischen Gast zeigen, wie palästinensische Küche wirklich schmeckt.

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