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Obamas Origami-Künste : Falten für den Frieden

Obama hat’s gefaltet: Papierkraniche des Präsidenten im Hiroshima Peace Memorial Museum Bild: Picture-Alliance

Obamas Besuch in Hiroshima hat bei der japanischen Bevölkerung einen tiefen Eindruck hinterlassen. Besonders ein Mitbringsel des amerikanischen Präsidenten sorgte für Aufsehen.

          Auch zwei Wochen nach dem Besuch des amerikanischen Präsidenten Barack Obama in der durch eine Atombombe 1945 zerstörten Stadt Hiroshima ist Japan noch damit beschäftigt, das historische Ereignis zu verarbeiten. Immer wieder finden sich in den Medien Geschichten rund um das Erlebnis. Ausführlich erörterten Zeitungen, dass Obama seine Rede selbst lange bearbeitet habe. Und die Betroffenheit eines Beraters von Obama während des Besuchs, die dieser Tage später im fernen Washington zum Ausdruck brachte, ist Japans Journalisten auch noch eine Meldung wert.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Mit einem Detail rührt Obama, der in Japan große Popularität genießt, dabei wohl mehr Japaner als mit allem anderen. Das Friedensmuseum von Hiroshima stellt seit dieser Woche vier Papierkraniche aus, die Obama selbst gefaltet und als Geschenk mitgebracht hatte. Zwei der Origami-Kraniche schenkte der Präsident Schulkindern, die ihn in dem Museum begrüßt hatten. Zwei Kraniche legte er am Gästebuch nieder, in dem er sich verewigt hatte. Im Land der kleinen Gesten, die beachtet werden wollen, kam das Symbol besonders gut an.

          Als Origami gefaltete Papierkraniche erinnern in Hiroshima an die Geschichte von Sadako Sasaki. Das Mädchen überlebte den Atombombenabwurf im Alter von zwei Jahren. Jahre später, als Schulmädchen, erkrankte es an Leukämie. Im Krankenbett faltete Sadako mehr als 1300 Papierkraniche in der Hoffnung, zu gesunden. Sie folgte damit einem alten japanischen Sprichwort, dass dem ein Wunsch erfüllt wird, der 1000 Origami-Kraniche faltet. Sadako aber starb 1955 im Alter von nur zwölf Jahren. Von Sadako gefaltete Papierkraniche symbolisieren im Friedensmuseum die Trauer um die Opfer des Atombombenabwurfs.

          „Ich konnte wirklich seinen Wunsch nach Frieden spüren“

          Das Museum sei mit Anfragen überflutet worden, Obamas Kraniche zu zeigen, berichtete der Museumsdirektor japanischen Medien. Die Origami-Vögel des Präsidenten werden nun bis Ende August im Museum präsentiert, neben Obamas Eintrag im Gästebuch. „Wir haben die unerträglichen Leiden des Krieges kennengelernt. Lasst uns gemeinsam den Mut finden, Frieden zu verbreiten und eine Welt ohne Nuklearwaffen anzustreben“, hatte Obama geschrieben.

          Obama bastelte seine Kraniche nach eigenen Worten unter Anleitung. Die mehrere Zentimeter großen Vögel sind aus japanischem Papier, bedruckt mit Blumenmotiven und Früchten. Später will das Museum entscheiden, ob die Kraniche länger ausgestellt werden sollen. Fernsehbilder zeigen reges Interesse von Besuchern an Obamas Kranichen. „Ich konnte wirklich seinen Wunsch nach Frieden spüren“, sagte eine Japanerin dem Fernsehsender NHK.

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