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O’Neal streitet um Warhol-Bild : Ist das Gemälde wirklich für ihn?

  • -Aktualisiert am

Ryan O’Neal streitet seit Wochen um ein Warhol-Bild Farrah Fawcetts. Die Geschichte des Porträts scheint ebenso turbulent wie die fast 30 Jahre währende Beziehung zwischen Fawcett und O’Neal.

          Auch bei ihrem letzten Auftritt spielt Farrah Fawcett nur noch eine Nebenrolle. Während ihr früherer Lebensgefährte Ryan O’Neal seit Wochen mit der University of Texas um ein Warhol-Porträt des verstorbenen Hollywood-Stars streitet, beschränkt sich Fawcetts Part im Gerichtssaal in Los Angeles auf ein paar Fotos, die die Zeugenaussagen über ihr Krebsleiden, O’Neals Affären und die turbulente Liaison des einstigen Glamourpaares illustrieren.

          Fawcett mit der blonden Fönfrisur, die sie Ende der Siebziger als Hauptdarstellerin der Serie „Drei Engel für Charlie“ zu einer Popikone machte. Fawcett in dem roten Badeanzug, der heute zur Sammlung des Smithsonian-Museum für Amerikanische Geschichte in Washington gehört. Und Fawcett als 1×1 Meter großer Siebdruck, den Andy Warhol nach eilig fotografierten Polaroidaufnahmen vor mehr als 30 Jahren in seiner New Yorker Factory fertigte.

          Mit türkisfarbenen Augen, zinnoberroten Lippen und der unverwechselbaren Frisur, dem „Farrah-Do“. „Das Bild lässt dem Betrachter die Augen aus den Höhlen springen. Es ist einfach großartig“, schwärmte selbst die für kühle Analysen bekannte Kunstsachverständige Lee Drexler. Wie Drexler die Jury wissen ließ, sollen Fawcetts Schönheit und Popularität Warhol angespornt haben, dem mindestens 12 Millionen Dollar teuren Porträt jenen Glanz zu geben, den auch die Schauspielerin damals ausstrahlte.

          Viereinhalb Jahre nach dem Krebstod der Texanerin verblasst der Glamour jedoch von Tag zu Tag ein wenig mehr. Während der zwischen Weinerlichkeit und Arroganz schwankende O’Neal die 12 Geschworenen davon zu überzeugen versucht, der Eigentümer des Porträts zu sein, pochen die Anwälte der University of Texas im Gerichtssaal weiter auf Fawcetts Testament. Da die Schauspielerin ihrer Alma Mater die gesamte Kunstsammlung vermachte, gehöre auch das Porträt auf den Campus, wo schon die zweite Version des Warhol-Werks hängt. Wie der 72 Jahre alte O’Neal jetzt zugab, hatte er „sein“ Bild zwei Wochen nach Fawcetts Tod Ende Juni 2009 unbemerkt aus ihrer Wohnung im Stadtteil Westwood geholt.

          „Wir brauchen daher die Hilfe des Gerichts“

          Angeblich hatte Warhol zwei fast identische Porträts gefertigt, um den beiden Hollywood-Stars ein eigenes Exemplar zu präsentieren. Die Privatdetektive der Universität entdeckten den Siebdruck erst zwei Jahre nach Fawcetts Tod über O’Neals Bett in seinem Strandhaus in Malibu, als sie Szenen der kurzlebigen Realityshow „Ryan and Tatum: The O’Neals“ sahen.

          Der frühere Frauenschwarm, der vor 40 Jahren mit Erich Segals „Love Story“ Millionen Kinobesucher zu Tränen rührte, verweigert aber weiterhin die Herausgabe des Bildes. „Das Bild gehört mir“, ließ O’Neal die Jury wissen. „Farrah und Andy Warhol sind tot und können sich nicht mehr äußern“, sagte dagegen David Beck, der Anwalt der Universität von Texas. „Wir brauchen daher die Hilfe des Gerichts, um zu klären, wer der Eigentümer des Warhols ist.“

          Bessere Zeiten: Ryan O’Neal und Farrah Fawcett im März 1989 bei einer Filmpremiere

          Die Geschichte des Porträts scheint ebenso turbulent wie die fast 30 Jahre währende Beziehung zwischen Fawcett und O’Neal. Im Jahr 1980 wurde es in das Haus gehängt, das Fawcett viele Jahre mit O’Neal an der Pazifikküste in Malibu bewohnte. Obwohl das Zusammenleben der beiden Stars stets als besonders harmonisch beschrieben wurde, kam es hinter verschlossenen Türen immer wieder zu Streit und Handgreiflichkeiten.

          Im Februar 1997 trennte Fawcett sich schließlich von dem Vater ihres damals 12 Jahre alten Sohnes Redmond, als sie ihn mit einer Fünfundzwanzigjährigen im Bett ertappte. Das Warhol-Porträt nahm O’Neal aus Rücksicht auf seine junge Freundin wenig später von der Schlafzimmerwand. „Sie fühlte sich unwohl, da sie dauernd von Farrah angestarrt wurde. Ich brachte das Bild also zu Farrah und bat sie, es für mich aufzubewahren“, ließ O’Neal die überraschten Geschworenen wissen.

          „Farrah war ein wichtiger Teil meines Lebens“

          Als Fawcett ihre Villa in Bel-Air verkaufte, um eine Eigentumswohnung im benachbarten Westwood zu beziehen, packte sie auch den zweiten Warhol ein. Zu O’Neal soll sie damals eine freundschaftliche Beziehung aufgenommen haben, nachdem die Ärzte bei ihm Leukämie diagnostiziert hatten. Wie O’Neal jetzt vor Gericht beteuerte, kam sich das frühere Paar nach Fawcetts Darmkrebsdiagnose im Jahr 2006 aber noch näher. Wenige Tage vor ihrem Tod im Juni 2009 habe er der sterbenden Zweiundsechzigjährigen auch einen Heiratsantrag gemacht.

          „Farrah war ein wichtiger Teil meines Lebens. Bis heute bestimmt sie mein Denken und Dasein“, sagte O’Neal. Besonders nahe fühle er sich ihr durch Möbel und Dinge, mit denen sich schon die Schauspielerin umgeben habe. Ob auch der Warhol künftig weiter O’Neals Schlafzimmer ziert, hängt aber vermutlich von Fawcetts ehemaliger Angestellten Maribel Avila ab. Nachdem die Krankenpflegerin zufällig in New York über den Prozess gelesen hatte, meldete sie sich jetzt als Zeugin. „Das ist für Ryan, er wird es später zu sich holen“, soll die sterbende Schauspielerin der Honduranerin vor dem Porträt anvertraut haben.

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