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Nude-Porträts : Ein Fotograf zieht sich aus

  • Aktualisiert am

Jordan, 24, ein Freund, Qualitätssicherung Bild: Trevor Christensen / www.trevorchristensen.com

Trevor Christensen macht Nackt-Porträts. Allerdings behalten die Porträtierten dabei ihre Kleider an. Nackt ist hier nur der Fotograf selbst. Warum er das macht, erzählt er im Interview.

          Wenn ich von mir Porträts machen lasse, und sei es nur für ein Passfoto, fühle ich mich ziemlich unwohl. Und da haben alle, die sich gerade im Raum befinden, Sachen an. Wie soll sich das ändern, wenn der Fotograf nackt ist?

          Also während der Session bin ich am Anfang noch angezogen. Dann gehe ich kurz hinaus und komme nackt zurück. Das ist für die Porträtierten der schwerste Teil. Je länger die Session läuft, desto besser kommen die Leute damit klar. Am Anfang schauen sie sehr überrascht oder halten sich die Hände vors Gesicht. Aber am Ende der Session schauen sie sehr normal drein, da würde man gar nicht denken, dass der Fotograf nackt war.

          Sie sind eigentlich Foto-Reporter und berichten über Sportereignisse. Wie kamen Sie auf die Idee mit den „Nude-Porträts“?

          Das fing eigentlich als Witz an. Ich erzählte Freunden, dass ich Nackt-Porträts machen werde. Nur, dass dabei nicht die Fotografierten nackt wären, sondern ich. Meine Freunde fanden das toll und drangen darauf, das Projekt zu machen. Meine damalige Freundin war dann die erste Porträtierte.

          Was sicher angenehmer war, als gleich mit einem komplett Fremden zu beginnen?

          Naja, ich war trotzdem erstaunlich nervös. Obwohl wir zusammen waren.

          Ich hätte gedacht, Sie müssten ein ziemlich gutes Körperbewusstsein haben, um so etwas durchzuziehen.

          Das habe ich definitiv nicht. Die Idee entstand vor einem Jahr. Und solange hat es gedauert, bis ich mich dazu durchgerungen habe, es tatsächlich zu tun. Ich würde jetzt nicht sagen, ich fühle mich komplett unwohl, wenn ich nackt bin. Aber ich bin eben nicht der Typ, für den es normal ist. Nicht mal, wenn ich allein zuhause bin, laufe ich nackt herum.

          Und wie reagierten die anderen? Auf Ihren Bildern sehen die Menschen sehr überrascht aus.

          Wenn ich nackt den Raum betrete, habe ich die Kamera schon vor dem Auge, sodass ich ihre erste Reaktion festhalten kann. Ich hoffe insgesamt ungefähr 200 „Nude-Porträts“ aufzunehmen. Die würde ich gern in einer Galerie ausstellen. Es ist für mich ein Langzeitprojekt. Jede Session dauert ungefähr 45 Minuten. Und nach den ersten überraschten Augenblicken, läuft das dann wie eine normale Fotosession ab. Ich sage ihnen, wohin sie schauen sollen und mache die Bilder.

          Und wohin schauen die zuerst, nachdem Sie nackt den Raum betreten haben? Ihre Nase? Das Gesicht?

          Das ist witzig, wenn ich in den Raum komme, dann schauen sie mich an und schauen weg und dann versuchen sie sich ganz auf den Augenkontakt zu konzentrieren. Die meisten wissen einfach überhaupt nicht, wie sie sich verhalten sollen. Es ist dann mein Job, ihnen die Beklommenheit zu nehmen und ihnen zu sagen, was sie machen sollen. Ich bin mittlerweile auch nicht mehr verlegen und fühle mich viel besser in meinem Körper als zu Beginn des Projekts.

          Nacktheit hat viel mit Verletzlichkeit zu tun. Wenn Sie nackt hinter der Kamera stehen, wer im Raum fühlt sich dann verletzlicher?

          Das ist der zweite Aspekt des Projekts. Wie Sie schon sagten, selbst wenn Sie Ihr Passbild machen lassen, fühlen Sie sich verletzlich. Ich versuche bei dem Projekt die Machtverhältnisse auszugleichen. Wenn ich nackt bin, bin ich ähnlich verletzlich wie die Leute, deren Bild ich mache.

          Funktioniert das?

          Naja, wenn ich nackt Bilder aufnehme, dann begebe ich mich auf eine gewisse Ebene der Verletzbarkeit. Das geht den Porträtierten aber genauso. Durch meine Nacktheit sind wir beide verletzlicher. Und ich denke, ich habe da noch immer die Oberhand, denn ich gewöhne mich mit jeder Session mehr daran, nackt zu sein. Außerdem sage ich ihnen, was sie zu tun haben. Es braucht schon viel Vertrauen von jemanden, einen völlig Fremden in sein Haus einzuladen und ihn nackt Fotos machen zu lassen. Würden Sie das tun? Ich bestimmt nicht. Aber ich bitte Leute etwas zu tun, was ich selbst nicht tun würde.

          Wenn man Ihre Bilder betrachtet, bekommt man den Eindruck, Männer und Frauen reagieren auf Ihre Nacktheit unterschiedlich. Männern scheint es peinlicher zu sein.

          Das hatte ich mir auch gedacht.Aber eigentlich konnte ich keinen großen Unterschied feststellen. Ich denke, dass Männer es mehr gewöhnt sind, mit nackten Männern konfrontiert zu werden: Man hat Sportunterricht in der Schule, man ist im Fitnesscenter, man sieht sich unter der Dusche nach dem Schwimmbad. Für Frauen ist das schon schockierender. Die Männer sind nicht so schockiert, wenn ich nackt den Raum betrete. Eine Sache habe ich jedoch festgestellt: Seit das Projekt durch das Internet geistert, habe ich viele Anfragen bekommen, von Leuten die mitmachen wollen. Und die große Mehrheit davon waren Frauen. Keine Ahnung, was das nun zu bedeuten hat…

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