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Nora Tschirner : Die schöne, leichte Schwere

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Nora Tschirner Bild: WÜSTE Film

Zwischen MTV, Uranabbau und „Kebab Connection“: Die Schauspielerin und Moderatorin Nora Tschirner schafft es irgendwie spielend, lässig rüberzukommen und trotzdem ab und zu etwas Relevantes zu tun.

          Nora Tschirner möchte erst einmal etwas total Lustiges zeigen: Auf ihrem Foto-Handy hat sie ein Bild gespeichert, auf dem sie Arm in Arm mit Florian Silbereisen in die Linse strahlt. „Der ist total nett“, sagt sie über den Kollegen, allerdings sei nicht geplant, mit ihm eine gemeinsame Sendung zu moderieren. Den jugendlichen Volksmusik-Heros, der genauso alt ist wie sie, 23, hat sie am Vorabend beim „Frühlingsfest der Volksmusik“ getroffen. „Keine Nachfragen bitte“, grinst sie.

          Und erzählt dann selbst, daß sie durch eine Freundin, die beim MDR-Fernsehballett tanzt, auf die Veranstaltung im Berliner Kongreßzentrumsmonster ICC geraten war. In dem ungewohnten Umfeld fremdelte die MTV-Moderatorin ein wenig: „Unfaßbar. Parallelgesellschaft, sag' ich nur. Jetzt weiß ich erst, was das Wort bedeutet.“

          „Wo bin ich hier? Auf einer Parteiveranstaltung?“

          Nora Tschirner sagt das ohne Hohn, mit wohlwollendem anthropologischen Interesse am fernen Universum der Volksmusikfreunde. Neidfrei staunt sie über den Kollegen Silbereisen: „Der ist so alt wie ich und hat's geschafft. Da streckt man sich nach der Decke, und Florian Silbereisen füllt das ICC.“ Beeindruckt war sie von dessen zielgruppengerechter Abmoderation: „Werden oder bleiben Sie gesund“, habe er tatsächlich gesagt.

          Aber das Ganze sei doch eine komische Veranstaltung, sagt sie und singt zum Beleg einen Original-Silbereisen in überzeugend bayerischem Tonfall: „Ich bleib bei Volksmusik und beim Holladrio/Und wenn's nach Heimat klingt, gefallt's mir sowieso.“ „Hauptsache, Deutsch wird gesungen“, freute sich der Kollege Silbereisen mit seinem Publikum, „und der ganze Saal so: Yeah“, mimt Tschirner die Massenbegeisterung. „Da fragt man sich dann schon: Wo bin ich hier? Auf einer Parteiveranstaltung?“

          Rache des Archivs

          Nora Tschirner kam da kurz ins Grübeln, denn erst wenige Wochen zuvor hatte sie in einem Interview erzählt, sie habe das Gefühl, „Teil einer Generation zu sein, die vielleicht zum ersten Mal eine gewisse deutsche Identität an sich heranläßt“ und „nicht zwangsläufig alles furchtbar findet, was mit Deutschland zu tun hat“.

          Und nun so etwas. Nationalvolksmusikalische Ekstase im ICC. Für die Moderatorin und Schauspielerin ein klarer Fall von Rache des Archivs. „Alles, was ich in Interviews sage, wird täglich neu auf die Probe gestellt. Deshalb dachte ich gestern abend auch: Halt, zurück, kann ich zu dem Thema noch mal etwas sagen. Es ist doch wieder alles ganz anders.“ Die Erkenntnis des Abends: „Bei deutscher Kultur mußt du auch integrieren ohne Ende. Da paßt auch nicht einfach alles zusammen.“

          Tschirner in der „Kebab Connection“

          Daß die Schauspielerin und Moderatorin Tschirner gegenwärtig als jugendliche Instant-Expertin für nationalcharakterliche, generationsbefindliche und migrationspolitische Fragen begehrt ist, liegt daran, daß sie gerade in dem Streifen „Kebab Connection“ des Münchner Regisseurs Anno Saul auf der Leinwand zu sehen ist. Sie spielt dort Titzi, die deutsche Freundin des türkischen Filmfreaks Ibo. Das Drehbuch stammt unter anderen von Fatih Akin, dem Regisseur von „Gegen die Wand“. Die Hauptfigur des filmisch ambitionierten Kampfsport-Enthusiasten Ibo (Denis Moschitto) ist Akin nachempfunden.

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