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US-Geburtenrate sinkt : No baby boom

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In den USA sind 2020 so wenig Babys auf die Welt gekommen wie seit 40 Jahren nicht. (Symbolbild) Bild: dpa

Im Jahr 2020 sind in den Vereinigten Staaten 3,6 Millionen Kinder auf die Welt gekommen – es ist der niedrigste Wert seit 1979. Ein Demograf warnt: Die sinkende Geburtsrate entwickle sich zu einer Krise.

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          In den Vereinigten Staaten werden immer weniger Kinder geboren. Für das Jahr 2020 meldete das Nationale Zentrum für Gesundheitsstatistik (NCHS) etwa 3,6 Millionen Geburten, fast vier Prozent weniger als im Vorjahr. Damit kamen 2020 weniger Amerikaner zur Welt als in jedem anderen Jahr seit 1979. „Die sinkende Geburtenrate entwickelt sich zur Krise“, sagte Dowell Myers, Demograf an der University of Southern California, dem Sender CBS. „Wir brauchen aber genug Menschen im arbeitsfähigen Alter, um Rentner zu unterstützen, die noch 30 Jahre leben.“

          Auch der erwartete Baby-Boom, ein Anstieg der Geburten während der Corona-Pandemie, ist ausgeblieben. Für den Monat Dezember, neun Monate nach dem ersten Lockdown in den Vereinigten Staaten, registrierten die Gesundheitsbehörden in etwa 20 Bundesstaaten fast sieben Prozent weniger Geburten als in den Vorjahren. Die niedrige Geburtenziffer zieht sich dabei durch alle Bevölkerungsgruppen, unabhängig von Hautfarbe und Herkunft. Fachleute nehmen an, dass Sorgen um Gesundheit, Arbeitsstelle und Finanzen viele Amerikaner davon abgehalten haben, eine Familie zu gründen oder die Familie zu vergrößern. Die Brookings Institution, eine Denkfabrik in Washington, erwartet eine längere Phase geburtenschwacher Jahrgänge. Allein für das Jahr 2021 übersetze sich der sogenannte Baby Bust in schätzungsweise 300.000 weniger Geburten.

          Kann 1600 Geburten je 1000 Amerikanerinnen

          Die Pandemie schlug sich auch auf die Häufigkeit von Geburten bei Jugendlichen nieder. Mädchen und junge Frauen im Alter von 15 bis 19 Jahren, die wegen der Schulschließungen meist Online-Kurse belegten, brachten nur etwa 15 Kinder je 1000 gebärfähige Frauen zur Welt. Das Nationale Zentrum für Gesundheitsstatistik geht von einem Rückgang um mehr als acht Prozent im Vergleich zu 2019 aus.

          Auch Amerikanerinnen kurz vor oder nach dem 40. Geburtstag, die in den vergangenen Jahren immer häufiger Mütter wurden, verzichteten im vergangenen Jahr unerwartet oft auf Nachwuchs. „Dass die Geburtenziffer selbst bei älteren Müttern abnahm, ist wirklich bemerkenswert“, sagte Brady Hamilton, der Verfasser der NCHS-Studie, bei der Vorstellung der Ergebnisse am Mittwoch.

          Erste Erhebungen zur Gesamtfertilitätsrate, der durchschnittlichen Zahl von Geburten im Laufe des Lebens einer Frau, ergaben ein ähnliches Bild. Für das Jahr 2020 errechnete das National Center for Health Statistics einen Wert von knapp 1600 Geburten je 1000 Amerikanerinnen. Der Wert stellt ein Rekordtief dar und liegt etwa vier Prozent unter dem des Vorjahrs. Laut der obersten amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC, zu der das NCHS gehört, sind mindestens 2100 Geburten je 1000 Frauen nötig, um eine Generation zu ersetzen. In den vergangenen 50 Jahren lag die Zahl der Geburten in den Vereinigten Staaten jedoch regelmäßig unterhalb der Reproduktionsrate.

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