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Shootingstar Nilam Farooq : „Wann ich deutsch bin? Ich hefte alles ab!“

  • -Aktualisiert am

Rückblickend kann ich kaum glauben, dass das mal mein Leben war. Ich bin aber auch froh, dass es das jetzt nicht mehr ist. Damals konnte ich ja nicht mehr entspannt eine Straße runterlaufen. Am Alex oder Ku’damm haben sich Menschenmassen angesammelt, absurd! Aber es war eine gute Schule für heute: Ich weiß, dass ich als Schauspielerin immer für das Publikum arbeite, nicht nur für mich.

War Youtube damals eine Gelddruckmaschine?

Damals mussten erst Regeln aufgestellt werden, wie man mit Werbung auf ­Youtube umgeht. Ich wurde anfangs verurteilt, weil ich Geld verdient habe – heute ist das total normal. Das Internet war eine riesige Grauzone, im Grunde ist es das heute noch, wenn man ehrlich ist.

Sie haben damals relativ schnell relativ viel verdient. Was haben Sie mit dem Geld gemacht?

(lacht) Gespart! Die größte Investition war meine Wohnung. Für jemanden, der nie Geld hatte und sich das selbst erarbeitet hat, war es schon ein krasses Gefühl, sich mit Mitte 20 Eigentum kaufen zu können. Ich komme aus einer Hartz-IV-Familie, wir konnten nie mit auf Klassenfahrt, weil das Geld nicht da war. Deshalb jobbte ich ja auch mit 13 als Komparsin. Ich fiel ­neulich fast vom Stuhl, als ich in Zürich vier Bratwürste für Kollegen holte – das kostete 50 Euro! Ich gehe immer noch sehr bedacht mit Geld um und freue mich, dass ich meine Eltern ­unterstützen kann.

Womit verwöhnen Sie Ihre Eltern?

Ach, mit banalen Dingen: Meine Mutter brauchte eine Zahnkrone, ich konnte sie darin unterstützen, sich die bessere zu leisten. Wir haben früher nie Urlaub gemacht, das habe ich ihnen nun ermöglicht. Ich selbst leiste mir eine große Reise im Jahr, zum Auftanken. Aber irgendwann würde ich meinen Eltern gern ein Häuschen hinstellen.

Christoph Maria Herbst (l-r), Nilam Farooq, Iris Berben und Sönke Wortmann bei der Premiere des Films „Contra“ in Berlin
Christoph Maria Herbst (l-r), Nilam Farooq, Iris Berben und Sönke Wortmann bei der Premiere des Films „Contra“ in Berlin : Bild: dpa

Ist ein pakistanisch-islamischer Vater strenger oder eine polnisch-katholische Mutter?

Früher: Papa. Er kannte es nicht, dass man zum Beispiel bei jemandem übernachtet. Aber die beiden trugen das immer unter sich aus. Ich musste also nie um diese Freiheiten kämpfen. Vermutlich hat meine Mutter einiges für mich durch­gesetzt, was ich gar nicht mitbekommen habe.

Sie merkten erst später, welche ­ culture clashes sie zu Hause über Ihre Erziehung ausfochten?

Total. Den größten Sieg errang meine Mutter vermutlich bei der Frage, ob wir nach Pakistan ziehen. Mein Vater wäre zwischenzeitlich gerne mit uns zurückgegangen. Aber meine Mutter weigerte sich: „Kannst du machen, aber alleine.“ Sie war immer die starke Frau, die alles austariert hat.

In welchen Belangen sind Sie ­deutscher als die Deutschen?

Vor allem in den ganz klischeedeutschen Tugenden. Ich bin immer pünktlich und lege auch großen Wert darauf. Wenn mich jemand ohne Info länger als 15 Minuten warten lässt, gehe ich. Ich finde es unfassbar respektlos, wenn andere den Wert meiner Zeit nicht achten. Ich bin 20 Minuten früher da, um auf keinen Fall zu spät zu kommen – obwohl ich damit meine Zeit ja auch irgendwie verschwende. (lacht) Ich bin zudem sehr ordentlich und organisiert. Ich hake meine Checklisten gerne ab, ich liebe Ordner und hefte alles weg. Ich weiß auch meistens, wo alles ist.

Was sind das für Ordner?

Na, ich habe zum Beispiel Ordner für Dreh­bücher, Papierkrams, Erinnerungen, Notizen, Interviews. (lacht)

Nicht Ihr Ernst.

Doch, genau so bin ich.

Zur Person

Geboren 1989, wuchs sie als Tochter eines pakistanischen Vaters und einer polnischen Mutter in Berlin auf. Ihr  ­Abitur machte sie auf einem humanistischen Gymnasium.

Als Kommissarin war sie acht Jahre lang in der ZDF- Serie „SOKO Leipzig“ zu sehen. Zu ihren Kinofilmen ­gehören „Heilstätten“ und „Rate Your Date“. Auf Netflix ist sie derzeit in „Du Sie Er & Wir“ präsent. „Daaruum“ hieß ihr äußerst erfolgreicher Youtube-Kanal (später „Nilam“), den sie 2017 einstellte. Aktuell im Kino ist sie mit „Contra“, einer gesellschafts­kritischen Komödie von ­Sönke Wortmann, für die sie den Bayerischen Filmpreis erhielt.

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