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Nikolausfest in Holland : Der Schwarze Peter wird politisch

Sind die schwarz angemalten Gesichter rassistisch? Der Nikolaus kommt mit Begleitern in Amsterdam an (Archivbild) Bild: AFP

Die Rassismusdebatte um den Begleiter vom Nikolaus schwelt seit langem. Jetzt hat sich auch die niederländische Regierung zu der Kontroverse geäußert.

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          Die Rassismusdebatte um den „Schwarzen Peter“ in den Niederlanden wird zum Regierungsthema. In einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage teilte Justizminister Ard van der Steur mit, die Regierung erkenne an, dass der „Zwarte Piet“ in seiner heutigen Form „unbeabsichtigt Vorurteile und Diskriminierung Vorschub leisten und Menschen verletzen“ könne. Das Kabinett sei daher dafür, dass das Nikolausfest „mit der Zeit geht“. Ein staatliches Verbot stehe aber nicht an. Die Antwort des Ministers spiegelt die zerrissene Haltung des Landes zu dem Volksfest wider.

          Klaus Max Smolka
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Schwarzen Peter helfen in den Niederlanden der Erzählung nach dem Nikolaus, Geschenke an Kinder zu verteilen. Dazu kriechen sie durch den Schornstein. Höhepunkt daheim ist der „Pakjesavond“ am 5. Dezember. Das große öffentliche Volksfest findet aber stets schon im November statt, wenn viele Orte die traditionelle Ankunft des Nikolaus aus Spanien feiern.

          Der niederländische Justizminister Ard van der Steur
          Der niederländische Justizminister Ard van der Steur : Bild: dpa

          Kritiker sagen, die Schwarzen Peter mit ihren Kostümen, dicken Lippen und Ohrringen veralberten farbige Menschen. Anlass für van der Steurs Brief war eine Anfrage der beiden Parlamentarier Tunahan Kuzu und Selçuk Öztürk, die vor zwei Jahren aus der sozialdemokratischen Fraktion ausgetreten waren und heute faktisch die Bewegung „Denk“ vertreten – eine auf die Belange von Migranten ausgerichtete politische Initiative.

          „Versuchen wir als Regierung nicht, diese Debatte zu führen“

          „Das Kabinett ist der Meinung, dass ein staatliches Verbot des Zwarte Piet kein Ausweg ist – aber dass der Staat eine Rolle spielen kann, um einen respektvollen Dialog zu erleichtern“, so der Justizminister. Ministerpräsident Mark Rutte schien das kurz darauf zu relativieren: „Versuchen wir nun als Regierung einfach nicht, diese Debatte zu führen“, sagte Rutte, der wie van der Steur der rechtsliberalen Partei VVD angehört. „Das ist eine Angelegenheit der Gesellschaft. Vieles ändert sich gerade, aber die Politik muss sich aus der Sache heraushalten.“

          Der Fernsehsender RTL beschloss kürzlich, nur noch grau (vom Schornsteinruß) gefärbte Schwarze Peter zu zeigen. Ruttes sozialdemokratischer Stellvertreter Lodewijk Asscher begrüßte das. Dagegen befand VVD-Fraktionschef Halbe Zijlstra, RTLs Vorgehen „ermorde“ das Nikolausfest.

          So könnte ein Kompromiss aussehen: Der Nikolaus und sein nur grau angemalter Begleiter am 12. November in Antwerpen
          So könnte ein Kompromiss aussehen: Der Nikolaus und sein nur grau angemalter Begleiter am 12. November in Antwerpen : Bild: AFP

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