https://www.faz.net/-gum-9gdjs

Klage gegen Staat : Niederländischer Motivationstrainer will sich 20 Jahre jünger machen

Will keine 69 Jahre mehr als sein: Emile Ratelband Bild: AFP

Er ist in Deutschland bekannt durch die RTL-Show „Tsjakkaa - Du schaffst es“, nun macht der Motivationstrainer Emile Ratelband in den Niederlanden Schlagzeilen: Er will per Gerichtsurteil 20 Jahre jünger werden.

          Emile Ratelband lebt davon, den Menschen ein positives Bild zu verkaufen. In Deutschland wurde er Ende der Neunziger Jahre bekannt, als er die RTL-Show „Tsjakkaa – Du schaffst es“ moderierte. Seitdem hat der selbsternannte Motivationsguru zwölf Bücher geschrieben („Die Chili-Strategie: 30 feurige Anregungen für ein motivierteres Leben“) und gibt Seminare zum Thema „Die Psychologie der Selbstverbesserung“. Sich selbst will er nun auch verbessern. Nicht beim Aussehen oder seiner Fitness – Emile Ratelband will sein Alter optimieren und klagt nun deswegen.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Wie die niederländische Zeitung „De Telegraaf“ berichtet, reichte der 69 Jahre alte Ratelband eine Klage gegen den Staat ein, um sein Geburtsdatum vom 11. März 1949 auf den 11. März 1969 ändern zu lassen. Um Worte sind Motivationstrainer selten verlegen und so sagte auch Ratelband der niederländischen Presse, sein biologisches Alter betrage zarte 45 Jahre. Zudem sei er „ein junger Gott“ und möchte die Vorzüge dieses Jungbrunnens nun bitte auch rechtlich festgelegt und in seinem Pass vermerkt haben. „Man kann seinen Namen und sein Geschlecht ändern. Warum dann nicht auch das Alter“, fragt Ratelband provokant im De Telegraaf. Und fügt einen Gedanken hinzu, der zeigt, dass er sonst anscheinend wirklich keine großen Probleme hatte: Man werde für nichts so stark diskriminiert wie für sein Alter. (Schon erstaunlich, denn Ratelband führt auf seiner Website an, als Motivationstrainer bereits zahlreiche Länder, darunter die Türkei, Russland, Thailand und China bereist zu haben. Mit Menschen anderen Geschlechts, Hautfarbe oder sexueller Orientierung scheint er sich dabei nie über Diskriminierung ausgetauscht zu haben.)

          Wo genau er diskriminiert wird, führt er auch aus: bei der Dating-App Tinder. „Wenn ich da 69 als Alter angebe, bekomme ich überhaupt keine Antwort“, sagt Ratelband. Gebe er hingegen 49 Jahre an und stelle ein aktuelles Bild dazu, dann werde er bestürmt, hofft der Motivationstrainer. Ob man die 20 Jahre Altersdifferenz dann beim Treffen nicht körperlich merke? Ratelband reißt gegenüber der Presse einen Altherrenwitz über situationsabhängige Muskelstärke und -steifheit, der dann doch auch ein geistiges Alter von 69 Jahren nahelegt.

          Nun hat dem älteren Herren anscheinend noch niemand verraten, dass man sein Alter auf Tinder auch einfach um 20 Jahre verjüngen kann. Es wäre nicht die dreisteste Lüge, die sich in den Dating-Profilen dort findet. Über die wahren Motive der Klage lässt sich derweil nur spekulieren. Die niederländische Tageszeitung „Algemeen Dagblad“ veröffentlichte Berichte der Gerichtsverhandlungen, in denen Ratelband in einem Show-Auftritt mit dem freien Willen, dem eigenen Unwohlsein über das Alter und einem Knochenscan argumentierte, der beweise, dass er viel fitter sei, als seine 69 Jahre vermuten ließen. Dafür führte er seinen gesunden Lebensstil an und: „Ich denke besonders positiv“.

          Klingt alles sehr nach einem aufwändigen Werbeauftritt für Ratelbands nächstes Motivationsbuch? Bevor er an den Gerichtskosten pleite geht, sollte ihm vielleicht noch jemand mitteilen, dass es bereits eine Geschichte über einen Mann gibt, der statt zu altern immer jünger wird. F. Scott Fitzgerald hat sie bereits 1922 geschrieben, sie heißt „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ und Diskriminierung beim Daten ist darin tatsächlich eines der kleineren Probleme.

          Weitere Themen

          Kommt der Gesundheits-Check?

          FAZ Plus Artikel: Führerschein : Kommt der Gesundheits-Check?

          Seit 20 Jahren gilt die Lkw-Fahrerlaubnis nicht mehr auf ewig, und keiner hat sich beschwert. Und auch junge Fahrer schwerer Wohnmobile mit mehr als 3,5 Tonnen müssen jetzt regelmäßig zum Arzt. Wann droht das dem Autofahrer?

          Topmeldungen

          Der Fall Lübcke : Wie ein Bumerang

          In Wiesbaden und Berlin bestimmt der Fall Stephan E. die Tagesordnungen. Nicht nur die Frage nach dessen Bezügen zum NSU ist noch zu klären. Die Grünen beklagen eine „eklatante Analyseschwäche“ des Verfassungsschutzes.
          Der Hedgefonds Elliott hat seinen Einstieg bei Bayer publik gemacht.

          Wegen seiner Mischstruktur : Elliott macht Bayer jetzt richtig Druck

          Der amerikanische Hedge-Fonds lässt Andeutungen fallen, die als Aufforderung zur Aufspaltung interpretiert werden können. Ganz nebenbei bestätigt er: Man ist mit einem 2-Prozent-Paket am Mischkonzern beteiligt.

          Trumps neue Sprecherin : Schroff und höchst loyal

          Donald Trump macht Stephanie Grisham, die Stimme der First Lady, zu seiner Sprecherin. Sie wird auch Chefin für strategische Kommunikation – eine machtvolle Position.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.