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Interview mit Nicole Kidman : „Ich sagte: Ich bin die, nach der du suchst!“

  • -Aktualisiert am

Wie verwandelt: Nicole Kidman spielt die Rolle einer Polizistin im Film „Destroyer“. Bild: AP

Nicole Kidman spricht im Interview über ihren neuen Film „Destroyer“, die Suche nach Rollen, Frauen in der Filmbranche – und ihre Probleme mit der Mikrowelle.

          4 Min.

          Frau Kidman, stimmt es, dass Ihnen die Rolle in Ihrem neuen Film „Destroyer“ nicht angeboten wurde, sondern Sie sich aktiv darum bemühten?

          Ja, das Drehbuch machte die Runde, und ich wollte diese Rolle unbedingt spielen. Ich bin aufgewachsen mit den düsteren Polizei-Thrillern mit Al Pacino, Robert de Niro oder Gene Hackman. Dass es plötzlich eine Art weibliche Antwort darauf gab, war einfach unwiderstehlich. Vor allem als ich hörte, dass die Regisseurin Karyn Kusama überhaupt nicht vor hatte, daraus eine geschönte Sache zu machen, sondern es richtig brutal und authentisch zur Sache gehen sollte. Jedenfalls habe ich mich bei ihr gemeldet und gesagt: Ich bin die, nach der du suchst! Einfach, weil ich so eine Rolle noch nie zuvor gespielt hatte.

          Sind Sie immer auf der Suche nach solchen neuen Herausforderungen?

          Ja. Ich brauche Veränderungen und probiere gern Neues aus. Mutig sein und Risiken einzugehen, das ist für mich das A und O. Natürlich fliegt man damit auch mal auf die Nase. Aber dann steht man eben wieder auf und versucht etwas anderes.

          Waren Sie immer schon so mutig?

          Ich denke schon, allerdings spreche ich hier vor allem von meiner Kunst. Was mein Privatleben angeht, da sieht die Sache weniger extrem aus. Risiken müssen da nicht ständig sein. Aber spontan bin ich in jedem Fall, das entspricht meiner Persönlichkeit. Als im letzten Italienurlaub abends um 22 Uhr jemand fragte, ob wir nicht noch losfahren und in heißen Quellen baden wollen, war ich die erste, die begeistert aufgesprungen ist.

          War es Ihnen wichtig, dass bei „Destroyer“ eine Frau hinter der Kamera stand?

          Sehr wichtig. Ich halte immer Ausschau nach spannenden Projekten von Frauen. Mir ist bewusst, wie schwer es Regisseurinnen in unserer Branche oft noch haben, und wenn ich womöglich bei einem Projekt helfen kann, dann versuche ich das. Ich vereinbare gezielt Meetings mit interessanten Filmemacherinnen, jungen, neuen ebenso wie solchen, die eine zweite Chance verdienen. Mir wurden selbst in meiner Karriere so häufig Türen geöffnet, dass ich das nun selbst tun möchte.

          Nicole Kidman spricht im Interview nicht nur über ihren neuen Film, sondern auch über Frauen in der Filmbranche.
          Nicole Kidman spricht im Interview nicht nur über ihren neuen Film, sondern auch über Frauen in der Filmbranche. : Bild: Reuters

          Als junge Schauspielerin ist man zunächst einmal damit beschäftigt, überhaupt Fuß zu fassen. Wie früh nahmen Sie damals das Ungleichgewicht in der Geschlechterverteilung wahr?

          Vermutlich war mein Blick ein anderer als bei vielen Kolleginnen und Kollegen, denn die erste Person, die mich in dieser Branche unter ihre Fittiche nahm, war mit Jane Campion gleich eine Frau. Sie hat mich unglaublich geprägt – und tut es als gute Freundin heute noch. Trotzdem entging mir natürlich nicht, dass es viel weniger Regisseurinnen als Regisseure gab. Heute habe ich selbst Töchter, von denen eine am Filmemachen interessiert ist, und merke, wie schwierig es allein ist, Orte zu finden, an denen eine Zehnjährige etwas über Filmschnitt lernen kann. Deswegen schaffe ich auch Einrichtungen, in denen Mädchen in diesem Berufsfeld Erfahrungen sammeln können.

          Interessant, dass Ihre Tochter sich für die Arbeit hinter der Kamera interessiert, nicht für die davor.

          Naja, da ist momentan von allem etwas. In meine Fußstapfen zu treten, könnte sie sich schon vorstellen, und zu singen wie ihr Vater findet sie auch nicht uninteressant. Am allermeisten liebt sie eigentlich Tiere. Also mal sehen, wohin es am Ende gehen wird, sie ist ja erst zehn.

          Wie gehen Ihre Töchter mit Ihrem Beruf um? Denn Sie bringen Ihre Rollen ja mit nach Hause, oder?

          Das stimmt, gerade eine so aufreibende Rolle wie die in „Destroyer“ kann ich nicht ohne weiteres abschütteln. Das ist für meine Familie nicht immer einfach – und für mich natürlich auch nicht. Die sieben Wochen Arbeit an diesem Film waren besonders unangenehm, das war fast toxisch. Ich habe mich in der Zeit sehr zurückgezogen, und selbst wenn ich zu Hause bei meinem Mann und den Kindern war, habe ich meistens im Bett gelegen und geschlafen, weil ich so erschöpft war. Ausgerechnet über die Weihnachtsferien!

          Kommt es denn vor, dass Sie spannende Projekte ablehnen, weil Sie merken, dass Sie sich das psychisch zu dem Zeitpunkt nicht zumuten können?

          Selbstverständlich, immer mal wieder. Manchmal waren das Rollen, für die Kolleginnen dann die tollsten Preise gewonnen haben. Aber ich weiß eigentlich immer ganz gut, welche Rolle zu welchem Zeitpunkt für mich richtig ist, und was mein Körper und mein Kopf aushalten und was nicht. Wobei die Frage, was meine Familie aushalten kann, noch viel wichtiger ist. Wäre ich Single und kinderlos, würde ich mir über gewisse Dinge sicherlich viel weniger Gedanken machen. Doch meine Familie kommt eben an erster Stelle.

          So oder so arbeiten Sie viel, demnächst zum Beispiel startet endlich die zweite Staffel der Serie „Big Little Lies“...

          Für mich eines der schönsten Projekte überhaupt. Die Zusammenarbeit und der Zusammenhalt unter uns Kolleginnen war etwas, was ich so kaum je erlebt hatte. Reese Witherspoon, Laura Dern, Shailene Woodley, Zoë Kravitz und ich, wir waren wirklich eine Familie. Ich nenne es immer „den Stamm der ,Big-Little-Lies‘-Frauen“. Dieses Mal stieß nun auch noch Meryl Streep dazu, was wunderbar war. Wir haben eine so intensive Zeit miteinander verbracht und uns so gut verstanden, dass ich danach richtig Entzugserscheinungen hatte. Immerhin schreiben wir uns alle noch ständig Nachrichten und Mails.

          Reese Witherspoon hat kürzlich auch ein Buch veröffentlicht: In „Whiskey in a Teacup“ erzählt sie Anekdoten über ihre Familiengeschichte in den Südstaaten mit Rezepten. Hätten Sie nicht mal Lust, etwas ähnliches zu schreiben?

          Ich glaube nicht, dass ich das könnte. Ich wüsste gar nicht, worüber ich schreiben sollte. Und ein Kochbuch wäre sowieso ganz verkehrt. Ich könnte höchstens einen Ratgeber herausbringen, was man in der Küche auf keinen Fall tun sollte. In Sachen Kochen bin ich wirklich zu nichts zu gebrauchen. Neulich wollte ich sogar ein Ei in der Mikrowelle kochen. Wir waren morgens spät dran, und ich dachte, das Acht-Minuten-Ei für meine Tochter würde in der Mikrowelle sicher schneller gehen. Ich hatte nicht die geringste Ahnung, dass man so kein Ei kochen kann – und habe mich fürchterlich erschreckt, als das Ding mit lautem Knall explodierte. Meine Töchter haben nur den Kopf geschüttelt, während ich die Sauerei saubermachen musste. Würde ich also mit Rezepten um die Ecke kommen, sollten Sie sich davon lieber fernhalten.

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