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Interview mit Nicole Kidman : „Ich sagte: Ich bin die, nach der du suchst!“

  • -Aktualisiert am

Wie verwandelt: Nicole Kidman spielt die Rolle einer Polizistin im Film „Destroyer“. Bild: AP

Nicole Kidman spricht im Interview über ihren neuen Film „Destroyer“, die Suche nach Rollen, Frauen in der Filmbranche – und ihre Probleme mit der Mikrowelle.

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          Frau Kidman, stimmt es, dass Ihnen die Rolle in Ihrem neuen Film „Destroyer“ nicht angeboten wurde, sondern Sie sich aktiv darum bemühten?

          Ja, das Drehbuch machte die Runde, und ich wollte diese Rolle unbedingt spielen. Ich bin aufgewachsen mit den düsteren Polizei-Thrillern mit Al Pacino, Robert de Niro oder Gene Hackman. Dass es plötzlich eine Art weibliche Antwort darauf gab, war einfach unwiderstehlich. Vor allem als ich hörte, dass die Regisseurin Karyn Kusama überhaupt nicht vor hatte, daraus eine geschönte Sache zu machen, sondern es richtig brutal und authentisch zur Sache gehen sollte. Jedenfalls habe ich mich bei ihr gemeldet und gesagt: Ich bin die, nach der du suchst! Einfach, weil ich so eine Rolle noch nie zuvor gespielt hatte.

          Sind Sie immer auf der Suche nach solchen neuen Herausforderungen?

          Ja. Ich brauche Veränderungen und probiere gern Neues aus. Mutig sein und Risiken einzugehen, das ist für mich das A und O. Natürlich fliegt man damit auch mal auf die Nase. Aber dann steht man eben wieder auf und versucht etwas anderes.

          Waren Sie immer schon so mutig?

          Ich denke schon, allerdings spreche ich hier vor allem von meiner Kunst. Was mein Privatleben angeht, da sieht die Sache weniger extrem aus. Risiken müssen da nicht ständig sein. Aber spontan bin ich in jedem Fall, das entspricht meiner Persönlichkeit. Als im letzten Italienurlaub abends um 22 Uhr jemand fragte, ob wir nicht noch losfahren und in heißen Quellen baden wollen, war ich die erste, die begeistert aufgesprungen ist.

          War es Ihnen wichtig, dass bei „Destroyer“ eine Frau hinter der Kamera stand?

          Sehr wichtig. Ich halte immer Ausschau nach spannenden Projekten von Frauen. Mir ist bewusst, wie schwer es Regisseurinnen in unserer Branche oft noch haben, und wenn ich womöglich bei einem Projekt helfen kann, dann versuche ich das. Ich vereinbare gezielt Meetings mit interessanten Filmemacherinnen, jungen, neuen ebenso wie solchen, die eine zweite Chance verdienen. Mir wurden selbst in meiner Karriere so häufig Türen geöffnet, dass ich das nun selbst tun möchte.

          Nicole Kidman spricht im Interview nicht nur über ihren neuen Film, sondern auch über Frauen in der Filmbranche.

          Als junge Schauspielerin ist man zunächst einmal damit beschäftigt, überhaupt Fuß zu fassen. Wie früh nahmen Sie damals das Ungleichgewicht in der Geschlechterverteilung wahr?

          Vermutlich war mein Blick ein anderer als bei vielen Kolleginnen und Kollegen, denn die erste Person, die mich in dieser Branche unter ihre Fittiche nahm, war mit Jane Campion gleich eine Frau. Sie hat mich unglaublich geprägt – und tut es als gute Freundin heute noch. Trotzdem entging mir natürlich nicht, dass es viel weniger Regisseurinnen als Regisseure gab. Heute habe ich selbst Töchter, von denen eine am Filmemachen interessiert ist, und merke, wie schwierig es allein ist, Orte zu finden, an denen eine Zehnjährige etwas über Filmschnitt lernen kann. Deswegen schaffe ich auch Einrichtungen, in denen Mädchen in diesem Berufsfeld Erfahrungen sammeln können.

          Interessant, dass Ihre Tochter sich für die Arbeit hinter der Kamera interessiert, nicht für die davor.

          Naja, da ist momentan von allem etwas. In meine Fußstapfen zu treten, könnte sie sich schon vorstellen, und zu singen wie ihr Vater findet sie auch nicht uninteressant. Am allermeisten liebt sie eigentlich Tiere. Also mal sehen, wohin es am Ende gehen wird, sie ist ja erst zehn.

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