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Neues Tourismuskonzept : Dieses Dorf lebt ohne Gluten

  • -Aktualisiert am

Neues Alleinstellungsmerkmal: Im idyllischen Scheidegg gibt es glutenfreie Gerichte in vielen Gasthäusern. Bild: Jan Roeder

Wanderwege allein locken keine Touristen an. Also hat sich ein kleines Dorf im Allgäu etwas einfallen lassen: Es ist jetzt glutenfrei. Bei den Gästen scheint das Konzept anzukommen.

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          Beinahe hatte sie vergessen, wie lecker Kaiserschmarrn schmeckt. „Seit ungefähr fünf Jahren habe ich keinen mehr gegessen“, sagt Carolin Gombert. Sie schiebt sich ein großes Stück in den Mund und lächelt. Vor vier Jahren wurde bei ihr Zöliakie diagnostiziert. Diese chronische Glutenunverträglichkeit lässt die junge Frau selten zu Mehlspeisen greifen. Denn viele Getreidesorten sind für sie tabu. Weizen, Dinkel, Roggen, Hafer und Gerste enthalten das Klebereiweiß Gluten. Wenn Gombert es zu sich nimmt, entzündet sich ihr Dünndarm – und sie bekommt schlimme Bauchschmerzen.

          Im Obergeschoss des Scheidegger Gemeindehauses kann die 26-Jährige bedenkenlos naschen. Alle zwei Wochen findet dort ein Koch- und Backkurs statt, der auf die besonderen Bedürfnisse von Zöliakie-Patienten eingeht. Schon bei den Vorbereitungen zeigt sich das: Kursleiterin Alexandra Fischer karrt die Kochutensilien in verschließbaren Plastikboxen an. Schneidebretter, Schneebesen und Schüsseln – alles trägt die Aufschrift „Glutenfrei“ und wird ausschließlich für solche Speisen verwendet. „Bitte spült das Geschirr, das ihr aus dem Schrank nehmt, bevor ihr es benutzt“, schärft Fischer den Kursteilnehmern ein. Als gelernte Diätassistentin kennt sie sich mit Zöliakie aus. Sie weiß: Selbst die geringste Spur von Gluten – ein kleiner Krümel, der noch am Messer klebt – kann bei Betroffenen zu Beschwerden führen. Deshalb muss, so die Fachfrau, „jegliche Kontamination ausgeschlossen werden“. In Fischers Kurs sollen schließlich alle sorgenfrei speisen.

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