https://www.faz.net/-gum-9l5g6

Neues Image für den Helm? : Helmkampagne ohne Fahrrad

  • Aktualisiert am

Aufmerksamkeit hat Andi Scheuer mit der Kampagne schon mal. (Archivfoto) Bild: AP

Verkehrsminister Andi Scheuer will junge Radfahrer zum Helmtragen motivieren – mit einer Kampagne, die leicht bekleidete Models zeigt, darunter eine GNTM-Kandidatin. In den sozialen Netzwerken gibt es Spott und Kritik.

          2 Min.

          Helme retten Leben – mit Models in Unterwäsche? Eines hat Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) mit einer neuen Kampagne schon mal erreicht: Aufmerksamkeit. Bereits der Titel irritiert einige: „Looks like shit. But saves my life“, auf deutsch: „Sieht Scheiße aus – aber rettet Leben.“ Zu sehen sind auf Plakaten und in Videos Fotomodelle, die leicht bekleidet einen Fahrradhelm tragen. 

          Vor allem junge Menschen sollen motiviert werden, einen Fahrradhelm zu tragen, damit Radfahren sicherer wird, wie das Ministerium am Freitag mitteilte. Ein Gesicht der Kampagne: „Germany’s Next Topmodel“-Kandidatin Alicija.

          Dazu stellt das Ministerium via Twitter ein Video ins Netz, der Minister lässt sich mit lockeren Sprüchen zitieren. „Mehr als die Hälfte der jungen Radfahrerinnen und Radfahrer sagen von sich selbst, dass sie nie oder nur selten einen Helm tragen. Und warum nicht? Weil es angeblich nicht cool aussieht.“ Und weiter: „Der Spruch entspricht vielleicht nicht so ganz dem üblichen Behördendeutsch. Er bringt die Botschaft aber ziemlich genau auf den Punkt: Helme retten Leben!“.

          „Es geht darum, Aufmerksamkeit zu wecken“

          Repräsentative Beobachtungen des Verkehrs im vergangenen Jahr hätten ergeben, dass von Radfahrenden zwischen 17 und 30 Jahren lediglich acht Prozent einen Helm getragen hätten. Das sei die geringste Quote aller beobachteten Altersgruppen, belegten Zahlen der Bundesanstalt für Straßenwesen.

          Ein Helm gelte als „unpraktisch, unbequem und unästhetisch“, so das Ministerium – und will das Image ändern. „Es geht darum, Aufmerksamkeit zu wecken“, sagt Scheuer laut der Mitteilung seines Ministeriums. Und der Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrats, Walter Eichendorf, erklärt: „Es gibt nichts Wichtigeres, als die Gesundheit und das eigene Leben zu schützen.“

          Denn das Thema ist ernst: Im vergangenen Jahr waren auf deutschen Straßen nach zwei Jahren Rückgang wieder mehr Menschen bei Unfällen ums Leben gekommen – der Anstieg geht vor allem auf eine Zunahme bei getöteten Fahrrad- und Motorradfahrern zurück.

          „Find ich sehr strittig“

          Im Netz löste Scheuers Kampagne am Freitag jede Menge ironischer Anmerkungen aus - neben Verständnis gab es auch viel Kritik. Ein Nutzer schrieb auf Twitter: „Die FahrradHelm Kampagne, vom Verkehrsministerium, ist richtig. Aber Frauen in Dessous, auf’m Rad? Find ich sehr strittig & hat was von den Kalender’n, in Werkstätten... (...).“

          Andere forderten das Ministerium auf, sich um mehr Sicherheit auf den Straßen zu kümmern, „statt peinliche #Helmpropaganda- und #victimblaming-Kampagnen zu starten!“, also den Opfern die Schuld für Unfälle zu geben. Auch von „Sexismus“ war die Rede. Auf den Fotos zu der Aktion, die auf der Seite runtervomgas.de gezeigt werden, sind leicht bekleidete junge Menschen zu sehen, in erster Linie junge Frauen. Aber auch ein Mann trägt Helm und präsentiert seinen nackten Waschbrettbauch. Eine Frau räkelt sich an einer Sofakante und ein Paar liegt auf einem Bett – mit Helm auf dem Kopf. Kommentar einer Nutzerin auf Twitter: „Ich hab’s ja erst für Satire gehalten, aber jetzt bin ich ziemlich fassungslos! Was soll das, @BMVI?“

          Und Marion Jungbluth, Verkehrsexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband twitterte: „Ich zieh sofort einen Helm an, wenn sich auch @AndiScheuer einen aufzieht und sich damit in der Unterbuxe abbilden lässt.“

          Weitere Themen

          Es wird heiß!

          Bis zu 35 Grad : Es wird heiß!

          Freibad, Biergarten, Balkon: Wer kann, ist draußen. Denn nach dem kühlen Mai dreht der Frühsommer vielerorts auf. Im Norden erhalten die Temperaturen aber erst einmal einen Dämpfer.

          Topmeldungen

          Spricht er auch Deutsch? Ein Imam betet in der Hamburger Centrum Moschee.

          Imam-Ausbildung in Deutschland : Frei vom Einfluss Ankaras

          In deutscher Sprache und auf dem Boden des Grundgesetzes: In Osnabrück startet das erste Projekt zu Ausbildung von Imamen in Deutschland. Die Erwartungen sind groß.
          Konziliant im Ton, in der Sache aber auch mit einigem einverstanden, was Donald Trump veranlasste: der amerikanische Präsident Joe Biden am Montag in Brüssel

          Biden und die EU : In Trumps langem Schatten

          Am Dienstag trifft der amerikanische Präsident die Spitzen der EU. Die Europäer wollen endlich Trumps Strafzölle loswerden, doch Biden zögert das hinaus. Fortschritte gibt es dagegen auf anderen Feldern.
          Eriksen-Nachricht aus dem Krankenhaus: „Ich fühle mich okay“

          Däne Eriksen meldet sich : „Ich fühle mich okay“

          Noch immer sind die Ursachen für seinen Zusammenbruch unklar, und auch, ob er Folgeschäden davongetragen hat? Einstweilen meldet sich der dänische Fußball-Profi Eriksen aber gutgelaunt zu Wort.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.