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Neues Bushido-Album : Rappen unter Polizeischutz

Hat sein Comeback angekündigt: Bushido Bild: Picture-Alliance

Wie und ob die Karriere von Rapper Bushido weitergeht, war wegen seines Konflikts mit dem Clanchef Arafat Abou-Chaker lange unklar. Jetzt steht fest: Bushido rappt weiter. Im Dezember soll ein neues Album erscheinen.

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          Gut einen Monat ist es her, dass auf Instagram ein Foto auftauchte, weshalb in Rapmedien schnell vom „Comeback des Jahres“ die Rede war: Darauf war der Rapper Bushido zusammen mit bekannten Musikproduzenten in einem Tonstudio in New York zu sehen. Das Foto wurde später wieder gelöscht. Am Freitagmorgen bestätigte Bushido die Gerüchte aber selbst: Auf seinem lange verwaisten Instagram-Kanal wurde ein Foto veröffentlicht, dazu hieß es: „Lange war es ruhig. Ab sofort könnt ihr CCN4 vorbestellen.“

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          CCN steht für „Carlo Cokxxx Nutten“, so hieß ein Album, das Bushido 2002 mit dem Rapper Fler veröffentlichte. 2005 brachte Bushido zusammen mit Baba Saad das Album „Carlo Cokxxx Nutten II“ heraus, 2009 rappte er auf „CCN2“ wieder zusammen mit Fler, „CCN3“ erschien 2015 dann als Bushido-Soloalbum. Und jetzt kann man auf Amazon tatsächlich eine limitierte Edition von „Carlo Cokxxx Nutten 4“ bestellen, dazu heißt es: „Dieser Artikel erscheint am 20. Dezember 2019.“

          Wenn ein Musiker ein neues Album ankündigt, ist das normalerweise keine spannende Nachricht. Bei Bushido ist das anders. Seit im Januar der Berliner Clanchef Arafat Abou-Chaker kurzzeitig verhaftet worden war, weil er einen Anschlag auf Bushidos Frau und die Entführung seiner Kinder geplant haben soll, hat sich der 40 Jahre alte Rapper in der Öffentlichkeit nicht mehr zu Wort gemeldet. Der Haftbefehl gegen Abou-Chaker wurde wegen fehlender Haftgründe schnell wieder aufgehoben, Bushido und seine Familie stehen aber bis heute unter Polizeischutz. Es war bis Freitag völlig unklar, wie und ob die Karriere des Rappers weitergeht.

          Seinen jahrelangen Erfolg hatte Bushido auch der Partnerschaft mit dem Clanchef zu verdanken. Abou-Chaker erklärte das System 2016 so: „Bushido hat gedisst, wen er wollte, aber wir haben nicht geduldet, dass irgendjemand ihn disst.“ Dieses System flog Bushido um die Ohren, als er sich im März 2018 öffentlich von Abou-Chaker lossagte. Seitdem streiten beide nicht nur vor Gericht um das einst gemeinsame Geschäft, gegen Abou-Chaker wird auch weiter ermittelt, weil er Gewalttaten gegen Bushido und dessen Familie geplant haben soll.

          Ende 2018 sah es noch so aus, als würde Bushido zumindest musikalisch als Sieger aus dem Streit hervorgehen. Zunächst hatten sich viele Rapper, die bei dem einst gemeinsamen Label „ersguterjunge“ unter Vertrag standen, noch auf die Seite Abou-Chakers geschlagen. Dann schaffte es Bushido aber, Capital Bra – den neuen Superstar der deutschen Rapszene – zu seinem eigenen Label zu holen. Das Glück war von kurzer Dauer. Anfang 2019 sagte sich Capital Bra mit großer Geste von Bushido los – weil der mit der Polizei zusammenarbeite. Einen Satz in der Albumankündigung von Bushido auf Instagram kann man jetzt durchaus als Angriff auf Capital Bra verstehen: „Seid ihr auch der Meinung, dass es reicht mit LaLaLa und LeLeLe?“ Diese Silben verwenden viele junge Rapper gerne – zum Beispiel Capital Bra in seinem ersten Lied mit Bushido.

          In welcher Rolle sich Bushido jetzt neu erfinden will, ist noch unklar. Die Rolle des armen Opfers, die er in dem Lied „Mephisto“ Ende 2018 vermitteln wollte, nehmen ihm viele in der Szene nicht ab. Immerhin verhöhnte Bushido früher selbst einen ehemaligen Kollegen, der wegen eines Streits mit Abou-Chaker Hilfe bei der Polizei suchte. Als der Rapper Kay One 2013 öffentlich über die angeblich mafiösen Strukturen im Abou-Chaker-Clan und Bushidos Rolle darin gesprochen hatte, rappte Bushido in einer musikalischen „Hinrichtung“: „Du bist vogelfrei, weil du den Ehrenkodex brichst.“ Und er höhnte: „Ich häng' mit Gangstern ab, du hängst mit der Polizei.“

          Solange sich Bushido für solche Attacken nicht entschuldigt hat, wird die Rolle des Opfers schwer zu vermitteln sein. Auch als Gangster kann er sich kaum noch verkaufen. Die Antwort mit den meisten Likes unter seiner Frage auf Instagram („Seid ihr auch der Meinung, dass es reicht mit LaLaLa und LeLeLe?“) war am Freitagmorgen jedenfalls: „Zu viel lalala und lelele bei der Polizei würd' ich eher sagen“. Ein anderer Nutzer schrieb: „Hör dir mal deine eigenen Tracks von CCN3 an, da greift dein Alter Ego deine heutige Persönlichkeit an.“

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