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Posse immer kurioser : Becker widerspricht: Diplomatenpass keine Fälschung

Als Attaché für Sport und kulturelle Angelegenheiten soll Boris Becker im Dienst der Zentralafrikanischen Republik stehen. Bild: AP

Für Boris Becker ist jetzt offenbar ein belgischer Diplomatenausweis beantragt worden. Seinen Pass der Zentralafrikanischen Republik hatte das dortige Außenministerium als „Fälschung“ bezeichnet. Becker widerspricht.

          Im Streit um seine angebliche diplomatische Immunität hat sich Tennis-Star Boris Becker in einem Interview zu Wort gemeldet. „Es ist aber nun eine Realität, es ist ein Fakt, dass ich heute Diplomat von Zentralafrika bin“, sagte er in einem per Video veröffentlichten Interview vom „Top Magazin Frankfurt“.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Sein Posten als „Attaché für die Beschaffung von Mitteln für sportliche, kulturelle und humanitäre Angelegenheiten“ habe aber nichts mit einem laufenden Insolvenzverfahren gegen ihn zu tun. „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun“, sagte Becker. Er sagte weiter: „Es ist richtig, dass mein Diplomatenstatus einige Privilegien beinhaltet. Zum Beispiel Immunität bei den besonderen Fällen, das muss man prüfen, aber das ist für mich nicht vordergründig wichtig.“ Er persönlich habe vom Botschafter der Zentralafrikanischen Republik im April den „Pass“ bekommen. „Mehr kann man dazu nicht sagen.“

          Damit wird die Posse immer kurioser: Nicht nur, dass das Dokument nach Angaben einer Regierungsstelle des Landes gefälscht sein soll. Auf Anfrage von FAZ.NET teilte Beckers Anwalt nun mit, für seinen Mandanten sei von Seiten der Botschaft der Zentralafrikanischen Republik am EU-Sitz in Brüssel jetzt auch ein zusätzlicher „belgischer Diplomatenausweis“ bei einem zuständigen Ministerium in Belgien beantragt worden.

          Den Fälschungsvorwurf dementierte der Rechtsvertreter des früheren Tennisstars. Becker sei im April 2018 in Anwesenheit des Präsidenten Faustin Archange Touadéra zum Attaché für Sport, Kultur und humanitäre Angelegenheiten für Belgien ernannt worden. Anschließend habe der Botschafter des afrikanischen Landes in Belgien, Daniel Dedé, seinem Mandanten den Diplomatenpass übergeben.

          Für Aufsehen hatte zuvor die Meldung der französischen Nachrichtenagentur AFP gesorgt, wonach der Büroleiter des Außenministers der Zentralafrikanischen Republik den Diplomatenpass als „Fälschung“ bezeichnet hatte. Der fragliche Ausweis, von dem AFP eine Kopie einsehen konnte, sei auf den 19. März 2018 datiert und trage eine Seriennummer, die nach Angaben des Büroleiters zu „2014 gestohlenen Blankopässen passt“. Außerdem seien die Unterschrift und der Stempel auf dem Dokument nicht die des Außenministers Charles Armel Doubane. Darüber hinaus habe das dort angegebene Aufgabengebiet „Finanzen“ „nichts mit sportlichen Fragen zu tun“. Doubane hatte schon vorher dementiert, dass Becker Diplomatenstatus genieße.

          Beckers Anwalt hatte Ende vergangener Woche gesagt, sein Mandant mache im Zuge seines Insolvenzverfahrens in Großbritannien diplomatische Immunität geltend: Er berufe sich dabei auf seine Funktion als Sportsonderattaché für die Zentralafrikanische Republik. Seine Anwälte verwiesen in diesem Zusammenhang vor einem britischen Gericht auch auf seinen Diplomatenpass.

          „Beckers Stellenbeschreibung gibt es nicht“ in den Regierungsdatenbanken, sagte jetzt allerdings der Büroleiter des Außenministers der Zentralafrikanischen Republik. Beckers Anwalt teilte FAZ.NET dagegen mit, dass nach Auffassung der mit dem Insolvenzverfahren betrauten britischen Anwälte der Diplomatenstatus ein Verfahrenshindernis darstelle. „Allerdings legen wir Wert auf die Feststellung, dass unser Mandant die Ernennung nicht deswegen angenommen hat, weil er sich dem Verfahren entziehen wollte.“

          Der dreimalige Wimbledonsieger war im Juni 2017 von einem Konkursgericht in London wegen unbeglichener Schulden für zahlungsunfähig erklärt worden. Eine Sitzung zu dem Fall am Londoner High Court endete am Montag dem britischen Sender ITV zufolge ohne endgültige Entscheidung. Bis das Gericht über die Immunität Beckers befunden habe, solle das Insolvenzverfahren aber vorerst bestehen bleiben. Eine weitere Anhörung finde nicht vor dem 5. Oktober statt, zitierte ITV den Richter. Die britischen Insolvenzverwalter und das Gericht wollten dies am Dienstag nicht bestätigen oder kommentieren.

          Eigentlich hätte das Verfahren diese Woche auslaufen sollen, Becker wäre schuldenfrei gewesen. Doch Insolvenzverwalter Mark Ford hatte einen Antrag auf Verlängerung gestellt: Er wirft Becker mangelnde Kooperation vor. Ford verlangt zum Beispiel Auskunft über den Verbleib eines Teils von Beckers Trophäen.

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