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Neue Technologie für Inuit : Mit einer App über das dünne Eis

  • -Aktualisiert am

Puasi Ippak, einer der in der App-Entwicklung involvierten Inuk, testet die App im Eis von Sanikiluaq – eine Siedlung auf der Insel Flaherty. Bild: Arctic Eider Society

In der Arktis wird es wärmer, das Eis wird dünner. Wenn es unerwartet bricht, erschwert das nicht nur den Alltag der dort lebenden Inuit – sondern macht ihn gefährlich. Eine App soll jetzt Abhilfe schaffen.

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          Sie heißt „Siku“ und bedeutet in der Sprache der Inuit übersetzt „das Meereseis“: Seit Mittwoch hilft die App den traditionell lebenden Inuit dabei, sich sicher über das Eis bewegen zu können. Die App bietet den Nutzern eine Kombination aus Wetterberichten ihrer Regionen und Satellitenbildern der Eisfelder. Zudem können die Meldungen mit wissenschaftlichen Daten unterfüttert werden. Beispielsweise mit Wasserproben oder Messungen der Dicke des Eises.

          Gedacht ist die App auch als eine Art Social-Media-Plattform, auf der die Nutzer öffentlich gefährliche Stellen markieren oder auch Tiervorkommen für die traditionelle Jagd einzeichnen können. Zwischen bis zu 80 Tierarten können die Nutzer wählen und die gesichteten Tiere mit verschiedenen für die Jagd wichtigen Merkmalen versehen.

          Entwickelt wurde die App von der „Arctic Eider Society“ in Zusammenarbeit mit den Inuit und verschiedenen örtlichen Organisationen aus Sanikiluaq, die südlichste Siedlung von Nunavut. Sie gehört zu den Belcher Islands zählenden Insel Flaherty, etwa 150 Kilometer von der Westküste Nord-Québecs entfernt.

          Ein kleiner Riss kann gefährlich werden

          Im Vordergrund der Entwicklung stand vor allem die Sicherheit. Die klimatischen Veränderungen haben zu großen Problemen im Alltag und in der Grundversorgung der Inuit geführt. Immer häufiger sei es vorgekommen, dass das Eis unerwartet gebrochen ist und die Jäger ins Eiswasser gefallen sind. Der Klimawandel ist in der Arktis deutlicher zu sehen, hier steigt die Temperatur zwei- bis dreimal so schnell als in südlicheren Regionen.

          Während der Präsentation der App am Mittwoch erzählt Projektleiter Joel Heath von einem Erlebnis während der Testphase der App: Ein Jäger hatte an der Stelle eines kleines Risses im Eis eine Warnmarkierung auf der Karte der App plaziert. „Man würde denken so etwas minimales sei nicht gefährlich. Aber aufgrund seiner Erfahrung wusste der Mann, dass der kleine Riss nur bei leicht veränderten Wetterbedingungen weiter aufreißen und das Eis schließlich brechen würde“, so Heath.

          Gefährliche Stellen, Tiervorkommen – alles ist gekennzeichnet: Ein Screenshot der Siku-App zeigt ein Satellitenbild eines Eisfeldes.
          Gefährliche Stellen, Tiervorkommen – alles ist gekennzeichnet: Ein Screenshot der Siku-App zeigt ein Satellitenbild eines Eisfeldes. : Bild: Sinuk App/Arctic Eider Society

          Den Anfang der App markierte der Wunsch der Ältesten in den Inuit-Siedlungen, „ihr Wissen für die jüngere Generation an einem einzigen Ort zu dokumentieren und zu teilen, welches zuvor nur mündlich über Generationen hinweg bestand hatte“, sagt Heath der kanadischen Rundfunkanstalt CBC.

          „Wir kopieren das Wissen unserer Eltern und verwenden es nur in einem modernen Kontext“, sagt Lucassie Arragutainaq vom Jägerverband Sanikiluaq. Damit die App für alle verständlich ist, unterstützt und übersetzt sie die verschiedenen Sprachen und Dialekte der Inuit. Ziel sei es gewesen, alle relevanten Informationen kompakt zu formieren. „Früher mussten wir mindestens fünf verschiedene Webseiten öffnen, um die Informationen zu bekommen, die wir brauchen“, sagt eine Nutzerin in einem Video auf der Homepage der App.

          Die Entwicklung der App dauerte mehrere Jahre. 2017 wurde das Projekt Sieger der „Goodle.org Impact Challenge“ in Kanada, im Zuge dessen die App mit 750.000 kanadischen Dollar – mehr als 500.000 Euro – finanziert wurde.

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