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Missbrauch bei Domspatzen : Studien liefern Einblicke in System der Gewalt

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Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer (l.) sprach auf der Pressekonferenz, auf der zwei neue Studien zur Aufarbeitung der Gewaltvorfälle bei den Regensburger Domspatzen vorgestellt wurden. Bild: dpa

In den Nachkriegsjahren wurden viele Chorknaben Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt. Zwei neue Studien gewähren einen Einblick in die kirchlichen Machtstrukturen – und widersprechen auch Papst Benedikt.

          Undurchsichtige Strukturen und unklare Verantwortlichkeiten haben die früheren Fälle von Missbrauch und Gewalt bei den Regensburger Domspatzen begünstigt. Zu diesem Ergebnis kommen zwei Studien im Auftrag des Bistums Regensburg, die am Montag vorgestellt wurden.

          Eine Studie führte die Universität Regensburg zur geschichtswissenschaftlichen Aufarbeitung durch. Eine weitere Untersuchung fertigte die Kriminologische Zentralstelle (Krimz) aus Wiesbaden an. Eine 2017 veröffentlichte umfassende Studie hatte gezeigt, dass mindestens 547 der Chorknaben in den Jahren zwischen 1945 und 1995 Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt geworden waren.

          Erfolg des Chores im Vordergrund

          Von außen sei eigentlich keine Korrektur und Kontrolle möglich gewesen, sagte Martin Rettenberger von der Kriminologischen Zentralstelle. Der berühmte Knabenchor und seine Schulen und Internate seien ein abgeschottetes soziales System gewesen, in dem sich eigene moralische Maßstäbe herausgebildet hätten.

          Der Historiker Bernhard Löffler von der Universität Regensburg sprach von einem System des Schweigens, zu dem kirchliche Stellen, aber auch staatliche Institutionen wie das Kultusministerium sowie Teile der Elternschaft beigetragen hätten. Der Erfolg des Chores sei wichtiger gewesen als das Wohlergehen der Schüler. Für kindgerechte Pädagogik habe sich niemand interessiert.

          Besonders schlimm war die Gewalt in der Vorschule mit Schülern der dritten und vierten Klasse. Das Ausmaß der psychischen Grausamkeiten und Übergriffe, die zum Teil auch sexualisiert waren, wurde erst 2010 bekannt.

          Widerspruch zu Aussagen Benedikts

          Die Macher der geschichtswissenschaftlichen Studie haben Äußerungen des emeritierten Papstes Benedikt XVI. zurückgewiesen. Er hatte den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche mit der 68er-Bewegung erklärt. Die Gewalt bei den Domspatzen sei „deutlich überwiegend“ mit Ausnahme eines Einzelfalls nicht Folge der 68er-Pädagogik, sagte der Historiker Löffler. Die bei dem weltberühmten Chor verbreitete Gewalt sei viel mehr als Teil eines Erziehungsalltags zu erklären, der weit vor den 68er-Reformen etabliert gewesen sei.

          Der emeritierte deutsche Papst hatte im Frühjahr in einem Aufsatz die 68er-Bewegung angegriffen und ihr etwa zugeschrieben, Pädophilie erlaubt zu haben. Der Aufsatz sorgte in Deutschland für große Empörung.

          Die Regensburger Domspatzen standen lange unter der Verantwortung von Benedikts Bruder Georg Ratzinger. Löffler sagte, Ratzinger habe für „Jähzorn, überzogene Strenge einschließlich harter Körperstrafen und psychischer Demütigungen“ gestanden.

          Ein sadistisches System wie bei dem 1992 verstorbenen Regensburger Schuldirektor und Priester Johann Meier habe es bei Ratzinger nicht gegeben. Es sei aber „ausgeschlossen“, dass Ratzinger nichts von dessen Prügelattacken gewusst habe.

          Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer bat die Opfer abermals um Vergebung. Das Wichtigste sei jetzt die Prävention. So sehen es auch Vertreter der Betroffenen. Viele wünschten sich, dass Ruhe einkehre und die Domspatzen wieder für ausgezeichnete Musik stünden, sagte Opfervertreter Peter Schmitt.

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