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Nasa bezahlt SpaceX : Start in die neue Welt der kommerziellen Raumfahrt

  • -Aktualisiert am

Neue Ära: SpaceX-Gründer Elon Musk mit den Astronauten Douglas Hurley (zweiter von rechts) und Robert Behnken (rechts) Bild: AFP

Ende Mai soll zum ersten Mal seit knapp neun Jahren wieder eine bemannte Rakete vom Cape Canaveral aus zu einem Flug in den Weltraum starten. Beim letzten Start 2011 hatte die amerikanische Weltraumfahrt noch eine völlig andere Struktur als heute.

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          Wenn alles nach Plan verläuft könnte Ende Mai zum ersten Mal seit knapp neun Jahren wieder eine bemannte Rakete vom Cape Canaveral aus zu einem Flug in den erdnahen Weltraum starten. Wahrscheinlich am Nachmittag des 27. Mai werden sich die beiden amerikanischen Astronauten Robert Behnken und Douglas Hurley an Bord einer Dragon-2-Kapsel an der Spitze einer Falcon-Rakete auf den Weg zur Internationalen Raumstation (ISS) machen. Dort sollen sie nach einem nur 18 Stunden langen Flug anlegen. Dieser Flug würde die Vereinigten Staaten wieder in die Lage versetzen, bemannte Weltraumflüge mit eigenen Transportvehikeln vom amerikanischen Territorium aus zu starten. Das war seit dem Einstellen der Flüge der Raumfähren im Juli 2011 nicht mehr möglich. Deshalb musste die Nasa fast ein Jahrzehnt lang Flugscheine bei der russischen Staatsfirma Roskosmos kaufen, um ihre Astronauten an Bord von Sojuz-Kapseln zur ISS zu schicken.

          Als Douglas Hurley zusammen mit drei anderen Astronauten am 8. Juli 2011 an Bord der Raumfähre Atlantis zum letzten bemannten Flug von Startrampe 39A an Floridas Atlantikküste abhob, hatte die amerikanische Weltraumfahrt noch eine völlig andere Struktur als heute. Seit den Tagen der Gemini- und Apollo-Missionen im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts oblag die bemannte Raumfahrt einzig und allein der Nasa, einer direkt dem Weißen Haus unterstehenden Regierungsbehörde.

          Wenn Hurley in wenigen Wochen wieder in Richtung Orbit abhebt, begibt er sich dagegen in die Hände eines Privatunternehmens. Sowohl die Dragon-2-Kapsel, als auch die Falcon-Rakete als Träger sind vom Unternehmen SpaceX entwickelt und hergestellt worden. Ingenieure der Firma werden vom betriebseigenen Kontrollzentrum in Hawthorne, einem Vorort von Los Angeles, aus sowohl den Start, als auch den Orbitalflug und das Anlegemanöver steuern. Obwohl SpaceX auf die jahrzehntelangen Erfahrungen der Nasa in der bemannten Raumfahrt zurückgreifen konnte, liegt die Verantwortung für den Flug allein bei dem Unternehmen und die Behörde ist lediglich ein zahlender Kunde.

          Zweites Eisen im Feuer

          Tatsächlich hat die Nasa für die Wiederaufnahme bemannter Flüge noch ein zweites Eisen im Feuer. Im Wettbewerb zu SpaceX hat auch der Boeing-Konzern von der Behörde einen Auftrag zum Transport von Astronauten erhalten. Ein erster unbemannter Testflug der sogenannten Starliner-Kapsel lief zwar im vergangenen Dezember wegen eines Programmierfehlers schief. Ein zweiter unbemannter Testflug ist aber für den Herbst vorgesehen. Ist der erfolgreich, könnten Astronauten in knapp einem Jahr an Bord solch einer Kapsel ebenfalls zur ISS fliegen.

          Cape Canaveral: SpaceX-Rakete vor einem Start im Januar
          Cape Canaveral: SpaceX-Rakete vor einem Start im Januar : Bild: AFP

          Die Nasa ist schon seit längerem ein eifriger Kunde bei Privatunternehmen in der Raumfahrtbranche. Seit im Jahr 2011 die Ära der Flüge mit der Shuttleflotte zu Ende ging, haben zwei Privatfirmen im Auftrag der Nasa insgesamt 34 unbemannte Frachtflüge zur ISS unternommen. Kapseln von SpaceX legten bisher insgesamt 22 Mal an der Station an, die Konkurrenzfirma Northrop Grumman unternahm mit ihren Cygnus-Kapseln zwölf Flüge. Zusammen brachten diese Raumschiffe Tonnen von Versorgungsgütern und wissenschaftlichen Experimenten zur Raumstation und entsorgten vergleichbare Mengen an Abfall.

          Von unbemannten Transportflügen ist es jedoch ein großer Sprung zur bemannten Raumfahrt. Das gilt nicht nur für die technische Ausstattung einer Raumkapsel. Fliegen Menschen in ihr, muss sie mit sogenannten Lebenserhaltungssystemen ausgerüstet sein. Dazu gehören nicht nur eine Druckkabine sowie die Versorgung des Innenraums mit Sauerstoff. Astronauten müssen auch einige grundlegende menschliche Bedürfnisse erledigen können. So gibt es in der im Innenraum nur neun Kubikmeter großen Dragon-Kapsel sogar eine Toilette. Außerdem stellt ein bemannter Raumflug wesentlich höhere Ansprüche an die Flugsicherheit. So haben bemannte Kapseln während der verschiedenen Flugphasen die Möglichkeit, sich selbst von einer havarierten Trägerrakete abzusprengen, um anschließend sicher zur Erdoberfläche zurückkehren zu können. SpaceX hat diese Fähigkeit seiner Dragon-Kapsel im Januar während eines unbemannten Testfluges eindrucksvoll gezeigt.

          Dennoch sind sich die beiden Jungfernpiloten Behnken und Hurley als frühere Testpiloten der amerikanischen Streitkräfte bewusst, dass der jeweils erste bemannte Flug einer völlig neuen Raumkapsel besonders risikoreich ist. Das letzte Mal, dass Amerika ein komplett neues bemanntes Raumgefährt in Dienst gestellt hatte, war vor fast 40 Jahren. Am 12. April 1981 hoben die beiden Astronauten John Young und Bob Crippen ebenfalls von Cape Canaverals Startrampe 39A ab. Mit ihrem 54 Stunden langen Flug an Bord der Raumfähre Columbia begann die bis 2011 dauernde Ära der Space Shuttle. So wie der erfahrene Astronaut John Young damals den Übergang von Gemini und Apollo zum wiederverwendbaren Raumtransporter verkörperte, wird Hurley Ende Mai das Bindeglied zwischen der Nasa-Raumfähre und der neuen Welt der kommerziellen Raumfahrt sein.

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