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Nachwuchs der „Blauen Funken“ : „Wenn alle klatschen, das kribbelt schon“

Lars Nordmann beim Tanz seiner Garde bei der GALA-Sitzung der Kölner Funken Artillerie blau weiss von 1870 e.V. Der Zwölfjährige tanzt seit zwei Jahren beim Karnevalsverein „Blaue Funken“ im Nachwuchs Chor. Bild: Edgar Schoepal

Der Rosenmontag steht an. Mit dabei: Lars, 12, aus Köln, einer von den „Blauen Funken“. Ein Gespräch über fliegende Schokolade und „Wagen-Engel“, über die Reaktion seiner Mitschüler und den Einmarsch in Hallen, in denen Hunderte schunkeln.

          Lars, du bist zwölf Jahre alt und tanzt seit zwei Jahren bei einer der ältesten Kölner Karnevalsgesellschaften, den „Blauen Funken“. Der Traditionskorps führt seit Jahrzehnten schon den Rosenmontagszug an. Was bedeutet dieser Tag für dich?

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Der Rosenmontag ist einfach der beste Tag! Die Stimmung, das Kamelle-Werfen, die Leute, die „Kamelle!“ und „Strüßjer!“ rufen – also, die Großen rufen eher „Strüßjer!“ –, die Kostüme, die ganze Musik – das macht so viel Spaß, das ist so schön, man will gar nicht, dass es vorbei ist. Wir laufen immer so fünf Stunden lang, aber ich sehn mich da nie nach dem Ende.

          Wie beginnt der Rosenmontag für dich?

          Wir sammeln uns um neun Uhr am Funkenturm. Dann gibt es Brötchen. Der Kommandant erzählt uns, was so ansteht. Danach gehen wir zum Severinstor und stellen uns auf. Und bekommen die Kamelle und die Strüßjer. Die legen wir in die kleinen Säcke, die wir umhängen haben. Wir dürfen aber noch nichts verteilen, obwohl dann immer schon Leute vor dem Tor stehen und die ganze Zeit Süßigkeiten haben wollen. Aber das geht erst nach dem Tor, wenn es dann losgeht, um zehn Uhr.

          Und was genau werft ihr dann in die Menge?

          Also, die Strüßjer sind Tulpen und Rosen. Die Kamelle sind Gummibärchen in Form der Funken. Und Schokoladentafeln, auf denen „Blaue Funken“ draufsteht. Aber wenn man die wirft, muss man aufpassen, das kann weh tun. Das gibt schon mal Platzwunden. Oder wenn die Leute ihre Handys hochhalten, und da knallt dann die Schokolade dagegen, da kann das Handy kaputtgehen. Deshalb geb ich die Schokolade lieber so raus und werf sie nicht.

          Seid ihr mit den „Blauen Funken“ dann die ersten, die im Zug losmarschieren?

          Nein, vor uns ist noch das Eröffnungskomitee, die Feuerwehr. Also, nicht die normale Feuerwehr, sondern so Feuerwehrmänner in altmodischen Uniformen. Sie heißen „Funkentöter“. Aber wir sind dann „Gruppe eins“.

          Sagen dir deine Freunde, wo sie am Rand stehen, damit sie auf jeden Fall Kamelle fangen?

          Nee, das sagen die nicht. Aber wenn ich sie seh, dann geb ich ihnen immer ein bisschen mehr.

          Ist der Rosenmontagszug auch anstrengend?

          Find ich nicht. Die Zeit vergeht so schnell, weil es so aufregend ist. Bei uns laufen aber auch Vier- und Fünfjährige mit. Wenn die nicht mehr können, dann dürfen sie auf der Kutsche mitfahren. Das ist aber die komplette Ausnahme.

          Sind deine Eltern auch bei den „Blauen Funken“?

          Nein. Mein Vater geht aber dieses Jahr wieder als Wagen-Engel mit. Da bekommt er eine blaue Funkenjacke und ein Käppi. Er passt dann auf, dass nichts passiert. Die Kutsche wird von Pferden gezogen, aber die Wagen werden ja von Traktoren mit riesigen Rädern gezogen. An jedem Rad steht dann jemand. Die müssen die Leute wegschubsen, damit sich niemand verletzt.

          Und deine Mutter?

          Die Mama steht am Rand, sie möchte kein Wagen-Engel sein.

          Wie bist du überhaupt zu den „Blauen Funken“ gekommen?

          Ich war ja immer auf dem Rosenmontagszug. Das fand ich toll, vor allem auch die Leute in den Uniformen. Und dann, da war ich zehn, also in der fünften Klasse, hat meine Mutter gesagt, ich soll mir einen neuen Sport suchen. Und da hab ich gesagt, ich will zu einem Karnevalsverein.

          Wie fanden deine Eltern das? Und dein älterer Bruder?

          Meiner Mutter war das egal. Mein Vater fand das ganz toll. Er kommt ja auch aus Köln. Mein Bruder interessiert sich nicht so für Karneval, der war auch noch nicht oft bei meinen Auftritten, vielleicht nur einmal oder so.

          Und wieso hast du dir gerade die „Blauen Funken“ ausgesucht?

          Die kannte ich ja von den Zügen, die mochte ich immer besonders. Ich weiß nicht genau warum, vielleicht wegen der blauen Uniform, die gefiel mir so gut. Es gibt ja auch die „Roten Funken“, das ist auch ein Traditionskorps. Die „Roten Funken“ wollten ganz früher nicht, dass die „Blauen Funken“ auch mitgehen auf dem Zug, sie wollten die einzigen Funken sein. Da haben sich dann die „Blauen Funken“ einmal als Zuschauer einfach in den Zug eingereiht. Seitdem sind die „Blauen Funken“ dabei.

          Was macht man denn bei einem Karnevalsverein, wenn nicht Karneval ist, also außerhalb der Session?

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