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Jannis Niewöhner im Porträt : Liebe geben

Traumprinz-Klischee: mit Exfreundin Emilia Schüle in „High Society“. Bild: F.A.S.

Jannis Niewöhners Ausstrahlung begeistert. Doch mit seinem Dasein als Sonnyboy hat der Schauspieler zu kämpfen. Inzwischen beweist er sich aber auch in Rollen, die diesem Image nicht entsprechen.

          6 Min.

          Eine von den vielen lustigen, weil herrlich selbstironischen Szenen in Anika Deckers Komödie „High Society“ geht so: Eine verzogene Luxusgöre (Emilia Schüle) hat nicht nur erfahren, dass sie im Krankenhaus vertauscht worden ist und in Wirklichkeit aus einer Unterschichtsfamilie stammt. Jetzt ist ihr auch noch ihr Cabrio geklaut worden, ein weißer Mercedes-Oldtimer mit pinkfarbenem Gebaumel am Rückspiegel. Praktischerweise ist ihr neuer Bekannter, der von Jannis Niewöhner gespielt wird, bei der Polizei und treibt den Schlitten wieder auf. Breit grinsend steht der Polizist neben der Fahrertür, den Putzlappen noch in der Hand. Sein Oberkörper ist – nackt. Bauch und Brust bilden gepflegte Muskelpakete, die Arme sind sichtlich von regelmäßigem Training gestählt. Die Boxershorts überragen den Hosenbund.

          Julia Schaaf
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es gibt keinen erzählerischen Grund für diese Freizügigkeit. Selbst Superprolls sind beim samstäglichen Polieren ihrer Autos angezogen, auch der Filmpolizist wird deshalb gleich wieder sein eng sitzendes Dienst-T-Shirt überstreifen, das ihm selbstverständlich ebenfalls großartig steht – Uniform soll ja sexy sein. Bis dahin jedoch zeigt Niewöhner sich als attraktiver Halbnackter mit diesem für ihn typischen, zuversichtlichen Strahlen, das zu sagen scheint: Hey, Mädchen, wie zickig oder frech, wie verwöhnt, wie hübsch oder garstig du auch sein magst – vor dir steht der tollste Hecht, den du dir wünschen kannst. Ein sympathischer Mister Universum von nebenan.

          „Ich war jetzt nie so der Belesene oder wahnsinnig Intellektuelle“

          Jannis Niewöhner ist 25 Jahre alt und schon mehr als die Hälfte seines Lebens Schauspieler. Das Etikett des Sonnyboys begleitet ihn, seit er 2006 in einer TKKG-Verfilmung den Kopf der Detektivbande gab. Niewöhner ist damit aufgewachsen, dass Medien ihn als Mädchenschwarm bezeichnen. Die Fantasy-Trilogie nach den Jugendbüchern von Kerstin Gier – „Rubinrot“, „Saphirblau“, „Smaragdgrün“ – verpasste dem Image vom Teenie-Traumprinzen den letzten Schliff. Aber auch Maskenbildnerinnen jenseits des Klimakteriums seufzen bei Dreharbeiten, wie gut dieser schmucke Kerl ihnen gefalle. In den „Ostwind“-Pferdefilmen schmachten Mütter an der Seite ihrer Töchter.

          Kinotrailer : „High Society“

          Niewöhner hätte passieren können, was für jeden deutschen Schauspieler zum Berufsrisiko gehört: festgelegt zu werden auf sein Aussehen und eine Facette seines Könnens, um auf ewig in einer Nische festzustecken. Aber der Beau aus Krefeld hat sich inzwischen auch in anderen Rollen bewiesen. Gerade zum Beispiel ist er im Kino in der Ödön-von-Horvárth-Adaption „Jugend ohne Gott“ zu sehen, in der er einen sensiblen Charakter spielt, der auch schon mal mit hervortretender Halsschlagader drauflosprügelt. „High Society“ jetzt versetzt Niewöhner in die Lage, seinen Markenkern aus pubertärer Projektionsfläche und Wunsch-Schwiegersohn souverän durch den Kakao zu ziehen – besser gesagt: durch den Champagner.

          „Es gab eine Zeit“, erzählt Niewöhner, „da wurden mir immer Rollen abgesagt, weil die Leute mich vorher in anderen Sachen gesehen hatten und fanden, dass ich zu glatt bin, oder sie mir das nicht zugetraut haben.“ Ein Café am Boxhagener Platz in Berlin-Friedrichshain. Niewöhner wohnt einen Stadtteil weiter, weil er als Kind vom Land es gerne ein bisschen ruhiger hat, aber der Szenekiez ist mit dem Auto nicht weit. Der Schauspieler hat Unmengen von Zucker in seinen doppelten Espresso gerührt und sich eine Zigarette angezündet. Im Gespräch lacht er viel. Wenn er dabei die Zähne zeigt, ist das so ein selbstgewisses Teflon-Strahlen, das an Til Schweiger erinnert. Sein Lächeln jedoch ist auch in echt so charmant und warm wie jenes, mit dem er Filmpartnerinnen und Zuschauerinnen um den Finger wickelt. Niewöhner wirkt offen und ernsthaft, bleibt aber manchmal vage und oberflächlich. „Ich war jetzt nie so der Belesene oder wahnsinnig Intellektuelle“, sagt er über sich selbst.

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