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Nach rassistischem Kommentar : Ein Lovestorm für das Nürnberger Christkind

  • Aktualisiert am

Die Freude war groß: Am Mittwoch wurde Benigna Munsi zum neuen Nürnberger Christkind gewählt. Bild: dpa

Auf Facebook freuen sich Hunderte Nutzer mit der Schülerin Benigna Munsi über ihre Wahl zum neuen Nürnberger Christkind. Mit dem „Lovestorm“ reagieren sie auf einen rassistischen Kommentar der AfD über die Schülerin.

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          Die Wahl der 17 Jahre alten Benigna Munsi zum neuen Nürnberger Christkind war einstimmig. „Ihre frische, herzliche, empathische und unbekümmerte Art, ihre Ehrlichkeit und Offenheit hat die Jury beeindruckt. Wir sind sicher, dass sie die Aufgabe, auf alle Menschen zuzugehen, mit ihrer spontanen Art hervorragend meistern wird“, heißt es auf der Homepage des Nürnberger Christkindlesmarkt.

          Schon vor ihrem großen Auftritt auf der Empore der Nürnberger Frauenkirche, wo die junge Frau Ende November als Christkind verkleidet den Nürnberger Christkindlesmarkt eröffnen wird, hat Benigna Munsi Hunderte Internetnutzer für sich begeistert, die ihr zur Wahl gratulierten, ihr Komplimente machen – und sie nach einem rassistischen Kommentar ermutigen und unterstützen.

          Auf Facebook hatte der AfD-Kreisverband München-Land am Donnerstag das Bild der Schülerin gepostet und darüber in Anspielung auf die Ausrottung der Ureinwohner Amerikas geschrieben: „Nürnberg hat ein neues Christkind. Eines Tages wird es uns wie den Indianern gehen.“ Rund 1600 Nutzer stärkten daraufhin dem neuen Christkind in kurzer Zeit mit positiven Kommentaren den Rücken. Ein „Lovestorm“, sozusagen, im Gegensatz zu den sonst in sozialen Netzwerken üblichen Shitstorms. Auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder meldete sich am Freitag zu Wort: „Ich freue mich sehr für sie. Umso schäbiger ist das Verhalten einzelner AfD Funktionäre. Diese Hetze dürfen wir nicht zulassen“.

          „Du bist genau die Richtige“

          Das Nürnberger Christkind wird alle zwei Jahre neugewählt. Die Bewerberinnen müssen schon länger in Nürnberg leben, mindestens 1,60 Meter groß sein und schwindelfrei sein, außerdem „herzlich, offen und belastbar“. Es hat in der Weihnachtszeit zahlreiche öffentliche Auftritte in Kindergärten, Krankenhäusern und karitativen Einrichtungen. Wie auf der Homepage des Christkindlesmarktes zu lesen ist, ist Benigna Munsi im Theater aktiv, hat vor Kurzem das Fußballspielen für sich entdeckt und engagiert sich als Ministrantin. Im vergangenen Jahr war sie als Austauschschülerin in Brasilien. Sie ist gebürtige Nürnbergerin, ihr Vater ist Inder, ihre Mutter Deutsche. 

          Der Post der AfD wurde inzwischen gelöscht. Die AfD-Kreisvorsitzende München-Land, Christina Specht, sagte auf Anfrage, der Kommentar entspreche nicht den Werten der AfD und sei von einem Redakteur des Kreisverbands eigenmächtig gepostet worden. Dieser sei inzwischen zurückgetreten. „Solche Inhalte teile ich definitiv nicht. Ich möchte mich im Namen des Kreisverbands bei Frau Munsi entschuldigen. Wir finden, dass sie ein sehr gutes Christkind für Nürnberg sein wird.“ Als Konsequenz aus dem Posting gelte nun im Kreisverband bei Kommentaren in sozialen Netzwerken im Internet ab sofort das Vier-Augen-Prinzip, sagte Specht.

          Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte dazu am Freitag: „Selbst wenn die AfD-Kreisvorsitzende sich von dem Eintrag distanziert hat, macht es die Aussage nicht besser“, sagte Herrmann. „Das Posting zeigt nämlich abermals den rechtsextremistischen Wind, der bei der AfD weht.“ 

          Benigna Munsi selbst bedankte sich am Freitag auf Facebook für die viele Unterstützung. Dort sprachen ihr abermals zahlreiche Nutzer ihre Unterstützung aus, nach eigenen Angaben kommen sie nicht nur aus Nürnberg, sondern unter anderem auch aus Würzburg, Köln oder Berlin. „Perfektes Christkind“ heißt es zum Beispiel, „Du hast ein tolles Lächeln“, und: „Du bist genau die Richtige.“

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