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Nun in Brüssel : Diese Prominenten ziehen ins Europaparlament

Von der Spitzenköchin zur Politikerin: Sarah Wiener zieht für die österreichischen Grünen ins EU-Parlament. Bild: Picture-Alliance

Ein ehemaliger Priester, eine Spitzenköchin und ein früherer Astronaut – sie alle waren als Kandidaten zur Europawahl angetreten. Diese sechs haben es geschafft.

          Zur Europawahl sind nicht nur Berufspolitiker angetreten. Auch einige Prominente aus Sport, Wirtschaft und Entertainment haben über einen Karrierewechsel nachgedacht und sich um den Einzug ins Parlament in Brüssel beworben. Unter ihnen waren nicht nur Rachel Johnson, die Schwester des Brexit-Befürworters Boris Johnson, sondern auch Chris Terhes, ein ehemaliger rumänischer Priester, oder Ivan Bella, der erste Slowake im All.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Geschafft hat es keiner der drei, dafür aber diese sechs europäischen Promis:

          Sarah Wiener

          Sarah Wiener sagt, sie habe „wilde Wochen“ hinter sich. Die Fernsehköchin und Autorin hat für die österreichischen Grünen Wahlkampf betrieben. Die Partei war zwar vor zwei Jahren aus dem Parlament geflogen, doch bei der Wahl für das Europäische Parlament konnten sie wieder zulegen und kamen auf 14 Prozent der Stimmen. Wiener, die auf dem zweiten Listenplatz angetreten war, zieht damit ins Parlament ein. Am Wahlabend war sie dann selbst ein wenig überrascht von dem guten Ergebnis: „Damit hat keiner gerechnet“, sagte sie gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Und fügte hinzu, dass sie das Votum als „Vertrauensvorschuss“ ihrer Wähler sehe.

          Nico Semsrott

          Der 33 Jahre alte gebürtige Hamburger trat auf dem Listenplatz zwei für Sonneborns „Die Partei“ an. Er gehört zum Team der Satiresendung „Heute Show“ im ZDF, war als Kabarettist auf deutschen Bühnen unterwegs und betreibt einen eigenen Youtube-Kanal mit mehr als 89.000 Followern. Als Beruf gab er auf dem Wahlzettel „Demotivationstrainer“ an. Als Reaktion auf seinen Einzug ins Europaparlament postete er auf Twitter: “lol“.

          Bekommt in Brüssel bald Gesellschaft: Neben Martin Sonneborn (links) sitzt künftig auch Nico Semsrott für die Satirepartei „Die Partei“ im europäischen Parlament.

          Sarunas Marciulionis

          Der 54 Jahre alte Basketballstar aus Litauen ist auch über die Grenzen des kleinen baltischen Landes hinaus bekannt – bisher allerdings für seine sportlichen Errungenschaften. 1988 gewann er mit dem sowjetischen Nationalteam die Goldmedaille bei den Olympischen Sommerspielen. Nach dem Ende der Sowjetunion war Marciulionis der erste Spieler des ehemaligen Staates, der in die NBA wechselte. Er kandidierte auf der Liste der „Litauischen Bauern und Grünen-Vereinigung“, ohne Mitglied der Partei zu sein. Den Sitz hat er gewonnen und will sich nun im EU-Parlament für ein Jugend- und Sportkomitee einsetzen.

          Vom NBA-Star zum Politiker: Der frühere Basketballer Sarunas Marciulionis

          Ilie Năstase

          Noch ein Sportler, der eine neue Karriere in der Politik sucht. Năstase führte von 1972 bis 1973 über 40 Wochen die Tennisweltrangliste an. Er gewann 58 Einzeltitel. 1990 hatte er schon einmal mit der Politik geliebäugelt. Damals kandidierte er für das Amt des Bürgermeisters von Bukarest, scheiterte aber. In den vergangenen Jahren machte er mit verbalen Ausfällen in Wimbledon Schlagzeilen. Dort war er als Trainer der rumänischen Frauenmannschaft, machte am Rande des Spielfelds rassistische Witze über Serena Williams Baby und stieß dann einen der niederen Flüche über die britischen Spielerinnen aus. In der Royal Box hat er deshalb Hausverbot. Für das EU-Parlament stand er auf der Liste der UNPR, der Nationalunion für den Fortschritt Rumäniens, einer Abspaltung von den dortigen Sozialdemokraten.

          In Wimbledon: Ilie Nastase

          Caio Giulio Cesare Mussolini

          Caio Giulio Cesare Mussolini ist ein Urenkel des italienischen Diktators Benito Mussolini. Sein Großvater war Vittorio Mussolini, der eine wichtige Rolle bei der Errichtung der Republik von Salò gespielt und sich nach dem Zweiten Weltkrieg nach Argentinien abgesetzt hatte. Caio Giulio Cesare Mussolini ist dort geboren, kehrte jedoch nach Italien zurück, wo er einige Jahre Marineoffizier für U-Boote war. Später zog er in die Vereinigten Arabischen Emirate und leitet dort ein Unternehmen für U-Boote. Er ist für die Fratelli d'Italia (Brüder Italiens) angetreten, eine kleine, ultrarechte Partei. Sich selbst bezeichnet er als „Post-Faschisten“, sagte im Wahlkampf aber, dass er sich „niemals für seine Familie schämen werde“. Die Fratelli haben die in Italien gültige Vier-Prozent-Hürde geschafft, mit mehr als sechs Prozent könnten ihr fünf bis sechs Sitze zustehen. Ob der 51-jährige Mussolini unter jenen ist, die ins EU-Parlament einziehen, ist noch fraglich.

          Der Urenkel des Diktators: Caio Giulio Cesare Mussolini könnte für die ultrarechte Partei „Fratelli d’Italia“ einen Sitz im Parlament ergattern.

          Silvio Berlusconi

          Die Forza Italia des ehemaligen Ministerpräsident Silvio Berlusconi kam auf 8,8 Prozent. Der 82-jährige Berlusconi ist laut Forbes-Schätzung mit einem Vermögen von 6,7 Milliarden Dollar einer der reichsten Italiener und durch zahlreiche Prozesse – von der Ruby-Affäre mit einer Minderjährigen bis hin zu Steuerbetrug – auch einer der skandalumwittertsten. Ihm gehören Verlagshäuser, Fernsehsender und ein Fußballverein. Er war trotz gesundheitlicher Probleme als Kandidat angetreten und sicherte sich nun einen Sitz im EU-Parlament. Was das mitunter für die Diskussionen dort heißen könnte, hatte er bereits 2003 gezeigt. Damals antwortete er in einem Wortgefecht mit Martin Schulz (der zu der Zeit stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Sozialdemokraten im Europäischen Parlament war): „In Italien wird gerade ein Film über die Nazi-Konzentrationslager gedreht, ich schlage Sie für die Rolle des Lagerchefs vor.“ Für den Nazi-Vergleich hat er sich nicht entschuldigt. Dass seine Partei nun acht Sitze gewann, sah er laut Corriere della Sera als „ein Zeichen, dass die Italiener endlich die Augen öffnen.“

          Italiens früherer Ministerpräsident Silvio Berlusconi bei der Stimmabgabe in einem Mailänder Wahllokal

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