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Nach dem Pisa-Erfolg der Sachsen : Gennse Ulbrichdn noch? Sähnse!

  • Aktualisiert am

Autor und Herausgeber: Wolfgang Schütte vom Sächsischen Mundartinstitut Bild: Armin Kühne

In der Pisa-Studie haben die Sachsen diesmal die Nase vorn. Doch mit dem Image ihres Dialektes steht es nicht zum Besten. Dabei sind die Sachsen nach Meinung des Leipziger Autors Wolfgang Schütte besonders „helle un heeflich“.

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          In der Pisa-Studie hat Sachsen diesmal besser abgeschnitten als Bayern. Doch für ihren Dialekt bekommen die Sachsen meistens keine guten Noten. Dabei seien seine Landsleute besonders „helle“, wie der Leipziger Autor und Herausgeber Wolfgang Schütte vom Sächsischen Mundartinstitut meint. Er erklärt, worauf es ankommt.

          Umfragen der letzten Jahre belegen immer wieder, dass - obwohl Dialekte im Rückzug sind - Bayerisch immer noch der meistgesprochene Dialekt ist. Oft kann dieser Dialekt aber auch ein Hindernis sein, vor allem in der Schule, wenn es für Schüler zum Beispiel aus Franken oder dem Schongau darum geht, einen hochdeutschen Satz zu formulieren. Sehen sie ähnliche Probleme in Sachsen?

          Nee.

          Warum ist Sächsisch regelmäßig der unbeliebteste Dialekt?

          Gude Frahche. Andword: Ärschdens: Weil die anderen, Hesen, Bayern, Schwaben und so weiter, von der Ansicht ausgehen, Sächsisch sei nur eine sprachliche Unart und dabei gern vergessen, dass ihre Mundart auch nicht immer das Gelbe vom Ei ist. Zweedens: Mir sin helle un heeflich un verfiechn ohch iewr ä häbbchen Schbaß. Das hadd mr nich iewrall.

          Liegt das wirklich nur am Dialekt?

          Natürlich nicht, sondern daran, dass u.a. das Wirken sächsischer mittelmäßiger Politiker nachwirkt. Gennse Ulbrichdn noch? Sähnse.

          Wie ist die Einstellung der Sachsen zu ihrem Dialekt - mögen Sie ihn, oder wollen Sie ihn auch möglichst loswerden?

          Nicht jeder Sachse ist stolz auf seinen Dialekt, einige wollen ihn gern los werden, schaffen es aber in Leipzig dann doch nur zum „Gewandhaus-Sächsisch“. Dabei sagte schon unsere große Mundartdichterin Lene Voigt: „Es gibt nichts Ulkigeres, als einen Sachsen, der sich geniert einer zu sein“. Andere sind stolz darauf und kämpfen für den Erhalt der sächsischen Mundart. Weil es Vokabeln gibt, die auszusterben drohen. Oder wissen Sie, was änne lawede Bimml ist? Eine nicht mehr fahrtüchtige Straßenbahn, zu Zeiten, als noch mehr Pinkepinke unter den Leuten war, auch „Groschendampfer“ geheißen.

          Ist Sächsisch für Sie wirklich ein Dialekt oder doch nur eine Mundart?

          Lassen Se sich gee ix for ä u vormachen: Dialekt is Mundart, un Mundart is Dialekt - so steht es in jedem Lexikon oder Fremdwörterbuch.

          Ist es denn ein schwacher Dialekt, der die Grammatik nicht so beeinflusst?

          Da die Sachsen beim Reden und Schreiben weder Orthographie noch Grammatik brauchen, sondern ihre Mundart ähm eefach druff hahm, gibds geene Beeinflussung.

          Gibt es so was, wie ein allgemeines Sächsisch oder variiert es sehr?

          Sächsisch existiert in vielerlei Varianten, Dräsden, Leibzch und Gämnitz streiten sich schon ewig darum, wo das richdche Säggs'sch gesprochen wird. Die salomonische Antwort: Immer da, wo‘r drheeme is.

          Schließlich noch…denken Sie, das Ergebnis des PISA-Test wird irgendwelche weitreichenden Auswirkungen haben, auch auf ihre Arbeit?

          Na glar! De jung Leide wärn gliechr als mir es mal warn. Das machd uns Saggsn ähmd richdch schdargg.

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