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Nach Brexit : UK-Aufkleber für britische Autos

Künftig müssen Wagen für die Fahrt ins Ausland auf der Rückseite einen Aufkleber mit der Aufschrift „UK“ tragen. Das bisherige „GB“ ist vom 28. September an allein nicht mehr gültig. Bild: dpa

Nach dem Brexit brauchen britische Autofahrer im Ausland jetzt neue Nummernschilder – oder zumindest einen Aufkleber. Das „GB“ soll durch „UK“ ersetzt werden, offenbar um Nordirland in den Begriff zu inkludieren.

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          Britische Autofahrer haben es schwer. Nicht nur erweitern die Stadtregierungen beständig die Gebiete, in denen Extraabgaben fällig werden („congestion charge“ und „low emission zone charge“). Zurzeit müssen sich die Fahrer sogar glücklich schätzen, wenn ihre Tankstelle noch offen ist und ihnen etwas Treibstoff verkauft. Und ab diesem Dienstag drohen den Fahrern auch noch Bußgelder, wenn sie ihre Autos ohne politisch korrekten Aufkleber von der Insel herunter auf den Kontinent steuern.

          Jochen Buchsteiner
          Politischer Korrespondent in London.

          Die Regierung in London, die mit dem Brexit die Kontrolle zurückgewinnen und die viel geschmähten Brüsseler Überregulierungen loswerden wollte, verpflichtet alle Fahrer, ihre Autos auf Auslandsreisen fortan mit einem „UK“-Herkunftssymbol zu schmücken. Wer noch kein neues Nummernschild bestellt oder erhalten hat, muss einen entsprechenden Sticker kaufen und aufkleben. Die Neuerung, die schon an die Vereinten Nationen weitergegeben wurde, hat bisher wenig Anhänger gefunden. Während Pragmatiker einen überflüssigen Verwaltungsakt kritisieren, beklagen Traditionalisten das Ende einer mehr als 100 Jahre alten Ära. Denn bisher waren die Autos aus dem Königreich international als Motorsubjekte von GB, also Great Britain, definiert.

          Zeichen der Zusammengehörigkeit

          Noch im Januar, als die Brexit-Übergangsregelungen ausliefen und die neue Souveränität in ihrer ganzen Pracht sichtbar wurde, hatte Verkehrsminister Grant Shapp stolz die neuen GB-Nummernschilder vorgestellt. Auf diesen prangt GB links neben der individuellen Nummern- und Buchstabenkennung – aber nicht mehr unter dem EU-Logo, sondern unter einem Union Jack. Dass Britanniens Autofahrer jetzt, nur wenige Monate später, abermals nachrüsten müssen und unter den UK-Schirm zwangsintegriert werden, hat vor allem politische Gründe. In London unterstellt man der Europäischen Union, mit der strengen Auslegung des Brexit-Vertrags bewusst einen Keil zwischen Großbritannien – also England, Wales und Schottland – sowie Nordirland treiben zu wollen. Mit dem Umstieg auf den inklusiveren Begriff UK (als Abkürzung für United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland) hofft die Regierung offenbar, ein machtvolles Zeichen der Zusammengehörigkeit zu setzen.

          Eine offizielle Erklärung fehlt bisher, aber die Sunday Times zitierte eine Regierungsquelle mit den Worten, dass der Wechsel des Akronyms „Nordirland besser einbezieht“ und helfe, „im Ausland das Ganze des Königreichs darzustellen“. Die Neuregelung der Neuregelung dürfte nun zumindest gelten, bis die angestrebten Referenden in Schottland und Nordirland die Lage der Autonation abermals verändern könnten.

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