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Mutter setzte zweimal Kinder aus : Findelkinder als Geschwister identifiziert

  • Aktualisiert am

Dieses Baby, ein Mädchen, wurde vor drei Wochen in einer Sparkasse in Hof ausgesetzt Bild: dpa

Zum zweiten Mal innerhalb von sieben Jahren hat eine Mutter kurz nach der Geburt ihr Baby ausgesetzt. Mit Hilfe eines DNA-Tests fanden Ermittler heraus, dass ein vor wenigen Wochen in Hof ausgesetztes Mädchen und ein bereits vor sieben Jahren in Plauen ausgesetzter Junge Geschwister sind.

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          Zweimal sah sie sich offenbar nicht in der Lage, ihr Neugeborenes groß zu ziehen. Und zweimal schien ihr die Wärme des Foyers einer Sparkasse der beste Platz, um das Baby auszusetzen. Drei Wochen nach dem Fund eines gerade geborenen Mädchens im Vorraum der Sparkasse Hof hat die Polizei nun herausgefunden, dass die unbekannte Mutter schon einmal ein Kind auf diese Weise abgelegt hat. Vor fast genau sieben Jahren fanden Bankkunden im 30 Kilometer entfernten Plauen einen kleinen Jungen im Kassen-Foyer. Der Fall heizt die Debatte über die Notwendigkeit von Babyklappen neu an.

          Der Bruder des in Hof ausgesetzten kleinen Mädchens war am 17. September 2001 warm eingepackt im Vorraum der Sparkasse Vogtland gefunden worden. Max nannten die Behörden den inzwischen bei Adoptiveltern lebenden Jungen. Wie damals der kleine Max entwickelt sich jetzt auch seine Schwester prima. Nur wenige Tage, nachdem sie Bankkunden ebenfalls warm eingepackt in der Nacht zum 17. November gefunden hatten, konnte die Kleine schon an Pflegeeltern übergeben werden. Einen Namen hat sie nicht - weil die Adoption noch nicht eingeleitet werden konnte, durfte ihr noch kein Name gegeben werden. Ob die Kleine womöglich sogar in die neue Familie ihres Bruders kommen kann, ist der Polizei unbekannt. Das Jugendamt muss den Fall prüfen.

          Von der Mutter keine Spur

          Die Polizei sucht noch immer fieberhaft nach der unbekannten Mutter, wie der Hofer Polizeisprecher Willi Wehner sagt. Dass sie schon zum zweiten Male ein Baby ausgesetzt hat, fanden die Beamten durch einen DNA-Abgleich mit anderen ausgesetzten Kindern heraus. Ansonsten hat die Polizei wenige Hinweise auf die Frau. Eine Videokamera hat zwar das Ablegen gefilmt. „Aber auf den Bildern ist nur ein Schatten zu erkennen.“ Hinweise aus der Bevölkerung gibt es bisher keine. Ähnlich war es vor sieben Jahren in Plauen.

          Die Polizei stützt sich bei ihrer Suche auf zwei Beweismittel. Da ist zum einen das rosafarbene Laken, in das das Mädchen gehüllt war. Das 1,20 mal 2,20 Meter große Laken stammt aus DDR-Produktion, wie das Etikett mit der Aufschrift „VEB Wäscheunion, Textilwerke Elsterberg“ verrät. In der Lokalpresse mutmaßen Leserbriefschreiber, dass die Mutter das Laken zu ihrer Jugendweihe geschenkt bekommen haben könnte. Doch die Polizei hat über das Laken noch keine Hinweise auf die Frau gefunden.

          Mädchen hatte Glück

          Vielversprechender ist der zweite Beweis: Die Tür zur Sparkasse wurde mit einer EC-Karte der Sparkasse Vogtland geöffnet. Der Kartenleser am Eingang hat die ersten Zahlen der Karte gespeichert. In einer Sisyphusarbeit überprüften seine Kollegen derzeit alle infrage kommenden Karteninhaber, sagt Wehner. Womöglich sie es aber nur eine verlorene Karte gewesen, die jemand genutzt habe.

          Der Polizei geht es nicht darum, Mutter und Baby wieder zusammen zu bringen. Es geht den Beamten darum, dass die Frau bestraft wird - für das Aussetzen eines Kindes können Haftstrafen verhängt werden. Das kleine Mädchen hatte das Glück, das in der Nacht überhaupt Kunden Geldholen kamen - nach dem Ablegen um 23.08 Uhr dauerte es zweieinhalb Stunden, bis jemand wieder an den EC-Automaten ging.

          Rege Diskussion über Babyklappe

          In Plauen wird der Fall in der Nachbarstadt sensibel beobachtet. Nachdem dort bei einer Frau vor einem Jahr drei tote Babys gefunden worden waren, hatte es unter den knapp 70.000 Einwohnern rege Diskussionen über die Einrichtung einer Babyklappe gegeben. Der Stadtrat machte dafür inzwischen den Weg frei. Noch vor Weihnachten soll Plauen eine Babyklappe bekommen, wo Mütter in Not anonym ihr Neugeborenes aussetzen können, ohne deren Leben zu gefährden.

          Johann Dudla, der mit seiner Stiftung Lebensweg für die Babyklappe gekämpft hatte, sieht nun auch die Stadt Hof am Zuge. Normalerweise würden Frauen in einer Notsituation nicht die 30 Kilometer von Hof zur Babyklappe nach Plauen fahren, sagt Dudla. „Am besten wäre es, wenn jede Stadt eine Babyklappe hätte.“

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