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Nachhilfe auf Youtube : Stochastik in fünf Minuten

  • -Aktualisiert am

Macher sind überzeugt vom Potential der Angebote

Haben also Lehrer und Nachhilfe versagt? Reichen konventionelle Schulmethoden nicht mehr aus? Kann Youtube mehr als der ausgebildete Lehrer? Teilweise schon, findet Zara, eine 16-jährige Gymnasiastin aus Düsseldorf. Die Zehntklässlerin ist eigentlich sehr gut in der Schule, trotzdem holt sie immer wieder Unterrichtsstoff auf Youtube nach, gerade in Bio und Mathe. „Die erklären das auf Youtube manchmal echt besser als unsere Lehrer“, sagt Zara. Kommentare unter den Videos bestätigen Zaras Eindruck. „Mit euren Videos rettet ihr einfach Generationen von Schülern!!!“, schreibt ein euphorischer User unter ein Mathe-Video von „TheSimpleClub“. Ein anderer ergänzt: „In 7 Minuten besser verstanden als in 2 Jahren.“

Kann nicht mehr alle Fragen der Nutzer beantworten: Mirko Drotschmann.

Derartige Rückmeldungen bestätigen die Macher. Der Physik-Doktorand Philip Häusser ist überzeugt vom Potential digitaler Nachhilfeangebote. „Diese Videos sind sehr gut vor- und aufbereitet“, betont er. „Außerdem ist einfach mehr möglich, finanziell und logistisch.“ Häusser hat selbst schon Mathe-Nachhilfevideos in Kooperation mit dem Dudenverlag gedreht, erklärt für das ZDF bei „Terra X Lesch & Co“ und vor allem auf seinem eigenen Youtube-Kanal „Phil’s Physics“ physikalische Alltagsphänomene, begleitet von spektakulären Versuchen, samt Nebel und Explosionen. Dass solche Wow-Effekte spannender sind, als die Schulbank zu drücken, ist klar. Aber hinter Explosionen und ansprechenden Titeln wie „Entsteht Popcorn, wenn der Blitz ins Maisfeld einschlägt?“ verbergen sich Erklärungen zu Gewitter und Elektrizität. Die Schüler lernen also Physik. Und das auch noch freiwillig.

Schüler sind oft motivierter

Das ist ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Nachhilfeangebote auf Youtube. Deshalb sei der Lerneffekt oft höher als im klassischen Nachhilfeunterricht, sagt Häusser. „Schüler gucken sich das an, weil es sie interessiert.“ Oder eben kurz vor Klausuren, weil sie den Stoff jetzt endlich mal kapieren wollen. So oder so sind sie oft motivierter als in der Schule. Zudem wird der Weg zur Nachhilfestunde – und das Geld dazu – gespart. „E–Nachhilfe“ ist also vor allem eins: praktisch.

Doch der Boom derartiger Angebote wird nicht nur positiv wahrgenommen. Interaktion zwischen Lehrer und Schüler, von Pädagogen gefordert, fällt weg. „Bei uns können Schüler sofort nachfragen, wenn sie etwas nicht verstanden haben, das geht im Netz nicht“, erklärt Raul Simionescu, Physiklehrer an einer Realschule in Dachau. Letztlich sind Youtube-Videos die Rückkehr zum Frontalunterricht, wenngleich zu einem sehr gut aufbereiteten.

Nicht alle Fragen können beantwortet werden

Youtuber versuchen, dieses Manko auszugleichen. Durch Klickzahlen und die Möglichkeit, die Beiträge zu kommentieren, findet eine Art Kommunikation zwischen dem Schüler vor und dem Lehrer hinter dem Bildschirm statt. Viele virtuelle Nachhilfelehrer bieten zudem an, Fragen zu Hausaufgaben, Klausuren und Referaten digital zu beantworten. Was allerdings nur bis zu einem gewissen Grad möglich ist: „Bitte schickt mir keine Fragen mehr“, schreibt „MrWissen2go“ alias Mirko Drotschmann an seine Fans; „ich bekomme pro Tag einfach zu viele Mails, als dass ich alles beantworten könnte.“

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