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In neuem Musikvideo : Jan Böhmermann ruft Vereinigte Staaten von Europa aus

  • -Aktualisiert am

Der Moderator und Satiriker Jan Böhermann Bild: dpa

In einem Satire-Video ruft Jan Böhmermann zum Zusammenschluss aller europäischen Staaten auf und nennt die neue Einheit „U.S.E. United States of Europe“. Das Internet diskutiert bereits heftig – und auch die Politik reagiert prompt.

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          Hat da jemand etwas von Austritt aus der Europäischen Union gesagt? Brexit? Anyone? Wer es auch immer ruft, seine Schreie sind nicht bis in die Ohren von Satiriker und Moderator Jan Böhmermann vorgedrungen. Während das Abstimmungs-Drama beim Brexit am Freitag in seinen dritten und möglicherweise finalen Akt geht, besingt Böhmermann als Leadsänger der fiktiven Rockband „DEF ERENDUM“ eine Zukunft, in der sich alle europäischen Staaten zusammenschließen und es dem großen Bruder der Vereinigten Staaten von Amerika nachmachen – „U.S.E.“, also „United States of Europe“.

          „Keine Union“, in der Form, wie sie bereits existiert, fordert Böhmermann, er will alles. Alles – das ist die Verbindung zu einem ganz großen Staat, in dem Flüchtlinge nicht im Meer ertrinken, Gurken nicht in Plastik eingewickelt werden und alle Grenzen und Zäune verschwinden, geführt von einer Armada aus Avengers, die die einzelnen Länder verkörpern sollen.

          „You're free to do whatever you want“

          Für seine Vision der Zukunft lässt sich Böhmermann von der Vergangenheit inspirieren. Etwa von Konrad Adenauer, der zu Beginn in schwarz-weißem Bild noch einmal die Worte ruft: „Wenn wir die Wahl haben zwischen Freiheit und Sklaverei, wis­sen wir, was wir wählen: Wir wählen die Frei­heit.“ So singt auch Böhmermann, geschminkt mit der europäischen Flagge auf dem gesamten Gesicht, „You're free to do whatever you want.“, Du bist frei zu tun, was auch immer du willst.

          Das Video versetzt nicht nur zahlreiche Nutzer sozialer Medien in Aufregung, sondern ruft sogar Politiker auf den Plan, die zuletzt etwas aus dem Fokus geraten waren. Auf Twitter erinnert Martin Schulz Jan Böhmermann daran, dass die SPD die Idee eines europäischen Zusammenschlusses ja schon 1925 hatte. Damals, sieben Jahre nach dem Ersten Weltkrieg. Nur fünf Jahre bevor die Regierung der großen Koalition, an der auch die SPD beteiligt war, zu Grunde ging und die NSDAP bei der Reichstagswahl zweitstärkste Kraft wurde. Der Rest ist Geschichte.

          An der Idee des Vereinten Europas hat die SPD aber festgehalten: „Wenn wir mit unserer Vision 2019 endlich auch TV-Satiriker erreichen, erreichen wir hoffentlich in absehbarer Zeit auch das Ziel“, schreibt Schulz. Wem das gar nicht gefällt, ist die AfD Heidelberg: „Wer SPD wählt, wählt genau das. Und ja, davon hat es viele Fans in der linken Filterblase.“

          Böhmermann, der auch seinen Twitter-Account zum Namen der Band geändert hat, will davon nichts wissen. Ganz nebenbei lässt der in ein rockig-chices Kostüm geschlüpfte Satiriker die griechische Legende von Europa wieder auferstehen. Zeus hatte in der griechischen Mythologie ein Auge auf die junge Frau geworfen. Seine Ehefrau Hera war weniger überzeugt. Um Europa dennoch treffen zu können, verwandelte sich der Gott in einen Stier und trug Europa zur Insel Kreta. Drei Söhne entstanden aus der Affäre – und das Stück Land sollte der Verheißung nach fortan Europa heißen.

          Nachdem Böhmermann einer rot-blonden Frau in weißem Gewand eine goldene Krone mit blauen Edelsteinen aufsetzt, die ganz zufällig auch der Freiheitsstatue der Vereinigten Staaten von Amerika stark ähnelt, sieht der Zuschauer ein Comicheft, in dem Europa auf ihrem Stier und der Flagge der EU in eine unbekannte Zukunft reitet. Im Fernsehen wird die erste europäische Premierministerin vereidigt.

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